Deutsches Management wieder eingesetzt:
Devil beginnt mit Aufräumarbeiten
Unverhohlene Freude in Braunschweig: Distributor Devil hat die versuchte Machtübernahme durch die niederländische Muttergesellschaft Nedfield spektakulär »ausgekontert «. Doch nach den Querelen der vergangenen Tage, steht die Firma auf wackligen Beinen: Das wieder eingesetzte Devil-Management muss das Vertrauen der Kreditversicherer und Geschäftspartner schnell wiederherstellen. Auf der Eigentümerseite bleibt die Lage unübersichtlich.
Mit einem echten Coup haben die zuvor entmachteten deutschen Vorstände und ihre Mitstreiter in der vergangenen Woche die Kontrolle über das Braunschweiger Distributionsunternehmen Devil AG zurückgewonnen: Gläubiger haben am 10. Februar gegen die Devil-Eigentümerin Tulip Beteiligungs GmbH das Insolvenzverfahren beantragt. Im Zuge des Insolvenzantragsverfahrens wurde der Rechtsanwalt Christoph Kirchberg als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Das bedeutet, dass die holländischen Mehrheitseigner nicht mehr in das Geschehen eingreifen können.
Damit ist es der rebellischen Gruppe, die sich sofort nach der versuchten Machtübernahme durch Nedfield in Braunschweig zusammengefunden hat, erstaunlich schnell gelungen, alle vorherigen Entscheidungen der Muttergesellschaft außer Kraft zu setzen und das »gesunde Geschäft dem Zugriff des Nedfield- Konzerns zu entziehen«, wie es in einer Pressemitteilung von Devil heißt. Überhaupt zeigt der Distributor unverhohlene Freude darüber, die Niederländer »ausgekontert « zu haben. Devil setzte den Vorstand sofort wieder in Amt und Würden: Axel Grotjahn als CEO und Torsten Matthies als CFO bilden anstelle des kurzfristig von den Niederländern berufenen Joost Bruyn nun wieder den Devil-Vorstand. Sie berichten an drei Aufsichtsratsmitglieder: Unter dem Vorsitz von Jakob Roloef van den Berg ergänzen Devil- Gründer Karsten Hartmann und Rechtsanwalt Dr. Mirko Gründel das Gremium.
Unübersichtliche Lage
Niederländische Medien, etwa »De Telegraaf«, interpretieren die Ereignisse als Streitfall um ausstehende Forderungsbeträge zwischen dem Nedfield-Konzern und dem früheren CEO und Anteilseigner des Braunschweiger Unternehmens, Karsten Hartmann. Daneben spielt aber auch Jakob Roloef van den Berg eine Schlüsselrolle in der Rebellion: Als Geschäftsführer der Devil- Eigentümerin Tulip Beteiligungs GmbH wurde er im Rahmen des niederländischen Machtübernahmeversuchs vor zwei Wochen abberufen und durch Nedfield- CEO Mark Elbertse ersetzt. Ein niederländisches Channelmagazin berichtet, dass van den Berg ebenfalls Anteilseigner der Firma sei und wegen Nichterfüllung von Forderungen den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat. Dieser Insolvenzantrag gemäß Paragraf 14 der Insolvenzordnung ist zulässig, wenn der Gläubiger ein rechtliches Interesse an der Eröffnung des Insolvenzverfahrens hat und seine Forderung und den Eröffnungsgrund glaubhaft machen kann. Den Nachweis der Zulässigkeit muss nun aber erst die Untersuchung durch den Insolvenzverwalter erbringen.
Die Lage ist in jedem Fall unübersichtlich, der Ausgang der nun begonnenen Untersuchung sowie die Konsequenzen für die involvierten, aber von der Insolvenz im Augenblick nicht unmittelbar betroffen Firmen Nedfield und Devil ungewiss. Der Nedfield-Konzern jedenfalls nimmt nun eine abwartende Haltung ein: Man arbeite an einer Lösung, die Folgen für den Konzern und die deutsche Tochter seien nicht abzusehen, zitiert »De Telegraaf « die Firma.
Schnell zurück zu alter Stärke
Davon unbeirrt werde das wieder eingesetzte deutsche Management jetzt daran arbeiten, Kurs zu halten: »Wir haben die entscheidenden Schritte eingeleitet, um das Devil-Geschäft autark weiterzuführen. Ohne unser Verschulden hat es in den letzten Tagen viel Unruhe und Spekulationen gegeben. Jetzt können wir uns darauf konzentrieren, unser Geschäft fortzusetzen und nachhaltig zu organisieren«, sagt CEO Axel Grotjahn. »Unsere Zahlen sehen gut aus und damit haben wir beste Argumente für die zukünftige Entwicklung«, betont Grotjahn. Im ersten Halbjahr – vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2008 – des Geschäftsjahres 2008/2009 verzeichnete Devil nach eigenen Angaben einen Umsatz in Höhe von 173,3 Millionen Euro. Nach dem Abzug von Wareneinsatz und operativer Kosten notiert die Devil AG einen vorläufigen EBIT in Höhe von 1,33 Millionen Euro. In den Ergebnissen sind die konsolidierten Zahlen inklusive der Tochtergesellschaft enthalten.
Mit der vorweggenommenen Kommunikation der Halbjahreszahlen unterstreicht der Devil- Chef nicht nur die solide Unternehmensentwicklung, sondern auch die starke Stellung der Devil im Nedfield-Konzernverbund. Denn der deutsche Distributor trägt nach wie vor den Hauptanteil zum Ergebnis der niederländischen Unternehmensgruppe bei. Diese befindet sich, seit ihre Aktie drastisch an Wert verlor (von einer Notierung über fünf Euro im Februar vergangenen Jahres auf unter ein Euro seit Oktober 2008) und da auch der geplante IPO für die Tochter Devil scheiterte, in einer finanziellen Krisensituation. Die ersuchte Machtübernahme bei Devil interpretierten deshalb viele Beobachter als Versuch des klammen Konzerns, Geld aus der größten Beteiligung abzuziehen.
Einfach indes wird die Rückkehr zur Normalität für das wieder eingesetzte Management nicht: Auf die Vorstände kommen schwere Aufräumarbeiten zu. Die Versicherer hatten ihre Kreditlinien für das Unternehmen schon zurückgefahren, einige Lieferanten stellten zunächst die Lieferungen ein. Nun müssen CEO Grotjahn und CFO Matthies das Vertrauen der Versicherer und Lieferanten in das Unternehmen schnellstens wiederherstellen. Derzeit arbeiten die Manager nach Auskunft der Firma mit Hochdruck an der Stabilisierung der Lage.
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INFO
Devil AG
Kocherstraße 2, 38120 Braunschweig
Tel. 0531 21540-0, Fax 0531 21540-999
www.devil.de [1]
[1] http://www.devil.de
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