Zukäufe gelingen nur mit guter IT

von Dr. Jakob Jung

04.08.2008

Die IT ist zentraler Erfolgsfaktor bei Fusionen oder Übernahmen: Unternehmen mit gut strukturierter IT bewältigen diese meist besser. Die meisten CIOs sind allerdings selbstkritisch, was ihre eigene Kompetenz in dieser Hinsicht angeht.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 2)

Die IT wird bei einer Übernahme häufig zum kritischen Faktor für das Gelingen.

Dass ein Unternehmenskauf für eine Firma eine Zerreißprobe darstellen kann, liegt auf der Hand. Damit die Einbindung der Infrastrukturen gelingt, ist gute Organisation gerade in der IT unabdingbar, so eine Studie von Deloitte [1] zusammen mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 64 Prozent der deutschen CIOs stufen die IT-Kompetenz ihres Unternehmens hierzu aber nur als befriedigend oder schlecht ein. Doch Unternehmen, die Zusammenschlüsse besonders erfolgreich bewältigt haben, weisen eine ausgeprägte IT-Ausrichtung an Geschäftszielen auf. Zudem partizipiert diese bereits in den frühen Phasen des Mergers and Akquisitions (M&A) Lifecycle.

Die Best Practices machen Schule: 76 Prozent der CIOs erachten den Ausbau ihrer IT-M&A-Kompetenz als dringlich, 46 Prozent wollen die IT langfristig als Business Partner etablieren - mit dem Ziel einen möglichst hohen Reifegrad an M&A-Management-prozessen zu erlangen. »IT-Kompetenz für die entsprechenden Prozesse ist insbesondere in Branchen mit hohem Konsolidierungsgrad wie dem Handel zu finden sind. Auffällige Defizite bestehen hingegen in den Bereichen Transport und Verkehr, Energiewirtschaft und Finanzdienstleistungen«, kommentiert Peter Ratzer, Partner CIO Advisory bei Deloitte.

Fast ein Drittel der IT-Projekte bei M&A scheitern

Ganze 31 Prozent der IT-Projekte im Zuge einer Fusion scheitern, nur 16 Prozent können innerhalb der vorgegebenen Zeit und mit dem eingeplanten Budget abgeschlossen werden. Dies ist brisant, denn die IT bildet heute oft das Fundament ganzer Geschäftsfunktionen. Damit korrelieren die Angaben der befragten CIOs, die sich und ihren Abteilungen zu fast zwei Dritteln kein gutes Zeugnis ausstellten. Verantwortlich dafür ist auch das Rollenverständnis der IT: Für 61 Prozent der Befragten war die IT bislang ein reiner Service Provider. Elementar für eine gelungene Fusion ist hingegen eine erweiterte Sichtweise der IT. Dies zeigt sich klar bei Unternehmen, die sich als überdurchschnittlich erfolgreich erwiesen haben: Hier fungiert die IT in 40 Prozent der Fälle als Business Partner - eine Rolle, die künftig laut 46 Prozent aller Befragten gestärkt werden soll. Auch ein überdurchschnittliches IT Business Alignment trägt maßgeblich zur Verwirklichung von M&A-Zielen bei.

Die frühzeitige IT-Einbindung in den M&A-Lifecycle ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg. So sollten Aspekte der IT-Integration bereits bei der Entwicklung der M&A-Strategie einfließen und die Zielselektion beeinflussen. Derzeit wird dies jedoch nur in 15 Prozent der Fälle praktiziert. Auch bei der Due Diligence ist die IT von zentraler Bedeutung - was von einem Drittel aller Teilnehmer noch nicht berücksichtigt, jedoch von 90 Prozent der besonders erfolgreichen Unternehmen beachtet wurde. »Je früher und umfassender die Unternehmens-IT in die M&A-Prozesse eingebunden und je ganzheitlicher der Ansatz ist, desto größer sind die Erfolgsaussichten des gesamten Unterfangens«, betont Peter Ratzer.

Unterschiedliche Reifegrade

Viele Unternehmen weisen einen hohen Reifegrad beim IT-Program-Delivery-Management und IT-Operations-Management auf, während der Grad beim Customer-Relationship-Management signifikant niedriger ist. IT-Operations-Management gehört dabei zusammen mit dem IT-Resource-Management und dem IT-Architektur-Management zu den wichtigsten T-Managementprozessen bei M&A-Transaktionen.

Ausschlaggebend für das Gelingen einer IT-Integration im Rahmen einer Fusion ist die geeignete Integrationsstrategie. Hier bieten sich unterschiedliche Abstufungsmodelle an. Der Studie zufolge wird von den meisten Unternehmen ein möglichst hoher Integrationsgrad angestrebt, 41 Prozent entschieden sich für eine Absorption. Eine hohe Integration führt aber nicht zwingend zum Transaktionserfolg: Wichtig ist vielmehr, dass die IT-Post-Merger-Strategie dem jeweiligen M&A-Typ entspricht.

[1] http://www.deloitte.com/dtt/home/0%2C1044%2Csid%25253D5965%2C00.html