Insolvenzantrag gestellt:
Maxdata-Insolvenz: So geht´s weiter

von Markus Reuter (markus.reuter@crn.de), Martin Fryba

03.07.2008

Während sich Partner von Maxdata bestürzt über die Insolvenz des Monitor- und PC-Herstellers zeigten, laufen Übernahmegespräche mit einem strategischen Investor. Der Hersteller hofft trotz Zahlungsunfähigkeit noch auf eine Rettung. Die Konkurrenz buhlt bereits um den Maxdata-Channel.

Am Mittwoch vergangener Woche stellte Maxdata einen Antrag auf Insolvenzeröffnung beim Amtsgericht Essen. Mit Ausnahme der Vertriebsgesellschaften in der Schweiz und den Niederlanden folgten auch alle anderen Auslandsgesellschaften von Maxdata diesem Schritt. Zusammen mit dem Essener Insolvenzverwalter Winfrid Andres versucht Maxdata- Chef Stiegler »so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern und die beiden Marken Maxdata und Belinea zu erhalten«. Insgesamt sind bei Maxdata noch rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Ihr Gehalt für die nächsten drei Monate ist durch das Insolvenzgeld gesichert.

Die Geschäfte laufen trotz der Insolvenz weiter, Bestellungen werden weiter entgegengenommen und Ware ausgeliefert. »Wir bitten Sie, uns bei der Weiterführung des Unternehmens zu unterstützen«, heißt es in einem CRN vorliegenden Schreiben von Maxdata an alle Geschäftspartner. Im Schreiben heißt es weiter, dass bereits Gespräche mit »mehreren namhaften Investoren« geführt würden, »um kurzfristig eine Sanierung und den Verkauf der Gesellschaft zu erreichen«. Wie Rechtsanwalt Dirk Andres, dessen Vater Winfrid Andres zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde, gegenüber Computer Reseller Newsausführte, wurde noch am Mittwoch Nachmittag, dem Tag der Antragsstellung auf Insolvenzeröffnung, mit einem strategischen Investor aus der ITBranche verhandelt (siehe Interview auf Blatt 4). Maxdata-Chef Stiegler war Andres zufolge an diesem Gespräch nicht beteiligt.

Händler schockiert

Viele Maxdata-Fachhändler und Systemhäuser hatten erst von Computer Reseller News von der Insolvenz ihres Herstellers erfahren. Die von uns um Stellungnahme gebetenen Reseller kannten die seit Jahren angespannte finanzielle Lage bei Maxdata, aber von der am Mittwoch vergangenen Woche gemeldeten Zahlungsunfähigkeit zeigten sich die meisten von ihnen dann doch völlig überrascht. »Das ist der absolute Hammer. Wir arbeiten seit 15 Jahren mit Maxdata zusammen. Wir haben diverse Projekt-Angebote mit deren Hardware abgegeben. Das ist ganz schlimm«, betont Dieter Holtzendorff vomHamburger Systemhaus Heinz G. Gotthardt.

Noch Anfang März war Maxdata- Chef Thomas Stiegler voller Optimismus, dass der im vergangenen Sommer vorgestellte Sanierungsplan greifen würde. Es war freilich nicht die erste Maßnahme dieser Art. Umstrukturierungen und Neuausrichtungen, dann wieder Kehrtwende und neue Sanierungsbemühungen gab es in den letzten drei Jahren viele. Der zuletzt eingeschlagene Weg schien dann doch viel versprechend. Auf der CeBIT 2008 stellte Maxdata zahlreiche neue Produkte aus, darunter einen innovativen Mini-PC mit integriertem Voice- over-IP-Telefon. Auch die neue Notebook-Serie unter der Marke Belinea fand Anklang unter Fachhändlern. »Wir haben unsere Geschwindigkeit bei Innovationen deutlich gesteigert und auch beim Design unserer Produkte mächtig aufgeholt«, sagte damals Stiegler im Gespräch mit CRN.

Allerdings kannte Stiegler damals noch nicht die Zahlen des ersten Quartals. Sie machten den Optimismus des CEO zunichte und legten nicht den Schluss nahe, dass Maxdata in diesem Jahr das Minimalziel einer schwarzen Null schaffen könnte. Der Ebit- Verlust stieg auf 10,9 Millionen Euro (Vorjahresquartal minus 6,9 Millionen Euro), während der Umsatz um rund elf Prozent auf 102,3 Millionen Euro einbrach. Maxdata hat zuletzt die bekannte Monitormarke Belinea als neue Notebook-Reihe im Markt vorgestellt und damit den Absatz tragbarer PCs zwar deutlich steigern können – allerdings ausgehend von einer sehr niedrigen Stückzahl. Bei anderen Produktgruppen, allen voran Monitore und Server, lief das Geschäft dagegen schlecht. Der Absatz von Belinea- Monitoren, eine der Top-Marken auf dem deutschen Markt, fiel um elf Prozent. Die Stückzahlen bei Servern verzeichneten ein Minus von neun Prozent.

Graue Eminenz Siegfried Kaske

Ohne den Aufsichtsratschef Siegfried Kaske geht bei Maxdata nichts. Er ist die graue Eminenz im Hintergrund. Kaske hält zusammen mit seiner Frau rund 71 Prozent der Maxdata-Aktien. Er hatte sie zusammen mit weiteren Unternehmen für einen symbolischen Betrag erhalten. Und das kam so:

Ende 1998 hatte die Metro die Trennung von 250 Tochtergesellschaften mit einem Umsatzvolumen von rund 16 Milliarden Mark beschlossen, darunter Firmen wie die Schuhkette Reno, der Textilmarkt Adler, eine Beteiligung an Debitel sowie den Computerhersteller Vobis, deren Beteiligung an Adam Riesig und der mittlerweile insolventen Eigenmarke Yakumo, sowie Maxdata. Übertragen wurden die Firmen mit einem Buchwert von zwei Milliarden Mark an die eigens dafür gegründete Verwertungsgesellschaft Divaco, an der die Metro anfangs 49 Prozent hielt. Den Umbau und späteren Vermögenstransfer hatten zwei bis heute treue Weggefährten eingefädelt: Der damalige Metro- Chef Klaus Wiegandt und sein Finanzvorstand Siegfried Kaske. 2004 hatte Metro schließlich einen Schlussstrich unter ihre Engagements gezogen und die Divaco- Anteile veräußert. Für einen Euro ging der Anteil an das »Divaco- Management«, sprich Siegfried Kaske. Metro verzichtete damals auf dreistellige Millionen-Forderungen. Neben Kaske sitzt auch Wiegandt noch im Aufsichtsrat von Maxdata.

Kaskewar jetzt nicht mehr bereit, über eine Kapitalerhöhung frisches Geld nachzuschießen. Noch Anfang des Jahres hatte Kaske durch halbherzige Aktienkäufe versucht, den Aktienkurs zu stützen. Mitte März stellte er dann bereits den Kauf kleinerer Aktienpakete ein. Den Sanierungskurs hielt er offenbar für gescheitert. Auf eine positive Wende glaubte er nicht mehr. Kaske geht es jetzt darum, aus dem noch verbleibenden Vermögenswert der Maxdata für sich so viel wie möglich herauszuschlagen. Seine persönliche Insolvenzstrategie: Personalkosten im Rahmen des Insolvenzgeldes sozialisieren, die restlichen Vermögenswerte privatisieren.

»Eine Insolvenz erleichtert vieles«

Noch am selben Tag der Insolvenzstellung hat der Insolvenzverwalter Winfrid Andres Übernahmegespräche geführt. CRN fragte ihn, wie es nun bei Maxdata weitergeht.

CRN: Wer soll Maxdata retten?

Andres: Das wird sich zeigen. Wir haben noch am Mittwoch Nachmittag mit einem potenziellen Investor gesprochen und werden in den nächsten Wochen Gespräche mit weiteren Interessenten führen. Es ist ein strategischer Investor, also aus der IT-Branche. Ich bin da sehr zuversichtlich, aber natürlich brauchen solche Verhandlungen Zeit.

CRN: Aber die hat ein insolventes Unternehmen nicht. Wettbewerber von Maxdata haben schon am Tag der Insolvenz angefangen, um die Partner von Maxdata zu buhlen.

Andres: Es wird oft nicht daran gedacht, dass eine Insolvenz ein Sanierungsinstrument sein kann, um ein Unternehmen weiterleben zu lassen. Einem Fremdinvestor bleibt es dann erspart, Altlasten übernehmen zu müssen. Eine Insolvenz erleichtert sehr vieles, eine Fortführungslösung ist aber nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen.

CRN: Zuerst einmal herrscht eine große Verunsicherung: bei Mitarbeitern, Kunden und Partnern. Warum hat es der Maxdata-Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzende Siegfried Kaske so weit kommen lassen? Mit einer Kapitalerhöhung hätte er die Insolvenz von Maxdata verhindern können.

Andres: Dazu kann ich nichts sagen. Wichtig ist jetzt: Die Geschäfte von Maxdata gehen unverändert weiter. Es wird ausgeliefert und der technische Kundendienst arbeitet wie gewohnt.

CRN: Wer übernimmt jetzt die Garantieverpflichtungen für die Produkte?

Andres: Die übernimmt weiterhin Maxdata. Dafür wurden in den letzten Jahren erhebliche Rückstellungen gebildet. Nicht etwa, weil die Produkte schlecht sind. Der Gesetzgeber sieht das so vor.

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INFO

Maxdata AG
Elbestraße 16, 45768 Marl
Tel. 02365 952-0, Fax 02365 952-2005
www.maxdata.de [1]

Händler schockiert von Maxdata-Insolvenz

Reinhard Schulz vom Schulz Bürozentrum in München: »Dass es denen nicht gut geht, war klar. Ich hoffe jetzt, dass es weitergeht. Bei uns gab es mit Maxdata nie Probleme.«

Erich Schmidmüller von Bürop, München: »Das war wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Entscheidend ist jetzt, was mit den Garantiefällen passiert. Wir haben viele Notebooks und PCs verkauft – alle mit einer Garantie von drei Jahren.«

Dieter Holtzendorff vom Hamburger Systemhaus Heinz G. Gotthardt: »Das ist der absolute Hammer.Wir arbeiten mit Maxdata seit 15 Jahren zusammen. Wir haben diverse Projekt-Angebote mit deren Hardware abgegeben. Das ist ganz schlimm.«

Jürgen Reinhard, Product Marketing Manager Display bei der Samsung Electronics GmbH: »Die Auswirkungen für den Monitormarkt kann man kurzfristig nicht beurteilen. Auch wenn Belinea für Samsung immer einen harten Mitbewerber darstellte, ist es doch traurig für die Leute, die dort engagiert ihren Job gemacht haben.«

Martin Wild, Geschäftsführer Home of Hardware: »Ich bin weiter bereit, Maxdata-Produkte zu vertreiben und stehe im engen Kontakt zu meinem Vertriebsleiter bei Maxdata. Aber eine Rettung aus der Insolvenz muss schnell erfolgen, sonst besteht die Gefahr, dass ich Garantieverpflichtungen übernehmen muss.«

Wolfgang-Michael Görwitz vom Berliner Systemhaus Horn & Görwitz: »Hoffentlich richtet es der Insolvenzverwalter. Wir werden jetzt alternative Lieferanten identifizieren.«

Kurt P. Eibes, itc4u – eibes & jost ohg aus Rehlingen- Siersburg: »Wir sind jetzt seit über zehn Jahren Maxdata- Partner.Wir glauben, dass es sich hier eher um eine Börsengeschichte handelt. Banken und Versicherer sind das große Problem der deutschen IT-Branche. Maxdata wird sich wieder fangen, die Aktionäre werden die Firma weiter unterstützen, so wie wir. Hoffentlich bleiben alle Partner weiterhin treue Kunden der Maxdata«.

[1] http://www.maxdata.de