CRN-Reportage:
»Wir verkaufen hier nur die g'scheiten Sachen«

von Dr. Joachim Gartz (joachim.gartz@crn.de)

15.10.2009

Computer Reseller News hat die Probe aufs Exempel gemacht und versucht, in einem Media- oder Saturn-Markt im Großraum München einen AMD-basierten PC zu erwerben. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Am Branchenprimus Intel führt bei den Metro-Töchtern kein Weg vorbei.

Die Media Markt-Filiale Stahlgruberring im Zentrum von München rühmt sich, der größte Media Markt der Welt zu sein. Morgens um zehn Uhr ist hier noch nicht allzu viel los. Eine ideale Zeit, um sich ausführlich beraten zu lassen, wenn man sich zum Beispiel gerade ein schickes, neues Notebook kaufen will. Im aktuellen Prospekt wird gerade ein Notebook von Acer als Topprodukt angepriesen: Im Inneren des »Aspire 87300G« von Acer verrichtet ein Doppelkern-Prozessor von Intel seine Arbeit. Grundsätzlich gibt es von Acer ebenso wie von den meisten großen A-Brands aber auch Computer, die auf AMD-CPUs basieren. Werden wir in den Münchener Filialen der MSH-Gruppe (Media Markt/Saturn) einen AMD-Rechner finden? Bekanntermaßen brachten die Handelspraktiken von Intel dem Chiphersteller seitens der EU-Kommission ein Kartellstrafe in Höhe von über einer Milliarde Euro ein. Die EU-Kommission veröffentlichte daraufhin Dokumente, in denen Aussagen von Media Markt-Mitarbeitern zu finden sind, die sich über unsaubere Deals mit Intel äußern. In dem Dokument heißt es unter anderem, dass »der Verkauf von Computern mit AMD-Ausstattung (für die Media Saturn Holding) zumindest eine Reduzierung der Summe von Intels Zahlungen« bedeutet hätte, selbst wenn man eben so viele PCs mit Intel-Ausstattung verkauft hätte wie zuvor. Sprich: Die vollen WKZs gibt es nur, wenn ausschließlich Intel-PCs verkauft werden.

Intel, Intel, Intel...

Wir stellen die Probe aufs Exempel: »Wir hätten gerne einen PC mit einem AMD-Prozessor«, fragen wir harmlos. Der Verkäufer im Media Markt Stahlgruberring zuckt mit den Schultern. Man wolle die Kunden nicht mit noch mehr Geräten überfordern: »Schauen Sie, wir haben hier schon über 130 Notebooks. Wenn wir jetzt noch AMD-basierte Notebooks dazunehmen würden, hätten wir doppelt so viele Geräte und müssten ein doppelt so großes Haus bauen.« Und außerdem, so das Argument des eloquenten Media Markt-Mitarbeiters, spare der Kunde auch Zeit dadurch, dass er nicht von so vielen Geräten erschlagen werde. Wir haken trotzdem noch einmal nach und weisen darauf hin, dass der Media Markt zumindest im Grafikkarten-Segment durchaus Produkte von AMD anbieten würde. »Na ja«, meint der Verkäufer, aber das sei doch wohl ATI. Die Fusion von AMD und ATI scheint an dem Verkäufer bisher wohl ebenso vorbeigegangen zu sein, wie unzählige Medienberichte.

Szenenwechsel: Das Einkaufszentrum Messestadt West im Münchner Osten ist ein Konsumtempel wie er im Buche steht. Hier bekommt der Verbraucher von Designerklamotten über Unterhaltungselektronik bis zum obligatorischen Latte Macchiato als krönenden Abschluss wirklich alles, was das Herz begehrt. Selbstverständlich darf in dem gigantischen Einkaufskomplex auch ein großer Elektromarkt nicht fehlen. Doch auch bei Saturn gilt: Gleichgültig ob Notebook, Netbook oder Desktop-PC. Gleichgültig ob Acer, HP, Dell oder Lenovo. Es gibt nur Intel-Rechner. Von AMD-Systemen keine Spur. Der freundliche Saturn-Mitarbeiter strahlt uns an und erklärt in breitestem bayerischen Dialekt: »Des is doch ganz einfach: Wir verkaufen halt nur die g’scheiten Sachen.« Überwältigt von soviel unfreiwilligem Humor muss sich der CRN-Reporter zunächst einmal sammeln, um dann aber doch noch einmal nachzufragen: »Jetzt aber bitte im Ernst, warum gibt es denn hier nur Intel-Rechner?« Kurze Denkpause des Verkäufers: »Es muss da wohl eine Abmachung mit Intel geben«, erklärt er in sachlichem Tonfall und denkt sich nichts weiter dabei. Mehr könne er zu diesem Thema auch nicht sagen.

Wir schlendern weiter und genehmigen uns in der nächsten Bar einen guten Latte Macchiato – den haben wir uns jetzt verdient.