Notfall-Ortung übers Handy

von Ariane Rüdiger

29.03.2007

Notfall-Ortung übers Handy Bisher scheiterte das schnelle Auffinden von Notfallopfern, die ihre Retter per ­Handy verständigten, oft an der Ortung. Ein neues System löst dieses Problem. Es wird jetzt schrittweise in allen deutschen Rettungszentralen eingeführt.

Zeit ist nicht nur Geld, sondern manchmal auch Leben. Dann nämlich, wenn es gilt, Notfallopfer zu orten und zu retten. Durchschnittlich 17 Minuten dauert es in Deutschland derzeit, bis die Retter beim Opfer eintreffen. Ließe sich die Zeit auf zehn Minuten verkürzen, würden bis zu zwanzig Prozent mehr Menschen überleben. Wichtigstes Problem ist dabei die Ortung. Viele der 60000 Anrufer, die sich jährlich per Handy bei der Rufnummer 112 melden, machen falsche oder ungenaue Ortsangaben und können deshalb nicht sicher sein, gefunden zu werden. Das soll nun anders werden. Die Björn Steiger Stiftung, auf deren Initiative schon die Einführung der bundeseinheitlichen Notrufnummern 110 und 112 zurückgeht, hat mit einer Reihe von Partnern Life Service entwickelt. Dieses neue Ortungs- und Rettungssystem soll die Zeit bis zum Auffinden von Notfallopfern, die sich über Handy melden, deutlich verringern. Die Lösung basiert auf einer Kombination von GPS- und Funkzellortung. Life Service funktioniert aber auch mit Handys ohne GPS-Empfänger oder -Zusatzgerät, allerdings etwas langsamer. Wer sein Handy kostenlos über die Nummer 08001011599 registrieren lässt, hat eine Chance, signifikant schneller gefunden zu werden. Daran, dass auch GPS-lose Handys per Funkzellortung schneller lokalisiert werden können, arbeitet ein von der Björn-Steiger-Stiftung finanziertes Forschungsprojekt des Instituts für Kommunikationstechnik an der Universität Duisburg-Essen. »Wir können bereits auf rund 300 Meter genau orten, aber wir wollen gern in der Hälfte der Fälle auf rund 100 Meter genau sein«, sagt Dr.-Ing. habil. Peter Jung, der als Dozent des Lehrstuhls für das Projekt verantwortlich ist. Ob das gelingt, hänge allerdings davon ab, wie viele Informationen über die Basisstationen die Provider zur Verfügung stellen und wie dicht die Infrastruktur jeweils sei. In dünn besiedelten Gebieten sei die Aufgabe schwerer zu lösen als in dicht bevölkerten mit vielen Basisstationen. Eine Kooperation von sechs IT-Firmen hat Life Service realisiert. SHE Informationstechnologie in Ludwigsburg entwickelte das Gesamtkonzept, dessen wichtigste Ziele Sicherheit, Zuverlässigkeit und ständige Verfügbarkeit sind. Aus Gründen der informationellen Selbstbestimmung kann die Ortung nur durchgeführt werden, wenn der Anrufer zugestimmt hat. Mit den Netzen der einzelnen Mobilfunkbetreiber ist das System über VPNs verbunden, die durch einen zentralen NGX-Firewall-1-Cluster von Checkpoint gesichert sind. Durch eine Zweifaktor-Authentifizierung erhalten nur autorisierte Mitarbeiter einer Leitstelle Zugriff auf sensible Ortungsdaten der Provider. Dafür sorgt das Einmalpasswortsystem Secovid von Kobil. Für die ständige Verfügbarkeit der Infrastruktur ist der Hoster Telecity Redbus verantwortlich. Im Rechenzentrum des Unternehmens sind die Server der Björn-Steiger-Stiftung, die vom Hersteller Hewlett-Packard stammen, so verteilt, dass auch bei Bränden, Wasserschäden oder ähnlichen Katastrophen niemals das Gesamtsystem ausfällt. Dadurch ist ständige Verfügbarkeit gewährleistet. Service und Support sind nach ITIL-Regeln aufgebaut, was für maximale Transparenz dieser Vorgänge garantiert. Die Ortungskomponente stammt von PTV Planung Transport Verkehr. Obwohl Life Service erst Ende 2006 verfügbar ist, läuft der Dienst bereits in über 100 Notrufzentralen und soll bis Mitte 2007 in allen 300 Notrufzentralen installiert sein. Dann steigt die Chance, dass, wenn man schon von einem Unglück ereilt wird, wenigstens die Rettung schnellstens kommt.