Autobranche krankt am Projektmanagement
Eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg legt nahe, dass fehlendes zentrales Projektmanagement die Krise in der Automobilbranche vielerorts weiter verschärft. Unter den sieben untersuchten Industriezweigen belegt die Autobranche bei diesem Thema den vorletzten Platz.
Mit einem soliden Projektmanagement lassen sich Mehrkosten und Verzögerungen besser vermeiden.
Unter allen Branchen trifft die Krise die Automobilindustrie weltweit mit am schlimmsten. Doch wie eine aktuelle Studie des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre der Universität Erlangen-Nürnberg [1] und maxence [2] business consulting zeigt, ist ein nicht unwesentlicher Teil des Problems vieler Unternehmen in diesem Sektor auch hausgemacht. Offenbar haben viele Verantwortliche die düsteren Vorzeichen im letzten Jahr nicht rechtzeitig erkannt und somit auch keine Gegenmaßnahmen eingeleitet. Insbesondere das Thema zentrales Projektmanagement in einem so genannten Projekt Management Office (PMO) ist vielerorts nicht einmal bekannt. Bei den 232 untersuchten Unternehmen aus sieben Branchen liegt die Automobilindustrie mit einem Nutzungsgrad von 62,3 Prozent (Gesamtdurchschnitt 64,7 Prozent) den vorletzten Platz.
Mit diesem Wert liegt die Automobilindustrie etwa deutlich hinter den Banken und Versicherungen, die auf einen PMO-Nutzungsgrad von 75,6 Prozent kommen, oder den Energieversorgern mit 71,4 Prozent. Wie die Studie weiter zeigt, spielt PMO im Automobilsektor überhaupt erst seit kurzem eine nennenswerte Rolle. Während die klare Mehrheit der insgesamt Befragten (65,6 Prozent) ein PMO bereits seit mindestens einem Jahr besitzt, setzt fast die Hälfte der Repräsentanten aus der Autowelt dies höchstens seit sechs Monaten ein (47,4 Prozent). Doch zumindest für die Zukunft wird dem Thema einen wachsenden Stellenwertes für das Umsetzen der Unternehmensstrategie eingeräumt. Während heute erst 11,6 Prozent der Befragten dem Management von Projekten eine sehr hohe Bedeutung beimessen, sehen dies beinahe die Hälfte (47,4 Prozent) für die Zukunft so.
PMO zahlt sich aus
Ein Grund für den bisher geringen Einsatz von PMOs liegt sicher darin, dass die Zahl der zu betreuenden Projekte in der Autobranche in der Regel wesentlich niedriger ist, als in anderen Branchen. So betreuen über 40 Prozent der Automobil-Unternehmen, die ein PMO einsetzen, lediglich fünf Projekte oder weniger. Insgesamt betrachtet haben nur 15,2 aller befragten Unternehmen mit einem PMO eine so geringe Fallzahl. Die Mehrzahl (34,4 Prozent ) der PMOs kümmert sich im branchenübergreifenden Durchschnitt um 25-100 Projekte. In der Automobilbranche alleine kommen hingegen nur 21,6 Prozent auf so viele Projekte.
Dabei zeigt die Studie auch deutlich, welche Vorteile ein PMO den Unternehmen bezüglich des Zeitaufwandes, der Ressourcen und des Budgets für seine zu erledigenden Projekte, bringt: Während Beispiels knapp ein Drittel der Unternehmen mit PMO maximale Zeitüberschreitungen von 10 Prozent bei den Projekten verzeichnet, erreichen dieses Ziel nur 15,8 Prozent der Firmen ohne entsprechendes Projektmanagement. Bei den Ressourcen bleiben 42,4 Prozent der PMO-gesteuerten Projekte unter einem Mehraufwand von zehn Prozent, bei der PMO-losen Kontrollgruppe erreichen fast zehn Prozent weniger diesen Wert. Auch bei den Kosten zeigt sich ein ganz ähnliches Bild. Mit 43 Prozent bleiben mehr PMO-gesteuerte Projekte im Rahmen des Budgets (maximal zehn Prozent Mehrkosten), als solche ohne PMO (36,6 Prozent).
[1] http://www.uni-erlangen.de/
[2] http://www.maxence.de
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