Die IT braucht ein neues Profil

von Dr. Jakob Jung

08.04.2008

Die Aufgaben der internen IT-Abteilungen werden sich mit zunehmender Akzeptanz von Outsourcing-Dienstleistungen stark in Richtung Beratungs- und Vermittlerrolle entwickeln. Darauf sind aber leider die wenigsten IT-Verantwortlichen vorbereitet.

In den letzten Jahren haben Unternehmenslenker immer wieder das Ziel verfolgt, ihre IT-Kosten zu senken und mehr Transparenz in die Arbeit der IT-Abteilung zu bringen. In einigen Fällen wurden IT-Abteilungen unter externen Wettbewerbsdruck gesetzt, allerdings mit mäßigem Erfolg. Als Berater und Vermittler wächst der internen IT eine Rolle zu, die ihre Bedeutung in den Unternehmen langfristig sichern kann. Dazu muss sie sich allerdings zunächst das Vertrauen der Fachabteilungen wieder erwerben und sie braucht dringend Mitarbeiter, deren kommunikative Fähigkeiten mindestens so groß sind wie ihr IT-Sachverstand, so die Empfehlung des Analysten Martin Haas, Director Research & Consulting bei IDC.

Nach IDC-Untersuchungen sind 84,4 Prozent der IT-Abteilungen in Deutschland als Cost Center ohne externe Kunden in das Gesamtunternehmen eingebunden. Bei 8,6 Prozent der IT-Abteilungen handelt es sich um Profit Center, die keine externen Kunden außerhalb des Unternehmens haben. Dies zeigt den klaren internen Fokus der meisten IT-Abteilungen. Zumindest die Organisationsform der IT-Abteilungen in deutschen Unternehmen lässt demnach keinen Schluss auf einen verstärkten externen Wettbewerbsdruck zu. Die oft kolportierte Aussage: »Die IT muss derart wettbewerbsfähig sein, dass sie auch am externen Markt bestehen kann«, ist offensichtlich durch verallgemeinerte Statements von Großunternehmen beeinflusst.

Mit den Fachabteilungen reden

Allerdings entsteht von anderer Seite enormer Druck auf die IT. Mittelfristig dürften sich ihre Aufgaben deutlich verändern. Mit der zunehmenden Akzeptanz von Outsourcing-Dienstleistungen müssen die internen IT-Abteilungen verstärkt eine Beratungs- und Vermittlerrolle übernehmen. Weil immer mehr IT-Projekte auf Basis konkreter Anforderungen der Fachabteilungen entstehen, kann nur eine vermittelnde Instanz zwischen Fachabteilung und externen Anbietern den Projekterfolg garantieren. Um diese Rolle erfolgreich spielen zu können, müssen die IT-Verantwortlichen ihren Abteilungen vielfach ein völlig neues Profil geben. Das heißt, sie müssen sich als zuverlässiger Partner für fachabteilungsspezifische Fragestellungen und Lösungen positionieren. Auch kommt es darauf an, die Anforderungen der Fachabteilungen zu verstehen und diese in eine für das Unternehmen optimale Lösung umzusetzen. Hierzu gehört auch die Integration der Lösung in die IT-Gesamtstrategie. Dabei sollten keine unrealistischen Erwartungen geweckt werden.

Die Entwicklung einer Sourcing-Strategie stellt eine wichtige Basis für einen effizienten Prozess dar. Die Wahl des richtigen externen Partners und Dienstleisters ist wichtig. In diesem Zusammenhang kommt es auch darauf an, Fachabteilung und externen Partnern über den gesamten Lebenszyklus der ausgewählten Lösung zu vermitteln und auszugleichen. IT-Verantwortliche sollten bereits heute damit beginnen, derartige Skills aufzubauen. Leider erwarten die CIOs noch zu viel IT-Sachverstand von den Fachabteilungen. Diese Haltung ist kontraproduktiv. Schließlich gehört das Wissen über die Einsatzmöglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologien nicht zu den Kernaufgaben eines Fachabteilungsverantwortlichen oder seiner Mitarbeiter. Andererseits treffen einige Fachabteilungen IT-Entscheidungen in Eigenregie. Auch das ist mit Blick auf die Vermeidung von Wildwuchs und den Return on Investment natürlich nicht optimal.