Studie zum deutschen Telekommunikationsmarkt:
Telekom-Konkurrenten auf dem Vormarsch

von Folker Lück (folker.lueck@crn.de)

22.10.2012

Die Umsätze mit Telekommunikationsdiensten in Deutschland werden 2012 voraussichtlich mit 60,1 Milliarden Euro nahezu stabil bleiben. Am erfolgreichsten sind derzeit die Kabelnetzbetreiber unterwegs, die ihre Umsätze und Kundenzahlen deutlich steigern.

VATM-Präsident Gerd Eickers: »Die Telekom ist im Festnetzbereich weiterhin dominierend«. (Foto: VATM)

Der Interessenverband VATM, dem sich nahezu alle Wettbewerber der Deutschen Telekom angeschlossen haben, hat die Zahlen seiner 14. Marktstudie vorgestellt. Demnach bleiben mit 60,1 Milliarden Euro die Umsätze im TK-Markt nahezu stabil (-0,1 Milliarden Euro). Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um 0,2 Prozent. Dabei wird der Umsatz im Mobilfunkbereich um rund 200 Millionen Euro auf 24,8 Milliarden (+0,8 Prozent) leicht steigen, der TK-Festnetzbereich um 0,9 Milliarden Euro auf 30,9 Milliarden Euro zurückgehen. Die Kabelnetzbetreiber steigern mit einem Plus von 0,6 Milliarden Euro und damit 15,8 Prozent ihren Umsatz deutlich.

Die alternativen Telekommunikations-Anbieter verbuchen im Festnetz-Segment insgesamt ein leichtes Plus um 1,3 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro (+0,2 Milliarden Euro). Der Umsatz der Telekom sinkt in diesem Bereich um 6,7 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro. Im Mobilfunkbereich legen die Telekom-Wettbewerber 2012 im Vorjahresvergleich um etwa 0,5 Milliarden Euro auf 17,6 Milliarden Euro zu.

Die Höhe der TK-Sachanlagen liegt insgesamt weiter bei rund sechs Milliarden Euro (2011: 6,1 Milliarden Euro). Die Wettbewerber tragen mit 3,1 Milliarden Euro erneut mehr als die Hälfte (52 Prozent) des Investments. Seit der Marktliberalisierung haben sie in Deutschland 54,7 Milliarden Euro investiert. Die Zahl der Mitarbeiter bei den alternativen Anbietern bleibt in diesem Jahr ebenfalls stabil (-200 auf 53.500). Die Deutsche Telekom versucht weiterhin, ihre Effizienz durch einen Abbau bei den Beschäftigten (-1.900) in Deutschland zu steigern.

Die Zahl der Festnetz-Breitbandanschlüsse nimmt in diesem Jahr um rund 800.000 auf 28,1 Millionen zu. Die DSL-Anbieter haben dabei inzwischen oft das Nachsehen: »Das Wachstum im Breitbandmarkt findet zu drei Vierteln bei den Kabelnetzbetreibern mit 600.000 neuen Kunden statt«, sagt Professor Torsten J. Gerpott, der die TK-Marktstudie wie in den Vorjahren mit der Dialog Consult GmbH im Auftrag des VATM erstellt hat.

Wachstum durch Glasfaser und Mobilfunk

Rund 800.000 Haushalte (+70.000) werden in Deutschland Ende 2012 an Glasfasernetze mindestens bis zum Gebäudekeller angeschlossen sein. Das bedeutet insgesamt ein marginales Wachstum. Das Gesamtdatenvolumen des Breitband-Internetverkehrs im Festnetz nimmt um rund 13 Prozent auf 4,4 Milliarden Gigabyte zu. Das aus Mobilfunknetzen pro Nutzer abgehende Datenübertragungsvolumen steigt um 33 Prozent auf 196 Megabyte (ohne LTE).

2012 werden die Datendienste fast zwei Drittel der Non-Voice-Umsätze im Mobilfunk ausmachen. Neue Höchstwerte gebe es auch bei der Anzahl von SIM-Karten und verschickter SMS zu vermelden – und das trotz Ausbuchungen bei den Kundenbeständen und der Konkurrenz durch Messenger-Dienste, erläutert Gerpott. Ende 2012 werde es rund 115,1 Millionen SIM-Karten geben (2011: 114,1 Millionen). Täglich werden in diesem Jahr rund 157,2 Millionen SMS (2011: 147,8 Millionen; + 6,4 Prozent) verschickt. »Aber auch miteinander telefoniert wird in Deutschland mehr denn je: insgesamt 949 Millionen Minuten täglich«, ergänzt Gerpott.

VATM-Präsident Gerd Eickers bewertet die Wettbewerbssituation auf dem deutschen TK-Markt insgesamt als recht positiv – vor allem für die Verbraucher. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichten jedoch erneut, dass der Wettbewerb immer noch einer effizienten Regulierung bedürfe. »Die Telekom ist im Festnetzbereich weiterhin dominierend. 15 Jahre nach der vollständigen Liberalisierung wird die Telekom alleine in diesem Bereich trotz Umsatzeinbußen mit 43,7 Prozent Gesamtumsatzanteil fast genauso viel umsetzen wie alle alternativen Festnetz-Carrier mit 43,9 Prozent zusammen«, so Eickers. Im Bereich Breitband beherrscht die Telekom auch Ende 2012 mit rund 45 Prozent Endkunden-Anteil deutlich den Markt.

Weiterhin bestehen bleibe zudem die Abhängigkeit der Wettbewerber von den Vorprodukten der Telekom Deutschland, die überwiegend auf die Anschlussnetze bis zum Haus der Telekom aus Monopolzeiten zurückgreifen müssen. »Je nach Einstiegsangebot für den Endkunden müssen die Wettbewerber pro Euro Umsatz bis zu 65 Cent an die Telekom zahlen«, so Gerpott. »Durch die monatliche Miete für die Teilnehmeranschlussleitung – TAL –, die die Wettbewerber an den Ex-Monopolisten in Höhe von 10,08 Euro zahlen müssen, tragen wir trotz aller sachlichen Gegenargumente hinsichtlich der Höhe des Entgeltes weiterhin erheblich zum Umsatz der Telekom in diesem Bereich bei«, unterstreicht VATM-Mann Eickers.

Hohe TAL-Preise verzerrten zudem den Wettbewerb gegenüber den Kabelnetzbetreibern, die keine Vorleistungen bezahlen müssen und vorrangig in bereits gut versorgten Gebieten ihre Netze optimierten. Ihr Koaxialkabelanschlussnetz wurde noch zu Bundespost-Monopolzeiten bezahlt. Der VATM-Präsident appellierte, die Preise zumindest an den europäischen Durchschnitt in Höhe von 8,62 Euro anzupassen. »Wir wollen Investitionskosten in den Ausbau moderner Infrastruktur lenken anstatt in abgeschriebene Kupferleitungen«.

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