Mit ITIL zur IT-Automatisierung

von Hans-Christian Boos, Ariane Rüdiger

22.05.2008

Mit ITIL zur IT-Automatisierung ITIL als Organisationsstandard hat die Voraussetzungen für den nächsten Schritt im Evolutionsprozess des IT-Betriebs geschaffen. Dieser lautet: Automatisierung.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Der IT-Betrieb wird ständig in Richtung Kostensenkung und Qualitätssteigerung optimiert. Dafür konsolidiert und virtualisiert man die Infrastruktur zunächst. So lassen sich wichtige Skaleneffekte erzielen. Als nächstes richten viele Unternehmen den IT-Betrieb an bewährten Praxismethoden (Best Practises) aus. Messlatte dafür ist derzeit das Regelwerk ITIL (IT Infrastructure Library). Seine Vorgaben werden in den letzten Jahren vielerorts zumindest teilweise umgesetzt. ITIL bietet konkrete Handlungsanweisungen und ordnet Aufgaben strikt bestimmten Einheiten zu. Prozesse und Kommunikation zwischen den handelnden Personen werden standardisiert. Gleichzeitig dämmt ITIL den Wildwuchs in der Systemlandschaft ein, verhindert Herrschaftswissen und bringt Transparenz in den IT-Betrieb. Ein weiterer Vorteil von ITIL liegt darin, dass die Best Practices unabhängig von der Größe eines Unternehmens und seiner Branche eingesetzt werden können.

ITIL regelt nur Zuständigkeiten und Prozesse ITIL eignet sich für alle Unternehmen, deren Geschäftsprozesse sich auf ein IT-System stützen. Je größer ein Betrieb ist, desto dringender muss sich die IT aber mit dem Thema auseinandersetzen. Denn in kleineren Firmen können aktuelle Probleme noch eher durch persönliche Gespräche behoben werden als in größeren. Dort brauchen Verfahren rund um die IT einen übergeordneter Standard. Zudem begegnet ITIL kaum den sonst bei Neuerungen üblichen Akzeptanzproblemen. Als eine von mehreren Methoden, Betriebskommunikations- oder Prozessstandards einzuführen, hat sich das Regelwerk binnen kürzester Zeit fest etabliert. Häufig wird dem Organisationsstandard vorgeworfen, er blende den »Faktor Mensch« zu sehr aus. Darin aber liegt der eigentliche Sinn von definierten Prozessen. Der IT-Betrieb verträgt keine ungezügelte Kreativität. Ein stark formalisierter Ansatz wie ITIL verfolgt sogar den Zweck, persönliche Bedürfnisse des einzelnen Mitarbeiters auszuschalten, um so einen geordneten Ablauf des IT-Betriebs gewährleisten zu können und unterscheidet sich somit fundamental von Bereichen wie der Softwareentwicklung, wo individuelle Kreativität gefragt ist.

Das Kernproblem: Falsche Erwartungshaltung an ITIL

Trotz all dieser Vorteile ist es für Unternehmen, die ihre Systemlandschaft weiter optimieren wollen, jetzt Zeit für die nächste Stufe über ITIL hinaus. Denn der Standard hat seine Grenzen. Das ergibt sich aus der Natur der Sache: ITIL sagt lediglich sehr abstrakt etwas über eine Neustrukturierung der Arbeitsorganisation und der Kommunikation zwischen den einzelnen Einheiten, aber nichts darüber, wie einzelne Aufgaben zu bewältigen sind und wie technische Prozessen geändert werden müssen, um die Effizienz zu steigern. Das ist kein Fehler von ITIL, denn die Methodik sollte immer nur eine neue Arbeitsweise formalisiert beschreiben. Mehr darf man nicht von ihr erwarten, schon gar nicht die automatische Senkung der Betriebskosten oder veränderte technische Prozesse.

Ohne ITIL keine Automatisierung All das leistet ITIL nicht. Die Methode legt nur die Basis für den nächsten logischen Schritt, die Automatisierung vorher definierter Prozesse innerhalb des IT-Betriebes. Diese führt letztlich zu sinkenden Kosten. Denn siebzig Prozent der IT-Budgets werden derzeit darauf verwendet, Maschinen und Programme in Gang zu halten und manuell auf Fehlermeldungen zu reagieren. Durch die Automatisierung von IT-Prozessen lässt sich die manuelle Arbeit erheblich reduzieren. Unternehmen sollten daher prüfen, ob nicht an vielen Punkten, an denen bisher IT-Mitarbeiter manuelle Veränderungen vornehmen mussten, automatisierte Funktionen eingesetzt werden können. Grundlage der Automatisierung ist die technische Messung. Sie stellt den Ist-Zustand der Infrastruktur fest. Anhand der gemessenen Parameter und der gewünschten Zielwerte lässt sich dann ein Regelwerk definieren, das genau festlegt, welche Aktionen unter bestimmten Umständen automatisch angestoßen werden sollen. Besonders effizient ist es, nach Überschneidungen in den Prozessabläufen zu suchen. Solche Bereiche sind geradezu prädestiniert für die Automatisierung. Damit ist sie die logische Weiterführung des ITIL-Ansatzes. Mit Automatisierung wird der IT-Betrieb nicht mehr nur organisiert und standardisiert, sondern läuft auf Basis des definierten Prozessframeworks an bestimmten Stellen auch ohne permanente menschliche Kontrolle und Eingriffe ab.

Hans-Christian Boos ist Vorstand des Beratungsunternehmens arago in Frankfurt/Main.