Oracle-Datenbanken: Der Spagat zwischen IT und Einkauf

von Oliver Klemm und Jens Altmann, Dr. Werner Fritsch

29.01.2009

Oracle-Datenbanken: Der Spagat zwischen IT und Einkauf 280000 Unternehmen weltweit nutzen Datenbanken von Oracle. Doch deren ­­Lizenzierung birgt einige Fehlerquellen und Risiken. Vor allem beim derzeit sehr beliebten Thema ­Virtualisierung ist Vorsicht geboten.

Für Unternehmen stellt sich die Nutzung von Oracle-Datenbanken überaus komplex dar. Um diese wirtschaftlich einsetzen zu können, müssen sich die Manager nicht nur mit einem vielschichtigen Lizenzmodell, Kennzahlen und Editionen auseinandersetzen, sondern ebenso mit den Hardwarespezifikationen. Denn die Wahl der Datenbank-Edition ist abhängig von der Art und Anzahl der möglichen Prozessoren – aber auch von Faktoren wie Clusterbildung, SAP-Anbindung oder Virtualisierung. Lizenzmanagement, das sowohl die technische als auch die kaufmännische Sicht einschließt, führt zu mehr Wirtschaftlichkeit. Erfahrungen zeigen, dass die IT-Verantwortlichen selten im vollen Umfang über die Lizenzbestimmungen und die damit verbundenen Rechte und Pflichten informiert sind. Sie konzentrieren sich auf die technischen Details. Der Einkauf wiederum hat lediglich die Übersicht über abgeschlossene Verträge und beschaffte Lizenzen. Um Fehllizenzierungen zu vermeiden, müssen jedoch beide Abteilungen eng zusammenarbeiten und allerlei Fallstricke beachten. Grundsätzlich gilt: Was installiert ist, muss auch lizenziert werden. Neben den Lizenzkosten kann eine Fehlentscheidung auch schnell die jährlichen Supportkosten unnötig in die Höhe treiben. Diese betragen jährlich 22 Prozent des Lizenzpreises und sind beispielsweise bei der Enterprise Edition 3,5 mal so hoch wie bei der Standard One Edition. Ein Überblick über den exakten Bedarf an Lizenzen ist also bares Geld wert.

Der Blick aufs Detail lohnt

Die Lizenzierung einer Oracle-Datenbank birgt noch weitere Tücken: Optionale Funktionen sind lizenzrechtlich nicht Bestandteil der Datenbank und müssen separat lizenziert werden. Hier lohnt sich eine genaue Analyse, welche Funktionen – und damit zusätzliche Lizenzen – im Unternehmen tatsächlich benötigt werden oder vielleicht sogar schon vorhanden sind. Einen weiteren Risikofaktor für mögliche Fehllizenzierungen stellt ein Hardware-Wechsel dar. Nicht selten macht ein solcher Wechsel eine Migration der vorhandenen Lizenzen auf eine andere Datenbank-Edition notwendig. So kann die Standard Edition One beispielsweise mit maximal zwei CPUs benutzt werden, die nächst höhere Standard Edition erlaubt maximal vier CPUs. Wurde ein Supportvertrag abgeschlossen, kann die bisherige Investition in Abstimmung mit Oracle angerechnet werden. Besteht kein Servicevertrag, müssen bei einer Migration neue Lizenzen erworben werden. Die zahlreichen Virtualisierungsprojekte, die derzeit in den IT-Abteilungen geplant oder umgesetzt werden, haben ebenfalls Auswirkungen auf die Lizenzierung. Denn in einer virtualisierten Umgebung können die Lizenzkosten explosionsartig steigen. Das verkennen aber die meisten Projektverantwortlichen. Deshalb gilt es genau zu prüfen, welche Datenbanken sowie Back­up- und Clusterszenarien in der virtualisierten Umgebung eingesetzt werden.

Lizenzmanagement als Lösung

Abhilfe schafft ein professionelles Lizenzmanagement, das neben dem Aufbau von entsprechendem Know-how auch die Definition von Prozessen und Rollen beinhaltet. Im Idealfall ernennt das Unternehmen hierzu einen internen Verantwortlichen oder beauftragt einen durch Oracle autorisierten Partner für das Thema Software Asset Management. Der Lizenzmanager bildet dabei die Schnittstelle zwischen den Abteilungen Einkauf und IT und stimmt diese aufeinander ab. Um festzustellen, welche Lizenzen tatsächlich erforderlich sind, sollte die IT-Infrastruktur eines Unternehmens umfassend analysiert und bewertet werden. Die dadurch gewonnene Transparenz hilft nicht nur, die direkten und indirekten Kosten zu minimieren. Sie liefert darüber hinaus die Grundlage für Entscheidungen und senkt auch gleichzeitig das Haftungsrisiko für die Geschäftsführung deutlich.

Oliver Klemm ist Service Line Manager und Jens Altmann Consultant, beide für das Thema ­Software- & Asset-Management bei dem IT-Dienstleister PC-WARE.