Partner fürchten Schwächung des Channel-Modells:
Microsoft Ladenkette kommt auch nach Deutschland
Microsoft kopiert den Erfolg der Apple Stores und wird ebenfalls eine Ladenkette aufbauen. Gegenüber CRN bestätigte Microsoft, dass es auch Läden in Deutschland geben wird. Partner von Microsoft fürchten eine unliebsame Konkurrenz. Nicht zu unrecht, wie die dunkle Seite des Apfels zeigt.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
Dies könnte der erste Testballon für eigene Retail Stores gewesen sein: Der temporäre Microsoft Showrooms in Köln im November 2007
Microsoft geht nun selbst unter die Fachhändler: Mit der Hilfe des Ex-Walmart-Managers David Porter will der Softwaregigant eine eigene Ladenkette aufbauen (CRN berichtete [1]) und damit »eine Einkaufsmöglichkeit von Weltklasse« schaffen, wie Microsoft-Chief Operating Officer Kevin Turner erklärt. »Auf diese Weise werden unsere Kunden noch deutlicher den Innovationsgrad und Nutzen der Microsoft-Produkte erkennen«. Böse Zungen behaupten, dass sich Microsoft gerne von den Erfolgsideen des Rivalen Apple »inspirieren« lässt, wie etwa bei der Einführung des MP3-Players Zune inklusive angeschlossenem Musik-Store.
Nun scheint es Microsoft-Chef Steve Ballmer der Erfolg der Apple Stores angetan zu haben: Er berief David Porter zum Corporate Vice President of Retail Stores. Der langjährige Walmart-Manager soll ein weltweites Konzept für die Microsoft-Shops entwerfen. Gegenüber CRN bestätigte Microsoft, dass es entsprechende Läden auch in Deutschland geben werde. Denkbar seien einem Unternehmenssprecher zufolge sogenannte Flagship-Stores in wenigen größeren Städten, wie sie temporär bereits 2007 zu begutachten waren.
Von Juni bis Dezember 2007 gastierte Microsoft mit den weltweit ersten, jeweils dreiwöchigen Showrooms in München, Berlin, Hamburg und Köln, die man im Nachhinein als Testballons für eigene Retail-Stores interpretieren könnte. Dort zeigte der Hersteller gemeinsam mit Herstellerpartnern Lösungsszenarien rund um seine Lifestyle Produkte wie Microsoft Mediaroom, Windows Home Server, Windows Mobile, Windows Vista, Windows Live und Xbox 360. Während die Showrooms reinen Präsentationscharakter hatten, seien in den geplanten Retail-Stores Beratungs-, Service- und Verkaufskomponenten denkbar, so der Hersteller.
Beruhigungspillen in Richtung Channel
Ex-Wallmart-Manager David Porter soll das Konzept für Microsofts Ladenkette schmieden
Microsoft-Partner, die durch die neuen Verkaufsgeschäfte eine Schwächung des Channel-Modells befürchten, versucht COO Turner zu beruhigen: »Natürlich teilen wir die Erfahrung, die wir mit unseren Stores sammeln, mit unseren Handels- und OEM-Partnern, die auch weiterhin für unseren Erfolg essentiell bleiben«. Ein Unternehmenssprecher betont, dass Microsoft den Channel auch in das neue Store-Konzept involvieren möchte. So könne ein ortsansässiger Partner beispielsweise Service- oder Beratungskomponenten übernehmen.
Dass Microsoft seine Partner - wie auch immer - in ein Ladenkonzept einzubinden verspricht, kommt nicht von ungefähr. Denn Microsoft lehnt sich nicht nur an das Erfolgskonzept von Apple an. Auch die dunkle Seite des Apfels [2], die mit dem Aufbau einer direkt vom Hersteller betriebenen Ladenkette verbunden ist, kennt man bei Microsoft genau. Zumal in Deutschland, wo Microsoft sehr viel stärker als in den USA auf den indirekten Handel angewiesen ist.
Noch ist unklar, ob der Softwarekonzern das Store-Konzept des für seine designstarken Produkte bekannten Rivalen Apple einfach kopieren kann. Es steht jedoch außer Frage, dass sich Microsoft mit David Porter einen ausgewiesenen Retail-Spezialisten an Bord geholt hat: Im Walmart-Konzern sammelte Porter 25 Jahre Handelserfahrung und hatte dort zuletzt die Hauptverantwortung für den Entertainment-Bereich. 2007 wechselte der Manager zum Unterhaltungskonzern Dreamworks und verstärkt nun die Redmonder.
[1] http://crn.de/showArticle.jhtml?articleID=214000675
[2] http://crn.de/showArticle.jhtml?articleID=199905597
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