Spurenlos im Internet:
Do Not Track: Websites sperren Nutzer aus

von Karl-Peter Lenhard (kplenhard@weka-fachmedien.de)

02.10.2012

Im Internet hinterlässt jeder Surfer automatisch Spuren. Mit Hilfe von Do-Not-Track-Programmen kann man allerdings den Web-Browser blockieren, so dass er keine Informationen an die Betreiber der besuchten Webseite sendet. Jetzt schlägt die Industrie aber zurück.

ITIF lässt Nutzer mit Do-Not-Track abblitzen. © www.itif.org/

Surfen ja, aber bitte anonym. Das denken sich auch viele Internetnutzer und installieren sich sogenannte Do-Not-Track-Programme. Damit wird unterbunden, dass der Web-Browser Informationen an den Betreiber der Webseite sendet. Als Folge wird der Surfer nicht registriert und das Surf-Verhalten kann nicht ausgewertet werden. Jetzt hat die IT-Beratungsagentur ITIF ihren Webauftritt so verändert, dass eine »Do-Not-Track«-Aufforderung durch den Browser nicht beachtet wird.

Dennoch fördern Verbraucherschutzorganisationen und sogar das US-Kommunikationsministerium FCC dieses Verhalten und fordern Browser-Anbieter dazu auf, eine solche Option fest in ihre Programme aufzunehmen. So bieten der Internet Explorer 8 und 9 sowie Mozillas Firefox eine DNT-Option an. Die neueste Version des Internet Explorer 10 hat DNT sogar standardmäßig aktiviert.

Allerdings stößt DNT auch auf Widerstand. So sehen IT-Experten die Gefahr, dass mit DNT das freie Internet sterben könnte. Der Analyst Daniel Castro schreibt in seinem Blog [1]: »Werbeeinkünfte finanzieren den Großteil von freien Inhalt, freien Service und Apps im Internet. DNT untergräbt die wirtschaftliche Grundlage des Internets.« Weiterhin resümiert er, dass den Content-Anbietern nichts anderes übrig bleibe, als Geld für ihren Service zu verlangen, sollte sich DNT durchsetzen. Schon jetzt verlieren die Anbieter viel Geld durch die Benutzung von Werbeblockern.

Als größte Gegner von DNT haben sich bisher Google, Yahoo und Facebook herauskristallisiert. Das Geschäftsmodell der drei Unternehmen basiert auf den hinterlassenen Daten von Internetnutzern und deren Auswertung. Vor allem Google nutzt nicht nur die Suchanfragen oder das Surfverhalten, sondern benutzt auch den Inhalt von E-Mails, um Werbung im Internet noch effizienter zu platzieren.

[1] http://www.itif.org/publications/why-itif-rejects-your-do-not-track-request

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