IT für geschäftliche Innovationen

von Joachim Philippi, Dr. Werner Fritsch

24.04.2008

IT für geschäftliche Innovationen Manchmal gelten die IT-Chefs als bloße Abwickler und Verwalter, dann wieder sollen sie Umsatz und Gewinn steigern. Die Strategen des Beratungshauses Steria Mummert definieren nun eine neue Rolle für sie: im unternehmensweiten Innovationsmanagement.

Im global beschleunigten Wettlauf um Wachstum und Marktanteile wird es immer wichtiger, techno­logische Innovationen rasch in wettbewerbsfähige Produkte zu überführen. Auf diese Weise können Unternehmen frühzeitig auf veränderte Marktbe­dingungen reagieren. So erklärt sich, dass die Mehrzahl der Unternehmensmanager in Deutschland innovative Technologien und neue Produkte als die wichtigsten Wachstumstreiber ihres Wirtschaftszweigs betrachtet, wie eine aktuelle Umfrage von ­Steria Mummert Consulting (siehe Grafik und Kasten) belegt. Das gilt in besonderem Maß für die ITK- und die Medienbranche: Dort erleben sogar rund 80 Prozent der Manager die Wachstumsaussichten ihrer Firma als technologie- oder produktgetrieben. Im verarbeitenden Gewerbe, im Gesundheits- und im Finanzwesen sorgen vordergründig vor allem neue branchenspezifische Produkte und Dienstleistungen für Umsatzwachstum.

Beispiel Finanzbranche
Gerade im Finanzsektor wird jedoch exemplarisch deutlich, dass neue Angebote häufig auf technologischen Innovationen aufsetzen. Beim Handel mit der Sache nach oft identischen Produkten, gilt die zielgruppengerechte Kundenansprache über effiziente Vertriebswege als Schlüsselfaktor des erfolgreichen Wirtschaftens. Dabei erweist sich beispielsweise der neue Electronic-Banking-Standard EBICS als Wegbereiter für differenzierte Vertriebs- und Marketingkanäle im Internet. Dank dieses IT-Standards können die Banken ihren Kunden individualisierte Services anbieten. Hierbei nutzt der Vertrieb die technischen Möglichkeiten internetbasierter Banking-Portale, um dem eingeloggten Nutzer zielgruppengerecht Zusatzprodukte anzubieten. Die elektronisch gewonnenen Daten können in Echtzeit analysiert und für den ­Multi-Channel-Vertrieb genutzt werden. Damit wird es möglich, die herkömmliche Call-Center- und Filialberatung um kundenspezifische Angebote zu ergänzen.

Organisatorische Voraussetzungen

Inwieweit technologische Innovationen tatsächlich für wettbewerbsfähige und gewinnbringende Produkte genutzt werden, liegt nicht zuletzt an den organisatorischen Strukturen, die solche Umsetzungen betreffen, und daran, was die Mitarbeiter in den gegebenen Arbeitsumfeldern aus der puren Technologie machen können. Faktisch gelingt es nur knapp jedem zweiten der befragten Unternehmen, technisch neue Möglichkeiten erfolgreich in die eigenen Geschäftsprozesse zu integrieren. Gut 40 Prozent der von Steria Mummert Consulting befragten Firmen beschreiben ihre diesbezüglichen Erfolge als nur mittelmäßig, elf Prozent geben an, mit der Umsetzung unzufrieden oder sogar sehr unzufrieden zu sein. Solche Selbsteinschätzungen verdeutlichen Schwächen im eigenen Management.

Nachfrage ausschlaggebend
Viel hängt von innerorganisatorischen Faktoren ab: Wenn Innovationen zu außerordentlichem Wachstum führen sollen, müssen die Prozesse stimmen (63 Prozent der Befragten) und ausreichend Personal muss für die Umsetzung zur Verfügung stehen (49 Prozent). Wichtig ist aber auch, dass die Unter­nehmen die Präferenzen ihrer Kundschaft kennen (51 Prozent). Sonst besteht die Gefahr, auf Grundlage der technischen Möglichkeiten Produkte zu ent­wickeln, die zwar innovativ sind, aber auf dem Markt nicht nachgefragt werden. Sind hingegen die unternehmensinternen Rahmenbedingungen auf ein systematisches Innovationsmanagement abgestimmt, so sehen die Manager gute Chancen für wettbewerbs­fähige Produkte und überdurchschnittliches Wachstum.

Umsetzung mit Hindernissen

Allerdings betreibt in der Erfindernation Deutschland nicht einmal jeder zweite Betrieb ein solides Chancen-Risiken-Management, um die Absatzpo­tenziale und Investitionsaufwände seiner Neuentwicklungen sorgfältig abzuwägen. Dabei zeigen ­Umsatzanalysen, dass eben jene Unternehmen im Markt ­besonders erfolgreich sind, die neue Techno­logien als Wachstumstreiber über alle Managementdisziplinen hinweg koordiniert steuern: So betreiben die so­genannten Umsatzgewinner beispielsweise ein rund 20 Prozentpunkte besseres Kooperationsmanagement. Aber auch das interne Transformations­management ist dort um mehr als zehn Prozentpunkte besser aufgestellt als bei umsatzschwachen Wettbewerbern. Es gibt also durchaus Know-how, mit dem sich technologische Chancen bewerten und in betriebliche Produkte und Prozesse überführen lassen. Diese Fähigkeiten gilt es in den Unternehmen ebenso zu verankern wie technisches Innovationswissen.

Dr. Joachim Philippi ist Partner und Senior Executive Manager für Cross Industry Solutions bei dem Unternehmens- und IT-Beratungshaus Steria Mummert Consulting.