Den Wert der IT erkennen

von Holger Wolff

26.02.2009

Den Wert der IT erkennen In den letzten Jahren war das Thema Kostenreduktion vorrangiger Treiber von Investitionsentscheidungen, heute ist man dadurch in vielen Unternehmen dem Optimum schon sehr nahe gekommen.

Langfristige Providerverträge der zweiten oder dritten Generation haben hier schon fast das Maximum an Effizienz erreicht und lassen sich in der Regel kurzfristig nicht weiter optimieren. Kurzfristige IT-Kostensenkung ist daher meist nur noch durch Streichen von IT-Projekten möglich. Um aber in Zeiten von steigendem Wettbewerbsdruck, Konsolidierung und einer in die Rezession gleitenden Finanzkrise stabil zu bleiben, wird erwartet, dass die IT zunehmend am Erreichen von Geschäftszielen gemessen wird. Es entstehen völlig neue Geschäftsmodelle, die durch IT erst ermöglicht werden. So wird beispielsweise das Zähl- und Messwesen der Energiebranche in den nächsten Jahren durch »Smart Metering« revolutioniert werden. Die intelligenten Stromzähler bieten Potenzial für flexible, zielgruppenspezifische Tarifstrukturen, Workflowoptimierung und Kosteneinsparung. Das bedeutet für Energieversorger einschneidende Veränderungen mit massiven Modifikationen der gesamten IT-Landschaft. Kundenbindung und Kundenwertsteigerung werden auf ein Niveau gehoben, das für Energieversorger heute unerreichbar ist.

Flexiblere Tarifgestaltungen

Ein weiteres Beispiel ist das »Future Ticketing« im Transportwesen. Hier werden künftig vermehrt Komponenten aus dem Bereich Mobiltelefone und RFID genutzt, wodurch man beispielsweise flexiblere Tarifgestaltungen vornehmen kann. Alle großen Bahn­gesell­schaften in Europa arbeiten mit Hochdruck an neuen IT-basierten Mobilitätsprodukten der nächsten Generation. Für den Erfolg dieser neuen Modelle ist der IT-Nutzen entscheidend. Daher besitzen Unternehmen, die professionelles IT Value Management betreiben, erhebliche Wettbewerbsvorteile. Die wichtigste Voraussetzung dazu ist zunächst ein unternehmensweit eingeführtes Port­foliomanagement. Nur so kann sichergestellt werden, dass eine einheitliche Bewertung aller Projekte und Projektanträge vorgenommen und ein Prozess zur Priorisierung und Freigabe von solchen durchgeführt werden kann. Dies bildet die nötige Plattform, um die Prinzipien der Wertbeitragssteuerung anzuwenden. Im nächsten Schritt muss das Unternehmen seine IT-Strategie anhand der strategischen Ziele sauber ableiten. Auf diese Art lässt sich gewährleisten, dass die Projekte nach ihrem Beitrag zur IT-Strategie bewertet werden können. Last but not least sollte sich das Unternehmen mit dem »Val IT Framework« beschäftigen. Das Programm des gemeinnützigen IT Governance Instituts, das auch Cobit bereitstellt, liefert die nötigen Anhaltspunkte, wie ganzheitliche Value-Governance aussehen sollte. Darüber gibt Val IT Impulse, wie das Monitoring der versprochenen Benefits bewerkstelligt werden sollte. So kann etwa eine CRM-Lösung aufgrund eines zum Stichtag der Genehmigung des Projektes ermittelten Wertbeitrags genehmigt werden. Wichtig ist es dann aber, nach der Implementierung der Lösung nachzuprüfen, ob die zum Genehmigungszeitpunkt versprochenen Wertbeiträge auch tatsächlich eingetroffen sind – hierzu sind heute die wenigsten Unternehmen in der Lage. Val IT liefert dafür einen Rahmen, indem nicht nur die Investitionsentscheidung sondern der gesamte Lebenszyklus der Investition abgebildet wird. Durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind Unternehmen gezwungen, ihr IT-Portfolio zu überdenken und die Transformation kompletter Geschäftsmodelle durch IT abzubilden. Aktuell beobachten wir aufgrund der beiden beschriebenen Entwicklungen, dass die Bereitschaft, sich intensiv und ernsthaft mit IT Value Management zu beschäftigen, rapide zunimmt. In aller Regel laufen in vielen Unternehmen schon Initiativen oder Programme, die von Value-Management-Grundsätzen inspiriert sind. Niemand wird von sich behaupten, bisher nicht auf den Wertbeitrag geachtet zu haben. Die ­Implementierung bedeutet daher vielfach ein Zusammenführen der vielen Einzelinitiativen, die auch bisher schon im weiteren Sinne von Wertbeitragssteuerung beeinflusst waren, unter dem Dach einer kon­sistenten, messbaren Value Governance. Getreu dem alten Grundsatz aus der Lösungsorientierung »finde heraus, was gut läuft und mache mehr davon« lassen sich in den meisten Unternehmen schnelle Vorteile ­realisieren, die keiner monatelangen Konzeption oder Analyse bedürfen.

Holger Wolff ist Geschäftsführer von beck et al. projects