Unternehmen sollen für Gebraucht-Software kämpfen

von Karena Friedrich

17.03.2009

Forrester Consulting kritisiert in einer aktuellen Untersuchung zur Lage des Marktes für Gebraucht-Software vor allem das restriktive Verhalten der Software-Hersteller. Die Marktforscher fordern Unternehmen dazu auf, sich stärker gegen Beschränkungen zu wehren und alternative Beschaffungsmöglichkeiten zu nutzen.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 2)

Marktforscher kritisieren Verhalten der Hersteller

Anbieter von gebrauchten Lizenzen wie Usedsoft oder Preo Software dürften sich über die Schlussfolgerung der Marktforscher freuen

Kein Vermögenswert unterliegt so belastenden Beschränkungen wie Unternehmenssoftware, lautet ein Fazit in der aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens Forrester Consulting. In der durch das EHI Retail Institute [1] beauftragten Studie hat Forrester die aktuelle Lage des Marktes für Gebraucht-Software untersucht. Anbieter von gebrauchten Lizenzen wie Usedsoft [2] oder Preo Software [3] dürften sich über die Schlussfolgerung der Marktforscher freuen, die Unternehmen gleichzeitig dazu auffordern, stärker gegen Beschränkungen bei der Nutzung und Weiterveräußerung ihren Unternehmenssoftware-Lizenzen vorzugehen. Dabei sei die Gelegenheit für Kunden günstig wie nie zuvor, sich gegen unlautere Lizenz- und Nutzungsbedingungen zur Wehr zu setzen. Denn alternative Beschaffungsmöglichkeiten wie der wachsende Handel mit Gebraucht-Software trieben nicht nur die Liberalisierung des Software-Marktes voran, sondern stärkten insbesondere auch die Position der Unternehmen. Diese ruft Forrester dazu auf, Beschränkungen nicht tatenlos hinzunehmen, sondern auf den eigenen Rechten als Kunde zu bestehen und härtere Verhandlungen zu führen.

Klare Kritik üben die Marktforscher insbesondere am restriktiven Verhalten der Software-Hersteller. Diese wendeten laut Forrester eine Vielzahl an Strategien an, um die Kundenrechte weitest möglich zu beschneiden. So förderte eine im Rahmen der Studie durchgeführte Befragung von Software-Einkäufern zahlreiche Beispiele für das restriktive Verhalten seitens der Software-Hersteller zutage. Ein Kunde wurde nach der Migration in eine neue Open Source-Infrastruktur durch den Software-Anbieter zum Abschluss eines neuen, kostenintensiven Wartungsvertrages über drei Jahre gedrängt. Einem anderen Unternehmen, das nach einer Ausgliederung verschiedener Unternehmensbereiche die bestehenden Verträge neu aufsetzen wollte, drohte der Software-Anbieter mit einer Erhöhung der Preise, sollte der Kunde die Anzahl von Lizenznutzern reduzieren.

Marktliberalisierung vorantreiben

Forrester stellt zudem fest, dass Softwarelieferanten ein derart monopolistisches Verhalten wohl vor allem aufgrund ihrer Stellung als Exklusivanbieter ihrer jeweiligen Unternehmenssoftwareprodukte zeigen. Eine Position, die durch die starke Nachfrage nach alternativen Beschaffungswegen wie dem Software-Gebrauchtmarkt inzwischen allerdings ins Wanken gerate. Anbieter gebrauchter Lizenzen wie Usedsoft trügen auf diese Weise dazu bei, den Software-Markt zu liberalisieren und die Kundenrechte nachhaltig zu stärken. Einkäufer, die im Rahmen der Studie befragt wurden, nannten neben den Kostenvorteilen bezeichnenderweise die geringere Abhängigkeit von den Software-Herstellern als einen der Hauptgründe für den Einsatz gebrauchter Software. Zwar könnten die Einkäufer nicht entscheiden, welches Softwareprodukt zum Einsatz kommt, »dennoch wünschten sich alle mehr Freiheit bei der Auswahl des jeweiligen Lieferanten dieser Software«. Sechs von zehn Befragten unterstrichen insbesondere die Notwendigkeit nach einer »Liberalisierung des Marktes für die Softwareindustrie«, drei weitere befragte Unternehmen stimmten dieser Forderung grundsätzlich zu.

In der Konsequenz ruft Forrester Unternehmen dazu auf, die aktuelle Situation zur Stärkung der eigenen Kundenrechte zu nutzen: »Softwarekunden sollten dabei auf die Durchsetzung dieser Rechte pochen, wie das Besitzverhältnis an dem erworbenen Produkt zu regeln ist und welche Rechte dem Kunden als Lizenznehmer zustehen.« Ziel sei es, die Position des Kunden wieder nachhaltig zu festigen. Angesichts des wachsenden Gebrauchtmarktes und der steigenden Anzahl neuer Alternativen und Nutzungsmodelle wie Software-as-a-Service und Service-orientierte Architekturen bräuchten Kunden heutzutage Einschränkungen und Beschneidungen ihrer Eigentumsrechte an Software nicht länger tatenlos hinzunehmen. Jeder Lizenznehmer sollte das Recht für sich beanspruchen, erworbene Software sofort und direkt innerhalb eines Sekundärmarktes weiterzuveräußern.

Stetiges Wachstum bei Gebraucht-Software

Der Markt für Gebraucht-Software erfreut sich derweil eines ungebremsten Wachstums. Zentrales Motiv sei dabei nach wie vor die Kostenvorteile. Weitere wichtige Gründe seien die Unabhängigkeit von den Herstellern sowie die Stabilität der Anwendungen: Während die Hersteller Unternehmen zum Einsatz der aktuellsten Programmversion drängten, biete einzig der Gebrauchtmarkt die Möglichkeit, weiterhin die Kosten sparenden und bewährten, älteren Versionen einzusetzen. Die starke Stellung des Gebrauchtmarkts führt Forrester unter anderem auf die positive Entwicklung der Rechtslage in Deutschland zurück. Forrester zufolge haben »viele hauseigene Rechtsabteilungen und Firmenanwälte den Einsatz von Gebrauchtsoftware in den jeweiligen Unternehmen inzwischen offiziell geprüft und freigegeben.«

Die einzige Hürde, die der Gebrauchtmarkt noch zu nehmen habe, so Forrester, sei sein mangelnder Bekanntheitsgrad: Das Wissen um die Möglichkeiten des Gebrauchtsoftware-Handels sei branchenweit heute noch nicht sehr verbreitet. In der Konsequenz rufen die Marktforscher zu einer breiten Diskussion auf, um Unternehmen darin zu bestärken, ungenutzte Software zu veräußern und die Schaffung eines Sekundärmarktes – und damit langfristig auch die Rechte des Unternehmens als Kunden – zu fördern.

Die Studie ist abrufbar auf den EHI-Internetseiten unter: www.ehi.org/auftragsforschung/projekte/weitere-projekte.html [4]

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[1] http://www.ehi.org
[2] http://www.usedsoft.de
[3] http://www.preo-ag.com
[4] http://www.ehi.org/auftragsforschung/projekte/weitere-projekte.html
[5] http://forum.crn.de