Sagt mir die Zukunft – oh Gummibärchen:
Lazy Friday: »Echte« Hilfsmittel für Prognosen und Marktforschung
Was Analysten oder Marktforscher wert sind, haben sie Ende vergangenen Jahres trefflich bewiesen. Keiner hatte die Finanzkrise und den Schwund der Aktienkurse auf der Rechnung. Wozu also Geld für wertlose Studien verschwenden, zumal Ihr Chef Ihnen dafür sowieso kein Budget geben dürfte? Wir haben Alternativen aufgetan: vom Online-I-Ging bis hin zum Gummibärchen-Orakel. Und am Ende finden Sie einen Test, ob auch Sie über hellseherische Kräfte verfügen.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 8)
Beginnen wir mit einem Orakel, dessen größter Vorteil die einfache Bedienung ist. Der Benutzer muss weder seinen Aszendenten kennen noch über tiefgreifendes Wissen keltischer Druidenkunst verfügen. Beim Online-Orakel [1] genügt es, eine Frage zu stellen. Sie muss nur mit Ja oder Nein zu beantworten sein.
Allerdings können die Resultate nur bedingt überzeugen. Hier zwei Beispiele: Frage: »Ist mein Chef blöde?« Die Antwort: »Das weißt Du selbst«. Nun ja, wirklich hilfreich ist das nicht.
Zweiter Versuch: »Knacke ich den Lotto-Jackpot am Samstag?« Antwort: »Sieht nicht gut aus«. Schade, aber dann kann ich mir wenigstens das Geld für den Einsatz sparen. Dabei hätte ich die 35 Millionen Euro gut gebrauchen können …
Fazit: Nur etwas für Anfänger.
Das I-Ging: »Gelingen. Fördernd ist Beharrlichkeit« - alles klar?
Nach solchen Kindereien wird es nun ernst: das I-Ging lockt. Angeblich haben selbst Promis wie Song-Writer Bob Dylan ihr Leben mithilfe dieses chinesischen Orakels gemeistert. Zumindest Dylan scheint damit ja nicht schlecht gefahren zu sein. Warum also nicht einen Versuch starten?
Für unseren Test zogen wir I-Ging Online [2] heran. Unsere weltbewegende und sehr konkrete Frage »Wird der FC Bayern in der Fußballbundesliga den Emporkömmlingen aus Hoffenheim heimleuchten?« brachte das Symbol »Kiën – das Schöpferische« zum Vorschein.
Die Interpretation dazu klingt fast so konkret wie eine Aussage des Bundeswirtschaftsministers zur Lage des Bankensektors: »Das Schöpferische wirkt erhabenes Gelingen, fördernd durch Beharrlichkeit«, so der Hinweis zum Bild.
Noch besser das damit verbundene »Urteil«: »Des Himmels Bewegung ist kraftvoll. So macht der Edle sich stark und unermüdlich.« Heißt das nun »Ja, Bayern wird Meister« oder »Nein, die Edlen und Unermüdlichen von SAPs Gnaden schaffen es?«
Fazit: Nur bedingt alltagstauglich, da irgendwie das Konkrete fehlt. Eher etwas für wandelnde Wattebäuschchen und notorische Diskutanten als für harte IT-Fachleute.
Prognostik pur: Bleigießen online
Zugegeben, es ist Ende Januar, und für Fragen à la »Wie wird wohl 2009 verlaufen« ist es daher bereits etwas spät. Aber Bleigießen [3] darf nicht im Arsenal des arrivierten Hobby-Prognostikers fehlen.
Nachdem die Online-Redaktion circa 50 Testläufe durchgeführt hatte und alle mit einem positiven Resultat endeten (»Du wirst in diesem Jahr ein gutes Geschäft machen«, »Du wirst eine Menge Geld verdienen« et cetera), neigten wir bereits zu einem bösen Urteil: Auch so ein »Alles-wird-immer-gut«-Spielchen.
Bis ein Kollege einen letzten Versuch startete. Über den wird sich vor allem seine Frau freuen. Denn das Ergebnis waren Eheringe, verbunden mit folgender Interpretation: »Du wirst bald heiraten oder einen Seitensprung machen.«
Fazit: Nicht so recht überzeugend. Vorsicht, es können böse Ausreißer vorkommen.
Der Klassiker: das Horoskop
Es soll ja Zeitungen und Online-Portale geben, die den Praktikanten damit beauftragen, die Horoskop-Rubrik mit sachkundigen Beiträgen zu bestücken. Hoffen wir einmal, dass dies bei unserem Tageshoroskop [4] von Madame Aleksandra nicht der Fall ist.
Machen wir den Test. Das Sternzeichen »Fische« etwa fördert für den 29. Januar Folgendes zutage: Zum Thema Liebe wird attestiert, dass eine »kurzfristige Trennung mit Versöhnung endet«. Vermutlich spielt Madame Aleksandra auf das blöde Ergebnis des Bleigießens an (Seitensprung)l
Und zu Geld und Karriere: »Auch kleine finanzielle Fortschritte bringen Sie voran. Haben Sie etwas Geduld.« Das jedenfalls trifft zu, allerdings für fast jeden, der einen Blick auf den (Rest-)Wert seiner Aktienfonds geworfen hat. Vielleicht beschäftigt ja auch Madame Aleksandra einen Praktikanten?
Fazit: Bestenfalls ansatzweise brauchbar.
Alternative: Auf Astrologie.de finden sich kostenlose Geburtshoroskope [5], die Faktoren wie Geburtsort und -zeit mit berücksichtigen. Vielleicht fördern die ja bessere Resultate zutage.
Tarot: Die Karten sagen die Wahrheit
In Zeiten, in denen Online-Poker-Portale aus dem Boden schießen, wollen wir auch die Falschspieler unter uns nicht im Regen stehen lassen.
Für sie dürften die Tarot-Karten [6] das Richtige sein. Auch hier wieder die Nagelprobe: Einer der Kollegen wollte wissen, ob er in der kommenden Woche erneut die Lazy-Friday-Story verfassen »darf«.
Das Resultat war gelinde gesagt ernüchternd: Von »Zusammenbruch des Egos« war da die Rede, von »Loslösung von alten Bindungen« Andererseits: »Das Ende von Leidenszeiten steht bevor«. Na also, wird doch!
Noch ein Versuch mit »Geht es mit der IT-Branche in Deutschland 2010 bergauf?« Offenkundig nicht, denn die Karten sprechen vom »Beistand einer höheren Macht«, der vonnöten ist, sowie von »Rückzug« und »Verschnaufpause«.
Fazit: Auf den ersten Blick macht dieses Werkzeug einen guten Eindruck. Allerdings lassen Tarot-Karten einen großen Raum für Interpretationen. Also nur etwas für Geübte.
Urwüchsig: das keltische Baumorakel
Freunde von Asterix und Obelix wissen es seit langem: Keltische Druiden verfügen über ganz besondere magische Kräfte (und Tränke). Und sie mögen Bäume, so wie Obelix‘ Hündchen Idefix.
Kein Wunder, dass die Kelten (angeblich) Menschen anhand ihres Geburtsdatums bestimmte Baumsorten zuordneten. Mal sehen, was das Baumorakel [7] für die Birke parat hält (23. bis 31. Januar): scheinbar genügsam, aber mit großem Freiheitsdrang. Na, könnte bei der besagten Person hinkommen.
Oder für die Esche (17. bis 26. Dezember), den »Baum« eines unserer Kollegen: »Stets bemüht, in Harmonie zu leben« - stimmt. »Ehrgeizig, arbeitet gerne und viel«, na ja. »Natürliche Bescheidenheit«. So lala, bescheiden ist der nur ab und zu.
Fazit: Kein Werkzeug, um einen Blick in die Zukunft zu tun. Aber konfrontieren Sie doch spaßeshalber beim nächsten Vorstellungsgespräch einen Bewerber mit »seinem« Baum. Mal sehen, was der dazu zu sagen hat.
Für uns Teutonen: das Runen-Orakel
Bleiben wir in der Vergangenheit, damals, als wir Germanen noch durch dichte Wälder zogen und uns gegenseitig oder ab und zu auch mal die Römer verhauten (siehe Varus-Schlacht 9 n. Chr.).
Das Runen-Orakel [8] kommt uns Deutschen insofern besser entgegen als dubiose chinesische I-Ging-Spielereien. Sehr hilfreich ist, dass auch ein Blick in die Zukunft möglich ist, allerdings nur in die eigene.
Und was sagt nun die Rune »Anzuz«? Nun, irgendwie klingt das nach I-Ging: »Diese Zeitperiode ist eine wahre magische Periode für Dich! In dieser Zeit fällt es Dir leicht und sogar intuitiv, magische Kräfte auszubauen.«
Magische Kräfte? Vielleicht sollte es der Kollege mit Zahlenmagie versuchen und doch noch den Lotto-Jackpot in Angriff nehmen – uns ein Beratungshonorar überweisen.
Fazit: Das Runen-Orakel muss seine Praxistauglichkeit noch unter Beweis stellen. Ein bisschen dubios ist, dass der Nutzer einen Runen-Anhänger (nur 7,90 Euro) kaufen soll, damit das Orakel wirkt. Aber vielleicht tut es ja auch ein Runen-Tuch für 7,50 Euro.
Machen wir’s wie die Profis: Kaffeesatzlesen
Die Deutschen trinken pro Jahr und Kopf rund 146 Liter Kaffee. Kein Wunder, dass bei uns das Kaffeesatzlesen so beliebt ist, etwa bei Politikern, Wirtschaftsforschern und Fußballtrainern.
Doch was taugen die Online-Kaffesatzlese-Angebote? Eines hat die Hellseherin Amanda Weiss mit »Kaffeesatz-Lesen [9]« ins Leben gerufen. Unser erster Test bringt eine »Frau« ans Tageslicht. Dazu gibt es Hinweise zu besagter Dame (reich, fruchtbar et cetera). Das Testteam ist leicht verwirrt. Was sollen wir damit anfangen?
Ein neuer Versuch: Dieses Mal kommt das Kleeblatt, inklusive Interpretationshinweisen. Fazit: Eher eine Anleitung zum Kaffeesatzlesen als eine wirklich Hilfe für Beruf und Leben.
Nicht viel besser erging es uns mit dem Kaffeesatz-Orakel [10]: »Ein Hündchen und ein Kreis sagen Ihnen, dass Sie einen zuverlässigen und treuen Partner neben sich haben, oder haben werden.« Auch das klingt nach »Der Praktikant hat diesen Text verfasst«.
Einfach, schnörkellos, effizient: das Gummibärchen-Orakel
Nach all dem Brimborium um Planetenstände, Wunderbäume und Runen endlich etwas Luftig-Leichtes: das Gummibärchen-Orakel aus der Schweiz. Einfach fünf Gummibärchen online ziehen, und schon weiß man alles über seine Zukunft, verspricht das Wunderding.
Es gibt sogar eine Version zum Herunterladen für PDAs und Smartphones. Aber nun auf zum Gummibärchen-Tageshoroskop: Es liefert uns ein weißes Bärchen, zwei Mal Rot, einmal Grün und einmal Orange.
Eine Konstellation, die daraufhin deutet, dass sich der Ratsuchende zurückgesetzt und übervorteilt fühlt (stimmt, denn heute muss er ja den Lazy-Friday-Beitrag schreiben). Er soll Rachegedanken schmieden (klar, beim nächsten Mal wird er diese Aufgabe einem Kollegen aufs Auge drücken wollen).
Immerhin sagen die fünf Bärchen auch etwas Nettes: »Mit dieser Kombination können Sie allerdings eine Menge erreichen, ohne zu randalieren. Wenn Ihnen nach Randale zumute ist, bitte sehr.« Mal sehen, was der Chefredakteur dazu sagt. Wir sind gespannt!
Noch schnell das Gummibärchen-Liebesorakel antesten: Leider gibt es einen bösen Dämpfer: »Bei Ihnen ist nichts los in Richtung Romantik oder Leidenschaft.« Super, vielleicht sollte es der Betreffende mit einem Seitensprung versuchen (siehe oben). Aber ganz so schlimm es angeblich denn doch nicht: »In Wirklichkeit sind Sie unweigerlich im Aufwärtstrend«. Also doch Romantik und Leidenschaft?
Fazit: Voll praxistauglich, wenn es um die schnelle Standortbestimmung geht, etwa am Morgen, kurz nach Einschalten des Rechners. Für langfristige Prognosen leider nicht ganz geeignet.
Test: Sind Sie ein Seher?
Zum Abschluss unseres Ausflugs in die Welt der Wirtschafts- und Persönlichkeitsanalyse noch ein Test, mit dem Sie in Ihrem Unternehmen mit einem Schlag zum Superstar aufsteigen könnten. Vorausgesetzt, Sie entpuppen sich als Hellseher.
Mithilfe des Hellseher-Tests [11] können Interessenten prüfen, ob in ihnen übernatürlich Kräfte schlummern. Sie müssen dazu das Symbol auf Karten erraten, die sich verdeckt vor Ihnen beziehungsweise auf dem Bildschirm befinden.
Unser Online-Redaktionsteam scheiterte bei diesem Test kläglich. »Reiner Zufall«, so die Bewertung der kümmerlichen Trefferzahlen im einstelligen Bereich.
Nun ja, vielleicht haben wir uns allzu sehr von profanen Dingen wie Rechnern, IT-Systemen und Netzwerken blenden lassen und müssen erst tief in uns hinein lauschen, um unsere wahren Fähigkeiten zu erspüren.
[1] http://www.onlineorakel.com/
[2] http://www.shakti.de/iging/index.htm
[3] http://www.gameforum.de/flash_games/games/bleigiessen.htm
[4] http://www.horoskop-online.com/horoskop/frameset_horo.htm
[5] http://www.astrologie.de/geburtshoroskope/kostenlose-geburtshoroskope/
[6] http://www.onlinehoroskope.de/tarot/tarot-legen.php
[7] http://www.luckysoul.de/Luckysoul/start_frame.php?Pfad=2_23_234&BL=3
[8] http://www.runenorakel-online.de/
[9] http://www.amanda-weiss.de/index.html?http://www.amanda-weiss.de/kaffeesatz/kaffeesatz.html
[10] http://www.spiritproject.de/orakel/kaffeesatz/index.htm
[11] http://www.topesoterik.com/hellsehertest_url1.php
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