Warnung vor Online-Abzocke im »Antiviren-Club«

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

18.02.2009

Eine Gruppe von Online-Abzockern verkauft derzeit unter www.antivirus-security.net eigentlich kostenlose Trial-Versionen namhafter Antiviren-Software. Hersteller wie G Data warnen vor dem Portal und haben rechtliche Schritte eingeleitet, da sie ihre Markennamen missbraucht sehen.

Diese Meldung soll die Besucher der Seite kino.to zum Abschluss eines völlig überteuerten Antiviren-Vertrages bewegen

Der Antiviren-Spezialist G Data [1] warnt vor einer neuen deutschen Online-Abzocker-Seite, die derzeit mit einer groß angelegten Kampagne auf Kundenfang geht. Die Masche der Betreiber des Portals www.antivirus-security.net ist äußerst perfide: Besuchern der Seite kino.to wird mit geschickt gestalteten Werbebannern, die etwa eine Partnerschaft mit G Data vortäuschen, eine Infektion des eigenen PCs mit Schadcode vorgetäuscht. Klickt der Nutzer die gefälschte Sicherheitswarnung an, wird er zu einer Webseite verlinkt, die den Opfern eine kostenlose Vollversion von G Data AntiVirus zur Desinfektion des PCs verspricht. Dafür müssen sich die Probanden lediglich registrieren.

Tatsächlich angeboten werden anschließend jedoch sowieso zugängliche Testversionen unterschiedlicher Antiviren-Hersteller. Doch für das ahnungslose Opfer ist es nach der Registrierung sowieso zu spät: Wer sich nämlich einschreibt, rennt mitten in die Falle der Täter und schließt damit ein Zweijahresabo in Höhe von satten 316,- Euro ab, für das er im Normalfall nur etwa 10-20 Prozent dieser Summe berappen würde – wenn überhaupt. Und auch die angebotenen Lösungen kommen jedenfalls nicht direkt von den Antiviren-Anbietern: G Data weist etwa darauf hin, dass man in keinerlei geschäftlicher Verbindung zum Anbieter der Webseite stehe und im Gegenteil sogar rechtliche Schritte gegen den in Dubai registrierten Anbieter prüfe.

Die dreiste Masche der Täter

Auch wenn es so aussieht - die Seite hat nichts mit G Data oder den anderen dort genannten Herstellern zu tun

Besucher der Seite kino.to, die angeblich Filme und Serien per Stream anbietet, erhalten automatisch eine Warnung, Ihr System sei durch Viren gefährdet. Klickt der Nutzer auf das entsprechende Popup, kommt er auf die Seite von antivirus-security.net, wo er aufgefordert wird, seine persönlichen Daten einzugeben, um den Virusschutz zu bekommen. Die tatsächliche Absicht der Webseiten-Anbieter ist klar und findet sich im Kleingedruckten wieder: Mit Preisgabe der persönlichen Daten kommt ein Abo-Vertrag zwischen dem Anbieter und dem Besucher der Webseite zustande, der den Zugriff auf einen Mitgliedsbereich umfasst, in dem sich kostenlose Versionen etablierter Antivirus-Produkte herunterladen lassen. Für diese »Dienstleistung« stellt der Anbieter halbjährlich 79,- Euro für einen Zeitraum von 24 Monaten in Rechnung.

»Die beschriebene Vorgehensweise ist ein Mix aus nutzlosen Virenschutzimitaten und Kostenfallen im Internet. Mit gefälschten Warnmeldungen werden die Film-Enthusiasten statt zur Installation von angeblicher Schutzsoftware in eine Kostenfalle gelockt. Auf der aktuellen Seite ist der Preis zwar ohne Scrollen ersichtlich. Aber auch nur, wenn man genau hinschaut.«, so Ralf Benzmüller, Leiter G Data Security Labs. Die im »Mitgliedsbereich« zusammengetragenen Downloadlinks von Antiviren-Produkten namhafter Hersteller erweisen sich bei genauem Hinsehen als maßlos überteuert: Es handelt sich bei den angepriesenen Produkten um Trial-Versionen, die sich mittels simpler Suchmaschinen-Abfragen ohne weiteres kostenlos im Netz finden lassen.

Was tun, wenn man unterschrieben hat

Nico Reiners rät Betroffenen, die Forderungen auf keinen Fall zu bezahlen

Doch was bleibt denjenigen zu tun, die bereits auf die Masche hereingefallen sind und jetzt den völlig überteuerten Abo-Preis bezahlen sollen? Nico Reiners, Mitarbeiter am Institut für Rechtsinformatik der Leibniz Universität Hannover, empfiehlt Betroffenen, auf keinen Fall zu zahlen. Auch wenn Inkasso-Büros eingeschaltet werden oder das Portal mit einem Schufa-Eintrag oder einer Klage drohe, solle man auf jeden gelassen bleiben und den Forderungen nicht nachkommen, so Reiners. »Die Abofallen-Betreiber haben kein Interesse an einer Klage, da sie Angst haben zu verlieren und ein Schufa-Eintrag ist auch nicht ohne weiteres möglich«.

Der unseriöse Anbieter ist übrigens kein Unbekannter: Schon in der Vergangenheit hat die »RS Web Services GmbH & Co. KG« aus Ottobrunn, deren Geschäftssitz Dubai ist, mit Online-Abzocken (z.B. Traumdeutungen) von sich Reden [2] gemacht. Und auch die Anwältin, die das Geld von den Geprellten einfordert, kann mit diversen Serienabmahnungen schon auf einige negative Schlagzeilen zurückblicken. G Data versucht derzeit, die Seite auf juristischem Wege abschalten zu lassen.

[1] http://www.gdata.de/
[2] http://www.verbraucherabzocke.info/6-Online/Trickbetrug-weitere/Hintergrundmaterial/Betroffene-Berichte/311-rs_web_services-betr.htm

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