Sparen durch Second-Hand-Hardware

von Ariane Rüdiger

24.07.2008

Sparen durch Second-Hand-Hardware Hardware muss nicht immer neu sein. Geräte aus zweiter Hand erledigen ihre Aufgaben auch bei professionellen Anwendern zuverlässig.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 2)

Gebrauchte Notebooks im Funktionstest vor der Wiedervermarktung

Es muss nicht immer etwas Neues sein. Diese Einsicht hat sich zumindest bei Bombastus-Werke AG, einem Hersteller von Naturheilmitteln, schon seit geraumer Zeit durchgesetzt. Matthias Zimmermann, EDV-Leiter des Unternehmens, betont: »Neue Rechner sind häufig überteuert. Gebrauchte gehen nicht häufiger kaputt als neue, sie sind sogar sehr robust. Und viel günstiger.« Zimmermann kauft rund die Hälfte der Clients gebraucht. Vor allem der Preis spricht für Gebraucht-Hardware. Beim Online-Ableger des Remarketers ergoTrade AG (im Folgenden Ergotrade) kostet ein Lifebook E von Fujitsu-Siemens rund 250 Euro plus Mehrwertsteuer, Neugeräte der größeren Gerätetypen kosten mehr als 1500 Euro. Kunden können für 49 Euro zwei Jahre Zusatzgarantie bekommen. »Die Systeme halten fünf bis sechs Jahre«, sagt Peter Bundgaard, Vorstand bei Ergotrade. »Neugeräte muss man eigentlich nur kaufen, wenn man wirklich die neueste Technologie braucht«, betont Bundgaard. Unternehmen nutzen diese Sparmöglichkeit aber noch sehr selten, zum Beispiel, wegen hygienischer Bedenken oder weil sie Eifersüchteleien unter den Nutzern fürchten: Hat ein Vertriebsmitarbeiter einen neuen Laptop hat, wollen die anderen auch einen.

Zuverlässigkeit ist kein Argument: Gebrauchte Systeme fallen nicht öfter aus als neu gekaufte Geräte

Oft stammen die Geräte der Remarketer von Leasingfirmen oder auch aus Projektbeständen, wenn Projekte überdimensioniert wurden. Denn der Verkauf an einen Remarketer ist gerade bei Switches und Routern für den Kunden meist günstiger als Rücknahmeverhandlungen mit dem Hersteller. Der verlangt hohe Discounts. Um Funktionsfähigkeit und Sicherheit der Systeme braucht man sich deshalb kaum zu sorgen. Üblich ist, neu eingehende Ware zu prüfen, zu sortieren, zu erfassen und gegebenenfalls zu reparieren, falls es sich um Kleinigkeiten handelt. Bei Speichersystemen werden die Daten gelöscht und darüber ein Protokoll erstellt. Ein professioneller Second-Hand-Markt hat sich bei Cisco-Komponenten ent­wickelt. Spezialisiert auf diesen Sektor ist NHR (Network Hardware Resale), ein amerikanisches Unternehmen mit europäischem Hauptsitz in den Niederlanden, von wo der deutsche Markt bedient wird. Zu den NHR-Kunden gehören zum Beispiel TK-Provider. Wichtig sei vor allem, dass der Remarketer sofort liefern könne. »Bei Cisco dauern Geräte-Nachbestellungen häufig acht bis zwölf Wochen«, sagt Wilfried Kramer, der bei dem Unternehmen für die Kundenbetreuung zuständig ist. Sekundärnetze kämen mit Gebraucht-Hardware bis zu drei Vierteln billiger. Trotzdem muss der Kunde keine Abstriche beim Support machen: Kunden können Support-Verträge bis zu fünf Jahren Länge kaufen. »Die meisten wollen aber nur ein Jahr«, sagt Kramer. Ein wichtiges Problem ist das Aussortieren von Klon-Hardware. Gegen »faule Eier« wappnet sich NHR, indem die Geräte geöffnet und ihr Aufbau sowie die Seriennummern geprüft werden.

Green IT als zugkräftiges Argument für Second-Hand-Hardware

Derzeit liegt das Remarketing-Volumen etwa bei zehn Prozent des professionellen IT-Markts, schätzen Remarketer. Kramer (NHS) kann sich kaum erklären, warum es noch nicht mehr ist. »Oft geht IT entweder am Anfang kaputt oder gar nicht. Deshalb sind ­gebrauchte Geräte manchmal robuster als neue«, sagt er. Doch die Branche ist zuversichtlich. Dazu könnte auch die »Eingrünung« der IT beitragen. Gerade hat mit der Global Technology Remarketing & Recycling GmbH ein Remarketer aus Eching bei München den Innovationspreis 2008 der Initiative Mittelstand in der Kategorie Green IT kassiert. Und das, obwohl neue Systeme beim Stromverbrauch häufig sehr viel effizienter sind. Wird nur der Stromverbrauch betrachtet, bleibt aber der beträchtliche Produktions- und Recyclingaufwand außen vor: Wird Hardware längstmöglich genutzt, muss weniger neue produziert und weniger alte entsorgt werden.