Noch kein ideales Paar

von Ariane Rüdiger

18.12.2008

Noch kein ideales Paar Unified Communications (UC) wird als neue Killerapplikation gehandelt, WLANs gibt es heute schon in fast jedem Unternehmen. Doch bisher ­können drahtlose Netze UC nicht immer zufriedenstellend unterstützen.

Neue WLAN-Telefone wie Ciscos Modell 7921 ver­sprechen längere Laufzeiten.

Mit dem PDA kurz in irgendeinem Besprechungszimmer eine Videokonferenz über das WLAN aufbauen, nebenbei die Mails kontrollieren oder in Office arbeiten – das wäre wohl die Idealvorstellung einer Bürowelt, in der Unified Communications (UC) in Wort, Bild und Ton allerorten verfügbar ist. »UC und WLAN sind geradezu füreinander gemacht«, meint Ralf Koenzen, Geschäftsführer von Lancom. Mit 300 MBit/s sei der neue 802.11n-Standard breitbandig genug, Anwendungen wie Voice over WLAN, Videotelefonie und Messaging zu stemmen. Ganz ähnlich sieht es David Callisch, Vice President Marketing bei Ruckus Wireless: »WLANs sind ganz wesentlich für UC, auch wenn noch umfassende Lösungen fürs Management und die Fehlerbehebung fehlen.« Tatsächlich gibt es heute in vielen Firmen WLANs. In Kombination mit UMTS und SIP (Session Initiation Protocol) als Basis könnten sie irgendwann sogar das wichtigste Rückgrat von Kommunikationsanwendungen im Unternehmen werden. »Dafür muss der SIP-Standard aber auf Routern implementiert sein«, betont Koenzen.

Allerdings schlug bis vor kurzem schon die einfache WLAN-Telefonie oft genug fehl, weil beispielsweise der Wechsel zwischen zwei Funkzellen zum Verbindungsabbruch führte. Neue Standards lösen dieses Problem, und mit 802.11n soll nun endlich für jeden Bedarf genügend Bandbreite zur Verfügung stehen. »Jetzt gibt es endlich mehr Kapazität im Luftraum«, sagt Wolfgang Maag, Consultant für Mobility-Produkte beim WLAN-Marktführer Cisco. Auch 802.11n hat aber seine Tücken: Der Standard verlangt den Batterien der Endgeräte einiges ab, weil die n-Technologie permanente Statusmeldungen abfragt, die Strom verbrauchen. Über 802.11 b/g dürften UC-Anwendungen, die mit Bildübertragung oder Videoconferencing arbeiten, kaum funktionieren, und für 802.11 a gibt es aus ähnlichen Gründen kaum echte Mobil-Endgeräte. Solche Applikationen werden wohl bis auf Weiteres Laptops oder anspruchsvollen PDAs vorbehalten bleiben – auf dem Handy wird Conferencing über den n-Standard noch lange nicht funktionieren. »Je kleiner die Endgeräte, desto weniger ist die n-Technologie verfügbar«, konstatiert Marcus Birkl, Vertriebsleiter HiPath WLAN bei Siemens Enterprise Communications. Die Mehrfach-Antennen, die die MIMO (Multiple in – Multiple out) benötige, passen nicht in das Gehäuse eines Mini-Endgeräts.

Eher skeptisch ist auch Roger Hockaday, fürs europäische Marketing bei Aruba zuständig: »Die meisten WLANs unterstützen UC nicht, weil sie keine integrierte Verschlüsselung von Ende zu Ende und keine gesicherte Übertragungsgüte bieten«, meint er. Bei allen berauschenden technischen Möglichkeiten, die die Kombination von UC und WLANs bieten mag, lassen sich die Anwender wieder einmal Zeit. Wolfram Funk, Senior Advisor beim Marktforschungsunternehmen Experton Group wiegelt ab: »Erst sechs Prozent arbeiten tatsächlich schon mit UC-Teilelementen, etwa E-Mail, Instant Messaging und Fax unter einem Anwendungsdach. Volle Integration gibt es kaum. Praktisch fehlen dafür auch die Anforderungen, außerdem fühlen sich die Anwender durch die Komplexität der Lösungen abgeschreckt.« Insofern haben die Hersteller noch jede Menge Zeit, an neuen Batterien zu basteln und auch sonst die Kinderkrankheiten des zukunftsträchtigen Gespanns WLAN-UC auszuheilen.