Verbraucherschützer fordern Ausschalter im Internet:
Wenn Onliner am Löschen verzweifeln

von Elke von Rekowski (rekowski@tellyou.de)

09.12.2011

Sich bei einem Internetdienst anzumelden ist meist viel einfacher, als das angelegte Benutzerkonto wieder zu löschen. Jeder zweite Internetnutzer, der das schon einmal versucht hat, fand die Möglichkeit zum Löschen erst nach längerem Suchen. Auch danach müssen die genervten Anwender meist Hindernissen überwinden, bis das Konto endlich getilgt ist.

Das Löschen von Internetkonten ist zu kompliziert und treibt viele Anwender zur Verzweiflung (Foto: Gina Sanders - Fotolia.com).

Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts ARIS im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv). Nur jeder Dritte meinte demnach, der Löschvorgang sei unproblematisch gewesen. Die Verbraucherschützer fordern, dass Vorgaben zur Löschung von Nutzerkonten im Telemediengesetz verankert werden sollen. »Das Internet darf nicht zur Datenfalle werden«, erklärt Vorstand Gerd Billen.

Die Bundesregierung stehe bei dem Thema jedoch auf der Bremse. Dort ist Bundeswirtschaftsminister Philip Rösler für das Telemediengesetz zuständig. Bereits im März dieses Jahres hatte der Bundesrat auf Initiative Hessens eine Novellierung auf den Weg gebracht, die unter anderem ein »leicht erkennbares, unmittelbar erreichbares und ständig verfügbares Bedienelement zur Löschung von Nutzerkonten« vorsieht. Das wurde allerdings abgelehnt, da die Bundesregierung lieber noch anstehende EU-Regelungen abwarten will.

Doch bis in Brüssel die Datenschutzrichtlinie beschlossen und in den Mitgliedstaaten umgesetzt ist, dürften noch Jahre vergehen, mäkeln die Verbraucherschützer. »Es wäre einfach, das Problem zu lösen. Die Regierung geht trotzdem den komplizierten Weg«, kritisiert Billen. Dass sich viele Anwender einen solchen »Lösch-Button« wünschen würden, zeigt auch Resonanz auf die Online-Petition des vzbv. Immerhin 11.862 Internetnutzer haben die Forderung nach datenschützenden Voreinstellungen mit dem Ziel »Weniger Stress im digitalen Leben« unterstützt.

Verwandte Artikel