Outsourcing bei deutschen Unternehmen auf dem Vormarsch

von Lars Bube (lars.bube@crn.de), Dr. Jakob Jung

24.10.2008

Business Process Outsourcing setzt sich zunehmend durch: Wenn die Alternative München oder Mumbai heißt, packt viele deutsche Unternehmen das Fernweh. Dennoch bevorzugen 75 Prozent der Unternehmen letztlich eine heimische (Onshore) Auslagerungs-Lösung.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 3)

Die meisten Projekte gehen glatt und schnell über die Bühne

Das Business Process Outsourcing (BPO) findet in Deutschland immer mehr Anhänger: Mehr als jede dritte Firma hat inzwischen Bürodienstleistungen, Verwaltungsaufgaben oder den Kundenservice an Drittunternehmen abgegeben, weitere 6,5 Prozent haben bereits fertige Pläne in der Schublade. Allerdings werden von den Strategen dabei vor allem ortsnahe Partner gesucht.

Nur knapp sieben Prozent der Unternehmen setzen auf Offshore-Outsourcing, lassen also zum Beispiel die Gehaltsabrechnung in asiatischen Ländern wie Indien durchführen. Auch die Nearshore-Auslagerung – überwiegend nach Osteuropa – hat im Vergleich wenige Befürworter: Solche Modelle kommen nur bei elf Prozent der Betriebe zum Einsatz. Dagegen ziehen drei von vier Unternehmen die Auslagerung an eine Firma in der heimischen Region vor (Onshore). Das ist das Ergebnis der Studie »Erfolgsmodelle im Outsourcing« von Steria Mummert Consulting [1] in Kooperation mit InformationWeek.

Knapp die Hälte der Unternehmen nutzt ihr Outsourcing-Potenzial nicht voll aus

Spitzenreiter im Outsourcing sind die Bereiche Telekommunikation, IT und Medien: Hier haben vier von zehn Befragten bereits Prozesse an Serviceanbieter delegiert. Sie halten BPO für den Unternehmenserfolg für besonders wichtig (49 Prozent). Dabei wissen vor allem große Firmen die Vorteile des BPO zu schätzen: 44 Prozent der Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten arbeiten bereits mit einem Serviceanbieter zusammen.

Inzwischen werden von den Großunternehmen auch nicht mehr nur Randaktivitäten, sondern zunehmend auch Kernprozesse abgegeben, allerdings meist nur, solange sie nicht wettbewerbsentscheidend sind. Ob Spesenbearbeitung, Gehaltsabrechnung oder vielfältige Verwaltungsaufgaben – die beliebtesten Bereiche für das Auslagern von Prozessen sind dabei das Personal- (67 Prozent) sowie das Finanz- und Rechnungswesen (54,4 Prozent).

Kosteneinsparungen entscheidend

Einsparungen sind weiterhin der wichtigste Treiber für Outsourcing

Wichtigster Antriebsfaktor bei der Auslagerung von Prozessen sind Kosteneinsparungen. Externe Dienstleister können die Aufgaben meist günstiger bereitstellen als eine Lösung in Eigenregie, da sie Geschäftsprozesse mehrerer Kunden bündeln, vereinfachen und standardisieren können. Durch diese automatisierte Abwicklung entstehen Skaleneffekte, die die Kosten enorm senken.

Rund 46 Prozent der Unternehmen sehen daher in möglichen Kosteneinsparungen den wichtigsten Vorteil beim Outsourcing. Besonders für Firmen, deren Umsatz im vergangenen Jahr gesunken ist, spielen damit verbundene Kostensenkungen eine große Rolle. Insgesamt rechnen 43 Prozent der Unternehmen mit Einsparungen durch BPO von mehr als zehn Prozent.

Ängste und Risiken

Die Angst vor dem Verlust von know-how ist das häufigste Argument gegen Outsourcing

Neben vielen möglichen Vorteilen birgt BPO für die Unternehmen jedoch auch Risiken mit sich. Vor allem die Angst vor dem Verlust von Know-how wird als Hauptargument gegen die Auslagerung von Geschäftsprozessen genannt: 54 Prozent der Unternehmen treibt diese Sorge um. Gesetzliche Einschränkungen, die die Weitergabe der Daten verhindern, der Verlust von Arbeitsplätzen, finanzielle Risiken oder ein zu hoher Aufwand spielen jeweils mit knapp 30 Prozent ebenfalls eine Rolle.

Trotz der Befürchtungen haben es aber nur wenige an der Studie teilnehmenden Unternehmen bereut, ihre Prozesse auszulagern. Knapp 70 Prozent der Firmen, die sich für das BPO entschieden haben, sind damit auch zufrieden. Allerdings gibt es vor allem in Großunternehmen noch Verbesserungspotenzial. Rund 54 Prozent der Firmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern sind mit der Umsetzung nur mittelmäßig beziehungsweise nicht zufrieden.

[1] http://www.steria-mummert.de/home

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