Neue Top Level Domains auf dem Endspurt
Noch sind die Diskussionen um das Procedere bei der Einrichtung neuer Top-Level-Domains nicht vollständig abgeschlossen. Doch sollen die ersten Domains ab nächstes Jahr vergeben werden. Höchste Zeit für Internet-affine Firmen und Branchen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Aktueller Zeitplan des Bewerbungsverfahrens
Neben den altbekannten Endungen von Internet-Adressen wie.com, .de oder .org soll es schon bald viele neue geben, sogenannte gTLDs (generische TLDs). Als Domainnamen sollen zukünftig auch generische Begriffe wie .pharma, oder .computer, Firmennamen wie .ibm oder .dell oder geografische Bezeichnungen wie .berlin zulässig sein. Auch wenn die Vorbereitungen für die neuen Endungen noch laufen, müssen sich Unternehmen und Organisationen bereits jetzt Gedanken machen, ob auch sie sich dafür bewerben wollen.
»Viele Unternehmen und Institutionen haben noch nicht verstanden, dass sie jetzt beginnen müssen, sich mit dem Thema zu befassen«, berichtete Thomas Rickert. Er ist Direktor Selbstregulierung und Leiter des Names & Numbers Forum von eco [1], dem Verband der deutschen Internetwirtschaft.
Im Gegensatz zu den üblichen Kürzeln wie .de, die für relativ wenig Geld erhältlich sind, sind die neuen TLDs richtig teuer. Bewerben müssen sich Interessenten bei der ICANN [2] (Internet Corporation For Assigned Names and Numbers), auf deren Website auch jeweils aktuelle Nachrichten zum Stand der Verhandlungen über TLDs zu finden sind. Allein Vorbereitung und Abwicklung des umfangreichen Bewerbungsverfahrens sowie der Aufbau der verlangten sicheren und hochverfügbaren Infrastruktur dürften, so Fachleute, eine halbe Million Euro verschlingen. Dazu kommen mindestens etwa 100.000 Euro jährliche Betriebskosten.
TLD-Bewerber brauchen Expertise
Ablaufplan der Bewerbungen für neue TLDs
Für kleine Firmen ist das wohl kaum eine Alternative. Sie können sich zusammenschließen oder eine Second-Level-Domain vom Inhaber einer der neuen Top Level Domains erwerben, zum Beispiel mit Lokal- oder Branchenbezug. Geplant ist etwa die TLD .berlin. »Wir wollen Second-Level-Domains für weit unter 100 Euro pro Jahr anbieten«, sagt Dirk Krischenowski, Gründer und Gesellschafter von .berlin [3]. Die Firma bemüht sich um die Einrichtung und Vermarktung von .berlin.
Bei der TLD-Bewerbung ist Expertise gefordert. Denn bewerben sich mehrere Antragsteller um eine gleichnamige TLD, erhält den Zuschlag, wer nach Meinung des Vergabegremiums die beste Bewerbung vorweisen kann. Das ist nicht unbedingt der Bewerber mit dem entsprechenden Markennamen. Bewertet wird jede Bewerbung nach Punkten. Sind zwei Bewerber etwa gleich stark, wird die Domain versteigert.
Besonderes heikel: Generische Begriffe (.pharma) genießen keinen speziellen Schutz, sie können also durchaus von einzelnen Firmen für sich erworben werden. Die Erwerber sind nicht verpflichtet, ihre Domain mit anderen Firmen, etwa Konkurrenten, zu teilen, sondern können nach Belieben Second Level Domains intern vergeben oder an externe Kunden verkaufen, für die sie dann ihrerseits als Registrar auftreten. TLD-Betreiber können Technik und Organisation selbst betreiben oder teilweise bis ganz an Dienstleister auslagern.
Bewerbungen jetzt vorbereiten
Einsprüche gegen Vergabeentscheidungen der ICANN haben keine großen Aussichten auf Erfolg und sind teuer, da immer beide betroffenen Parteien zahlen müssen. Einmal vergebene TLDs sind daher in aller Regel für mehrere Jahre nicht mehr verfügbar, wobei es Bemühungen gibt, gewisse Mindeststandards des Markenschutzes in das Vergabeverfahren zu implementieren.
Wegen der Komplexität und des hohen Anspruchs des Bewerbungsverfahrens sollten Firmen oder Institutionen, die erwägen, eine TLD zu erwerben, jetzt mit entsprechenden Aktivitäten beginnen. Denn in jedem Jahr sind Bewerbungen voraussichtlich nur innerhalb eines Zeitfensters von 45 Tagen möglich. Im Jahr 2010 ist hierfür ein Zeitraum im 1. Quartal geplant. Ob dieser Zeitplan eingehalten wird, steht allerdings angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung und des großen Einflusses der amerikanischen Politik auf das ICANN noch in den Sternen.
[1] http://www.eco.de
[2] http://www.icann.org
[3] http://www.dotberlin.de
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