Explodierende Kosten für Rechenzentren

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de), Lars Bube

02.10.2008

Nach Angaben der Beratungsgesellschaft IDC steigen die Betriebskosten von Rechenzentren in Westeuropa mit »beunruhigender« Geschwindigkeit. Neben den steigenden Stromkosten ist dafür auch die wachsende Zahl von Systemen mit Mehrkern-Prozessoren verantwortlich.

Die Betriebskosten für Rechenzentren wachsen ins Uferlose

Während die Hersteller von Prozessoren und Servern gerne das Hohelied der »Green IT« singen, sieht die Realität nach Ansicht von IDC [1] anders aus. Der Strombedarf von Datacentern und Servern in Europa stieg nach einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft zwischen 2006 und 2007 um mehr als 13 Prozent. Demnach schluckten Server-Systeme in Westeuropa im vergangenen Jahr insgesamt rund 16,3 TWh (Terawattstunden). Das ist doppelt so viel wie die gesamte Straßenbeleuchtung und alle Verkehrsampeln in Großbritannien benötigen. Bei Rechenzentren hat der Energiehunger 2007 die Schwelle 40 TWh erreicht, für das laufende Jahr erwartet IDC einen Verbrauch von 42 TWh.

»Ein solcher Anstieg ist zum einen durch die wachsende Zahl von Servern zu erklären«, so Giorgio Nebuloni, Research-Analyst bei IDC European Systems. »Noch stärker wirkt sich jedoch der Einsatz von Multicore-Prozessoren und anderen Hardware-Erweiterungen aus.« Nebulonis Fazit lautet deshalb: »Die Bemühungen der Industrie mit dem Ziel, energieeffiziente Komponenten zu entwickeln, reichen nicht aus.« Besserung könnten nur Maßnahmen auf der Ebene der Infrastruktur der Rechenzentren bringen. Die Betreiber müssten diese umgestalten, um die Kühlung effizienter zu machen und den Strombedarf zu senken.

Rund 1,6 Milliarden Stromkosten bei Servern

Alleine der Strom für den Betrieb von Servern kostete Europas Firmen und Behörden im vergangenen Jahr rund 1,6 Milliarden Euro (bei einem Preis von 10,71 Euro-Cent pro kWh). Rechenzentren mussten 4,4 Milliarden Euro berappen. IDC sieht massive Probleme auf die Betreiber von Rechenzentren zukommen, sollte es nicht zu einem drastischen Umdenken kommen: »Im Jahr 2012 könnten zu jedem Euro, der für neue Server-Systeme ausgegeben wird, rund 80 Cent hinzukommen, die für die Stromversorgung der vorhandenen Datacenter-Infrastruktur aufgewendet werden müssen«, so Nebuloni.

Um aus dieser Situation herauszukommen, müssen Unternehmen die Zusammenarbeit zwischen IT-Abteilung und den Mitarbeitern verbessern, die für das Gebäudemanagement zuständig sind. Beide Sparten arbeiten meist nebeneinander her, statt zu kooperieren, moniert IDC. Außerdem sollten Anwender eine Gesamtkostenbetrachtung des Rechenzentrumsbetriebs einführen, da dies noch unterentwickelt sei.

[1]