CEOs (v)erklären die Welt

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

25.06.2008

Manchmal kommen auch CEOs in Erklärungsnot. Doch wie die folgenden acht Statements zeigen, machen ihre Erklärungen die Not manchmal eher noch größer, anstatt sinnvolle Statements zu liefern.

Vista UAC soll nerven

Wenn CEOs die Welt erklären, gibt es viel zu staunen und manchmal auch viel zu lachen. Von unfreiwilliger Komik über verwunderlich bis bizarr: was manche der Manager von sich geben, taugt eher für ein Kabarett als für Keynotes und Interviews.

David Cross

Windows Vista kann sich noch nicht so durchsetzen, wie sich das Microsoft ursprünglich vorgestellt und gewünscht hat. Doch was Abteilungsleiter David Cross zum Thema Probleme mit der User Account Control (UAC) bei Vista von sich gab, hat sicher nicht dazu beigetragen, die Verunsicherung zu mildern.

»Der Grund, warum wir die UAC in die Platform integriert haben, ist um die Nutzer zu nerven. Das meine ich absolut ernst.« Eigentlich hatte Cross einen guten Grund für diese Argumentation: Durch die UAC sind die Verantwortlichen gezwungen, sich stärker mit den Benutzer-Befugnissen und -Richtlinien auseinanderzusetzen, was zu einem sichereren System führen soll. Doch das kam bei seiner Aussage leider nicht rüber. Auf Nachfrage unserer amerikanischen Schwesterzeitschrift nahm er seine Aussage denn auch leicht entnervt zurück. »Glauben sie mir, seither haben mir eine Menge Leute vorgeschlagen, doch mal einen Schauspielkurs zu besuchen. Die Wahrheit ist: UAC war NICHT dafür gedacht, die Leute zu ärgern, sondern die Angriffsfläche für Angriffe zu reduzieren.«

Zu beliebt, um noch zu funktionieren

Wenn nichts mehr geht - sind Sie vielleicht einfach zu beliebt.

Das soziale Netzwerk Twitter ist, zumindest unter amerikanischen Web 2.0 Kennern, der neue Hit und wird von einigen bereits als soziales Netzwerk der Zukunft gelobt. Allerdings sind in letzter Zeit wegen mehrerer gehäufter Ausfälle ein paar unangenehme, aber verständliche Fragen aufgetaucht, ob Twitter seine Infrastruktur und Architektur nicht im Griff hat. Die Antwort von Entwickler Alex Payne war jedoch alles andere als beruhigend:

»Die Ereignisse, die unser System am schlimmsten treffen, sind normalerweise diejenigen, bei denen beliebte Benutzer, also Nutzer mit einer Menge an Kontakten im Netzwerk, mehrere Aktionen innerhalb kurzer Zeit durchführen . Das endet dann meist in einer großen Anzahl von Anfragen und Aufgaben, die sich in unseren Datenbanken stapeln.« Aha – Der Service ist also beliebt und deswegen immer wieder funktionsunfähig. Was soll uns so eine Erklärung wohl sagen? Vielleicht, dass wir bitte Twitter weniger benutzen sollten, oder zumindest nicht sonderlich beliebt sein, wenn wir des doch tun?

Microsoft und die Anti-Monopol-Gesetze

Neelie Kroes

Einige Länder und Behörden, allen voran die Die Eu-Kommission, lieben es scheinbar, Microsoft mit Anti-Monopol-Klagen zu überziehen. Über 2,5 Milliarden Dollar an Strafzahlungen waren alleine in Europa schon fällig. Doch wer glaubt, die EU müsste somit konsequenter Weise Linux einsetzen, liegt völlig falsch, wie Christos Ellinides, der zuständige Direktor der EU Kommission klarstellt: »Vorerst arbeiten wir weiter mit einer Microsoft Umgebung.«

Immerhin fordert seine Kollegin, die EU-Wettbewerbshüterin Neelie Kroes (Bild), die Öffnung für Open-Source Software voranzutreiben: »Diese Politik, die wir letztes Jahr begonnen haben, muss mit Nachdruck weiter verfolgt werden.«

Monopoly Teil 2

Monopole sind böse, wir aber nicht

Immerhin ist Microsoft selbst offenbar nicht wirklich von den ständigen Monopol-Klagen genervt. Als nach dem US Justizministerium und der EU auch noch die chinesische Regierung, auf Basis eines neuen Gesetzesentwurfes, Ermittlungen gegen ein mögliches Microsoft-Monopol zu prüfen begann, äußerte sich ein Sprecher von Microsoft fast schon euphorisch:

»Wir unterstützen Chinas Anstrengungen, ein Umfeld zu schaffen, das fairen Wettbewerb fördert und glauben auch, dass wir dem chinesischen Recht entsprechen. Wir glauben, dass solche Bemühungen wie das AML (anti monopoly law) die Interessen und Vorteile der Verbraucher besser schützt und die Innovation und ökonomische Entwicklung stärkt.«

Monopole sind also für Märkte und Verbraucher gleichermaßen schlecht, weshalb sie auch verhindert werden müssen. Wenn jemand eine perfekte Erklärung für ungewollte Ironie braucht – bitte sehr.

Intel und die Kannibalen

Paul Otellini, a.k.a. »der Kannibale von Intel«

Aufgrund des aktuellen Booms im Low-Cost-Bereich des PC- und Notebook Marktes stellt sich die Frage, ob die hier verkauften Geräte nicht zu einem Teil den teureren Modellen das Wasser abgraben. Intel CEO Paul Otellini erklärte diesbezüglich, dass es in Zukunft tatsächlich immer weniger darum gehen wird, die Leistung der Prozessoren weiter ins unendliche zu schrauben, sondern dass Preis und Größe immer wichtiger werden. So weit, so gut. Doch auf die direkte Frage, ob Intel sich mit diesen Low-Cost-Produkten nicht selbst bei höherwertigen Komponenten kannibalisieren würde, fiel die Antwort eher bizarr aus: »Wenn ein teureres Notebook nicht merklich besser ist und mehr bietet, als ein billigeres, dann sollten wir uns schämen. Wenn es schon Kannibalismus gibt, dann möchte ich lieber selbst der Kannibale sein, als jemand anderes.«

Und wir hatten uns schon gefragt, wo unser Kollege bleibt, der vor vier Tagen zu einer Pressekonferenz von Intel aufgebrochen war…

Kannibalen auch bei Oracle?

Rob Enderle

In den USA gibt es derzeit eine Werbekampagne von Apple, die kein gutes Haar an Microsoft lässt und dessen Image (weiter) nach unten zieht. Nachdem Microsoft sich einfach zurücklehnt und den Spott über sich ergehen lässt, suchte statt dessen Analyst Rob Enderle nach den richtigen Worten: »Niemand in der technischen Industrie verarscht andere so, wie Apple Microsoft. Das ist das erste Mal, das ich eine nationale Kampagne gesehen habe, die einen Konkurrenten einfach nur verhöhnt; und Microsoft sitzt es einfach aus. Wenn das jemand mit Oracle versuchen würde, würde niemand mehr die Leiche finden.«

Klar, einfach den ungeliebten Konkurrenten bei Intel vorbeigeschickt – und schon ist er verputzt.

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