»Apple Händler werden platt gemacht«
Die von Apple geplanten eigenen Retail Stores werfen dunkle Schatten in die schneeweiße Mac-Welt. Stationäre Händler müssen um ihre Existenz fürchten, da der Computerhersteller und Lifestyle-Pionier seine Topseller lieber selbst verkauft.
Wohin geht die Reise mit Apple? Diese Frage stellen sich zur Zeit viele Fachhändler, die das Vertrauen in die Channelpolitik der Firma mit dem sympathischen Apfellogo verloren haben. Einer von ihnen ist Reinhard Weidinger, der zu den dienstältesten Apple Partnern in Deutschland gehören dürfte. Seit siebzehn Jahren betreibt Weidinger sein Apple Fachhandelsgeschäft »In Time Computer« im Zentrum von München. Nur wenige Kilometer von seinem Standort entfernt soll im nächsten Jahr der erste deutsche Apple Retail Store in bester Lage am Marienplatz sein Pforten öffnen.
Weltweit betreibt Apple-Chef Steve Jobs mehr als 150 konzerneigene Läden, die meisten befinden sich in den USA. Der Apple Store in München dürfte nicht der einzige in Deutschland bleiben. Branchenkenner erwarten, dass Apple hierzulande mindestens fünf konzerneigene Stores errichten wird, unter anderem in Berlin und in Frankfurt. Apple hüllt sich zu seiner Store-Strategie in Deutschland in Stillschweigen. Apple-Sprecher Georg Albrecht gibt zu diesem Thema keinen Kommentar ab.
Händler unter verblasstem Regenbogen
Bitterer Lohn für jahrelange Channelpartnerschaft: Der Super-Store von Apple wird dem Münchner Fachhändler Weiniger schwer zusetzen
In den USA können Apple-Fans im New Yorker Flaghisp-Store an der Fifth Avenue bereits an jedem Tag des Jahres rund um die Uhr einkaufen. Gravis-Chef Archibald Horlitz wird nicht müde zu betonen, dass deutsche Apple Stores den Stellenwert der Marke Apple in Deutschland steigern würden. Doch Reinhard Weidinger sieht mit den geplanten Apple Stores das Ende einer Ära kommen: »Apple hat die Händler so lange wie nötig benutzt. Seit Steve Jobs das Unternehmen führt, sind die Produkte zwar besser geworden, doch der Umgang mit dem Channel ist schlechter geworden.« Apple stärke zunehmend den Direktvertrieb.
Topseller sind für den Channel nicht verfügbar
Während zur Weihnachtszeit Topseller wie der iPod oder die neuen »MacBook Pro«-Notebooks für Fachhändler nicht verfügbar gewesen seien, hätten viele von Weidingers Kunden die Produkte in Apples Webshop innerhalb von 24 Stunden bestellen können. »Ich habe dadurch viele Kunden verloren und wenn Apple nun auch noch eigene Stores aufmacht, wird der Handel massiv darunter leiden«, so Weidinger, der sich traut, offen auszusprechen, was viele Apple-Partner nur denken. Weidinger will nicht warten, bis er eines Tages seinen Laden schließen muss, weil er mit der Konkurrenz durch Apple sowie Shop-in-Shop-Angebote bei Flächenmärkten wie Saturn nicht mehr mithalten kann.
Bessere Margen mit hochwertigen Lautsprechern
Seit vier Jahren betreibt der umtriebige Apple-Händler deshalb als zweites Standbein einen Laden für hochwertige Aktiv-Lautsprecher. Kunden seien in erster Linie Studios, aber auch Privatkunden mit hohen Klangansprüchen. Das Boxen-Portfolio beinhaltet Brands wie Adam Audio, Geithaim sowie Klein & Hummel. »Hersteller wie Adam Audio verkaufen nicht an Endkunden. Die Vertriebssituation ist so, wie sie früher einmal im Computerhandel war und die Margen sind ebenfalls wesentlich besser als beim Handel mit Apple-Produkten«, erklärt Weidinger. Über der Eingangstür zu Weidingers Apple-Ladenlokal ist noch das alte Apple-Logo in Regenbogen-Farben angebracht. Eine Erinnerung an die guten, alten Zeiten. Doch die scheinen angesichts Apples massiver Forcierung des Direktvertriebs vor allem für kleinere Apple Händler wie Reinhard Weidinger nun endgültig vorbei zu sein.
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