Vmware forciert die Desktop-Virtualisierung

von Ulrike Wendel (ulrike.wendel@crn.de)

27.02.2009

Virtualisierung bleibt eines der Trendthemen in der IT-Branche. Marktführer Vmware erwartet in diesem Jahr vor allem eine verstärkte Nachfrage nach Desktop-Virtualisierung. Der Branchenprimus bekommt allerdings zunehmende Konkurrenz im Markt: Mit Red Hat startet ein weiter Hersteller eine Virtualisierungsoffensive.

Der Virtualisierungsboom geht auch in der Krise weiter. Einer Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner zufolge wird der weltweite Umsatz mit Virtualisierungssoftware im laufenden Jahr um 43 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar ansteigen. Diese Entwicklung beschert Virtualisierungspionier Vmware [1] seit Jahren satte Wachstumsraten. Im vergangenen Jahr hat Vmware seinen weltweiten Umsatz um 42 Prozent gesteigert. Außerhalb von Amerika ist das Geschäft sogar um 48 Prozent gewachsen. Auf der zweiten europäischen Hausmesse des Virtualisierungsspezialisten war von Krisenstimmung dementsprechend nichts zu spüren. Mit 4.700 Besuchern waren in diesem Jahr mehr Teilnehmer zu der Virtualisierungskonferenz in Cannes gereist als im Vorjahr. Zusätzlich zum Konferenzprogramm mit Vorträgen, Workshops und Produktdemonstrationen nutzen über 100 Unternehmen- darunter auch Konkurrenten von VMware - die begleitende Ausstellung, um ihre Lösungen aus den Bereichen Storage, Netzwerk, Server und Systemmanagement vorzustellen. Dennoch: Auch Vmware musste sich im vergangenen Jahr mit einem deutlich niedrigeren Wachstum zufrieden geben, als aus den Vorjahren gewohnt. Mit einem Anstieg von 88 Prozent hat der Virtualisierungsspezialist 2007 sein Geschäft noch doppelt so schnell ausgebaut wie 2008.

Virtualisierung ist dabei längst keine Nischenlösung mehr. Vor allem große Unternehmen haben die Vorteile der Technologie - eine bessere Auslastung der Kapazitäten, Kostenersparnis und einen geringeren Stromverbrauch - entdeckt. In 95 der deutschen Dax 100-Unternehmen kommen inzwischen Vmware-Lösungen zum Einsatz.

Wachstumsmarkt Desktop

Das größte Wachstumspotential erwartet VMware nicht mehr bei der Virtualisierung von Servern, sondern im Bereich Desktop-Virtualisierung. »Die Möglichkeiten können so groß sein wie bei der Server-Virtualisierung«, sagte CEO Paulo Maritz, der im Sommer die Firmenmitbegründerin Diane Greene an der Unternehmensspitze abgelöst hat, in seiner Keynote.

Zu Vmwares Fokusthemen gehört deswegen eine Initiative für den Desktop. Der Benutzer soll dabei stärker in den Mittelpunkt rücken und an jedem Endgerät seine gewohnte Umgebung vorfinden. »Es war in der Vergangenheit so, dass immer wieder Projekte gekippt wurden, weil die Anwender ihren PC nicht hergeben wollten«, sagt Manfred Schulz, Director Systems Engineering für Zentraleuropa bei Vmware.

Neue Konkurrenten

Trotz Marktführerschaft erhält Vmware zunehmend Gegenwind im Markt. Nach Microsoft und Citrix versucht nun mit Red Hat ein weiteres Unternehmen sich im Virtualisierungsmarkt zu positionieren. Nach der Übernahme des israelischen Virtualisierungsspezialisten Qumranet kündigte Red Hat pünktlich zur Vmworld eine Virtualisierungsoffensive an.

Auch Microsoft und Citrix haben am Tag vor Eröffnung der Virtualisierungsmesse bekannt gegeben, ihre Zusammenarbeit künftig zu vertiefen. »Ich denke nicht, dass das etwas ändern wird«, kommentierte CEO Paul Maritz die Initiative. Dennoch nimmt der Marktführer den Wettbewerb wahr. »Natürlich nehme ich Microsoft sehr ernst«, sagte er. Der Konzern habe enorme Ressourcen. Auch die Teilnehmern der Messe gehen davon aus, dass sich der Wettbewerb für Vmware in nächster Zeit verschärfen dürfte. »Ich denke, Mirosoft wird eine ernste Konkurrenz«, sagte etwa Jörg Schweinsberg, Technical Account Manager bei Datacore. »HyperV wird eine ernstzunehmende Marktschiene werden«, sagte auch der General Manager für die Region EMEA bei NetApp, Andreas König, über die Virtualisierungsplattform von Microsoft.

[1] http://www.vmware.com/de