Erfolgreich mit Supercomputern:
Bull ist wieder da

von Michael Hase (michael.hase@crn.de)

27.08.2009

Der IT-Konzern Bull baut trotz Krise sein Deutschlandgeschäft aus. Für die Franzosen zahlt sich aus, dass sie seit einigen Jahren auf Supercomputing setzen. Nach der Übernahme des Dienstleisters Science + Computing will der Hardware- und Service-Anbieter seine Marktpräsenz weiter stärken.

»Bull, gibt’s die eigentlich noch?«, die Frage kennt Michael Gerhards zur Genüge. »In jüngster Zeit hören wir die Frage aber immer seltener«, berichtet der Geschäftsführer der deutschen Bull-Gesellschaft. Hierzulande macht der Anbieter tatsächlich zunehmend von sich reden – nicht zuletzt seit Bull gemeinsam mit Sun Microsystems und anderen Technologiepartnern das Juropa-System im Kernforschungszentrum Jülich aufgebaut hat, den zehntschnellsten Supercomputer der Welt.

Mit der ahnungslosen Frage würde man im Nachbarland Frankreich ohnehin nur Kopfschütteln hervorrufen. In seinem Heimatmarkt ist der einstige Staatskonzern Bull eine feste Größe. Dort erzielt er 52 Prozent seines Jahresumsatzes, der 2008 bei 1,13 Milliarden Euro lag. Der deutsche Markt, wo sich die Erlöse bei etwa 85 Millionen Euro bewegen, trägt dazu nicht mal zehn Prozent bei.

»In Deutschland sind wir nach wie vor zu wenig präsent«, räumt Gerhards ein. Bull sei aber auf bestem Wege, das zu ändern. Ein Schritt dazu war im Oktober 2008 der Kauf des Tübinger Dienstleisters Science + Computing (S+C), der auf den Aufbau und Betrieb von Supercomputing-Lösungen spezialisiert ist.

Mit dem Kauf von S+C bauen die Franzosen ein Geschäftsfeld weiter aus, das sie erst vor knapp fünf Jahren etabliert haben. Spätestens seit dem Jülicher Projekt gehören sie im High Performance Computing (HPC) zu den führenden Anbietern und wollen in Europa zur Nummer eins werden. Inzwischen trägt das Spezialsegment bereits mehr als zehn Prozent zum Umsatz bei. Der Konzern setzt darauf, dass sich der Aufbau der HPC-Kompetenz auch für sein Kerngeschäft auszahlt. Den Schwerpunkt bilden Server, Storage und Virtualisierung. »Innovationen aus dem Supercomputing entwickeln sich in wenigen Jahren zu gängigen Technologien in der IT-Infrastruktur«, betont Gerhards.

Managed Services

Umgekehrt soll sich das Geschäft von S+C künftig nicht auf HPC beschränken. Vielmehr positioniert sich das Unternehmen, das weiter unter eigener Marke mit dem Zusatz »A Bull Company« auftritt, als Spezialist für Managed Services. Seit jeher gehört es zur Kompetenz der Tübinger, den Betrieb von geschäftskritischen Datenbanken oder Anwendungen zu betreuen, insbesondere dann, wenn hohe Anforderungen an die Performance der Systeme gestellt werden.

Allerdings war das Geschäftsmodell von S+C anfällig. Die Schwaben erzielten mit wenigen Großkunden wie Audi, BMW und Daimler rund 80 Prozent ihres Umsatzes. Nun setzen sie darauf, mit Unterstützung durch Bull die Grenzen der bisherigen Klientel zu überwinden und in andere Branchensegmente vorzustoßen. »Die Möglichkeiten, die sich für S+C in der Kombination mit Bull ergeben, haben wir noch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft«, ist Ralf Allrutz, Gründer von S+C, überzeugt.

Durch die Übernahme stärkt Bull zugleich das Dienstleistungsgeschäft. Denn mit 260 Mitarbeitern ist S+C sogar etwas größer als die Bull-Landesgesellschaft. Auf den Gesamtkonzern bezogen, steuern Dienstleistungen, zu denen Implementierungsservices sowie Wartung und Support gehören, inzwischen den größten Anteil, nämlich gut 60 Prozent, zum Umsatz bei. Das klassische Hardware-Geschäft kommt nur noch auf einen Anteil von etwa 30 Prozent. Dort arbeitet Bull inzwischen in hohem Maße mit OEM-Partnern wie IBM, NEC, EMC und NetApp zusammen.

Alles in allem kommt der Konzern verhältnismäßig gut durch die Krise. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres erhöhte sich der Umsatz weltweit um 1,5 Prozent. In Europa, ohne Frankreich, stiegen die Erlöse sogar um 6,9 Prozent. Das Deutschlandgeschäft habe zum Wachstum beigetragen, berichtet Gerhards. Für Bull werden Industriekunden interessant, wenn sie einen Umsatz von mindestens 100 Millionen Euro erzielen. Mit seinen Hardware-Lösungen adressiert der Anbieter aber auch kleinere Kunden, die über Systemhaus-Partner betreut werden. Zum Bull-Channel gehören in Deutschland etwa 60 Unternehmen. »Dabei handelt es sich in erster Linie um Lösungsgeschäft«, präzisiert der Manager. Volumenvertrieb passe dagegen nicht zum Geschäftsmodell.