Router im Praxistest:
AVM Fritzbox 6360 Cable im Test

von magnus.de

13.05.2011

AVM will künftig auch im Bereich Kabel-Internet Fuß fassen und eine ähnlich wichtige Stellung erlangen wie bei den DSL Kunden. In unserem Test klären wir, ob die erste Kabelfähige Fritzbox 6360 Cable diesem Anspruch auch gerecht wird.

Lange mussten Kabelkunden auf ein AVM-Produkt warten. Nun soll die Fritzbox 6360 Cable auch für DSL-Abstinenzler das Maß der Dinge werden. Ein großes schwarzes Modem, das gerade mal die Verbindung via TV-Kabel ins Internet herstellen sowie mit zwei Buchsen dem Telefon Anschluss gewähren konnte – das war alles, was die meisten Kabel-TV-Provider bisher ihren Kunden an Hardware mit auf den Weg ins Internet und für die Telefonie gaben.

In den Modems waren oft weder Router noch Switch oder gar WLAN eingebaut, und zu mehr als Sprache übertragen taugte der Telefonieteil der schwarzen Kiste auch nicht. Wer mehrere Rechner drahtgebunden oder gar per WLAN einbinden oder Telefonanlagenfunktionalität wollte, musste in Zusatzhardware investieren und diese natürlich auch konfigurieren – und in letzter Konsequenz auch abstauben.

Nur noch eine Box für alles

Auf diversen Menüseiten kann man genau sehen, welche Kanäle mit welcher Modulation die Fritzbox gerade nutzt.

Dieses Hardwareleiden der Kabelkunden hat jetzt zumindest bei Unitymedia und Kabel BW ein Ende, denn dort bekommen Kunden auf Wunsch die neue AVM Fritzbox [1] 6360 Cable. Und wie von Hersteller AVM nicht anders gewohnt, soll diese Box ein Tausendsassa sein und mit einem einzigen Gerät alle TK- und IT-Anforderungen abdecken.

Unserer Schwesterzeitschrift connect [2] hat eine Kabel-BW-gebrandete Box an einem Kabel-BW-Anschluss getestet. Und das zeigt schon die Krux an der Sache, an der AVM aber unschuldig ist: Im Gegensatz zu DSL, wo praktisch jede Box mit jedem Provider funktioniert (oder funktionierte), ist das beim Kabelanschluss, zumindest in Europa, grundlegend anders: Hier kann der Kunde keine Benutzerdaten ins Modem eingeben.

Das ist zwar komfortabel beim Anschluss, allerdings funktioniert die Box immer nur mit einem Kabelprovider, und da sogar nur an dem Anschluss, für den sie vorgesehen ist. Der Grund: Die Authentifizierung im Netz am CMTS – dem Gegenmodem, das mit dem DSLAM bei DSL vergleichbar ist –, erfolgt mit der MAC-Adresse, einer eindeutigen Nummer der Box. Wenn Sie in ein anderes Bundesland umziehen und Kabelinternet von einem anderen Provider erhalten, brauchen Sie eine neue Fritzbox.

Komfortable Unfreiheit

Die 6360 Cable sucht sich automatisch den besten WLAN-Kanal aus und umgeht so Störungen.

In Sachen Komfort hingegen ist das freilich erstmal ein Vorteil, denn die Box konfiguriert sich im Grunde selbstständig. Hinten wird das Antennenkabel angeschraubt, am anderen Ende die Kabeldose verbunden, schon stellt die Box automatisch eine Verbindung zum Provisionierungsserver her. Der erkennt die Box, pflegt sie im Netz ein und konfiguriert sie gleich mit den richtigen MSN-Telefonnummern. Denn spätestens mit Einführung der Fritzbox stellen die Provider auf das SIP-Protokoll um, Telefonie läuft bei den TV-Kabelanbietern ohnehin über hochpriorisiertes VoIP.

Ist die Box eingerichtet, finden Sie unter „Telefonie“ im per Browser aufrufbaren Menü der Fritzbox Ihre bei Kabel BW gebuchten Telefonnummern als VoIP-Nummern. Weniger schön: Kabel BW unterbindet die Einrichtung weiterer VoIP-Provider wie Sipgate. Vermutlich sollen hier Sparfüchse am billigen Telefonieren vor allem ins Ausland gehindert werden. Unitymedia, bei der es die 6360 Cable ebenfalls gibt, verzichtet auf derartige Restriktionen. Mit einigen Tricks lässt sich die Kabel-BW-Sperre zwar umgehen, die Garantie auf die Box ist dann allerdings futsch.

Ähnlich restriktiv verfahren die Kabelprovider mit Firmwareupdates: Die spielen sie selbst in die Box ein. Wann das geschieht, bleibt ein Geheimnis. So können schon mal Wochen von der Bereitstellung durch AVM bis zur Auslieferung durch den Provider vergehen. Offiziell begründen die Kabelanbieter dies mit aufwändigen internen Tests.

Bei DSL läuft das komplett anders: hier kann der Kunde neben automatischen Updates seit jeher meist selbstständig Fimwareupdates einspielen, auf die beliebten Betafirmwares von AVM (Fritzlabor) müssen Kabelkunden deshalb verzichten. Vorschlag: AVM sollte die Firmwares splitten. Eine „Basebandfirmware“, die beispielsweise die Modemtreiber beinhaltet, bleibt unter der Hoheit der Kabelprovider, eine „Featurefirmware“ kann der Kunde selbst installieren.

Die Fritzbox in der Praxis

Komfort für Kabelkunden: Mit der AVM 6360 Cable kommen auch sie in den Genuss einer Fritzbox.

Doch wie verhält sich die 6360 Cable in der Praxis? Nach der Verkabelung ruft man per Webbrowser eine Kabel-BW-Seite auf, in der man den Zahlencode einträgt, den man per Brief erhalten hat.

Nun wird die Box automatisch vom Kabelbetreiber konfiguriert und ins Netz eingepflegt. Die Box sucht zudem nach einer neuen Firmware und installiert diese gegebenenfalls gleich automatisch. Das Prozedere hat im Test rund 20 Minuten gedauert.

Eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen, denn nirgendwo wird man auf diese lange Spanne vorbereitet. Manch ein Kunde könnte auf die Idee kommen, den Stecker zu ziehen – was während eines Firmwareupdates den Tod der Box bedeuten kann. Einen Neustart später hat sich die Box dann in unserem Fall mit 32 Mbit/s synchronisiert und war somit betriebsbereit.

Alle Eckdaten im Blick

Auf die Box kommt man wie bei allen Fritzboxen, indem man „fritz.box“ im Browser eingibt. Auch auf der Benutzeroberfläche gibt’s für Fritzbox-Kenner keine Überraschungen. Unter dem Begriff „Internet“ finden sich Informationen rund um den Kabelanschluss. Hier kann man dann erkennen, mit welcher Geschwindigkeit die Box synchronisiert ist oder über wie viele Kanäle mit welcher Modulation gerade übertragen wird.

Außen an der Box, die mit ihren Fingerantennen optisch eher an die biedere 7270 als an die neuere und schnittigere 7390 erinnert, finden sich massig Anschlüsse.

Neben bereits erwähnter F-Buchse für das TV-Koaxkabel befinden sich zwei Westernbuchsen für den Anschluss von Telefoniegeräten. Die können aber auch über die deutlich weiter verbreiteten TAE-Buchsen an der Seite angeschlossen werden.

Egal, welches System man wählt: Es finden per Kabel immer zwei Endgeräte wie Telefon oder Faxgerät Platz. Direkt daneben liegt eine Westernbuchse für den internen ISDN-S0-Bus, der gerade für Kabel-BW-Kunden wichtig ist: Denn derzeit wird die Box nur für ISDN-Kunden angeboten, später soll sie für alle Kunden zu haben sein.

Bis zu acht ISDN-Geräte lassen sich bei Busbetrieb anschließen. Da es sich um einen internen S0-Bus handelt, kann beliebig zwischen ISDN und analogen Geräten hin- und hertelefoniert und -verbunden werden. Daneben befindet sich ein USB-2.0-Anschluss, an den der Kunde externe Speichermedien wie Festplatten oder Sticks anschließen und so den internen Speicher der Box deutlich erweitern kann, was eine Reihe von Vorteilen bringt.

Integrierter Mediaserver an Bord

Auf dem DECT-Monitor kann man prüfen, welche Mobilteile Voll-Eco-Mode unterstützen und ob das Gespräch verschlüsselt abläuft.

Denn wie alle Fritzboxen verfügt auch die 6360 sowohl über interne Anrufbeantworter als auch Faxempfänger: Kommt ein Anruf, springt nach vordefinierter Zeit der interne Rufsammler an und nimmt die Nachricht auf. Die kann man dann per Telefon abhören oder sich die Nachricht per Mail aufs Smartphone schicken lassen.

Ähnliches auch beim Faxempfänger: Der reagiert wahlweise auf eine eigens definierte Nummer, hat aber auch eine Faxweiche eingebaut, die eingehende Fernkopien erkennt, in ein PDF wandelt und zu frei definierbaren Mailadressen weiterleitet.

Auch kann man Musik, Bilder oder Videos ablegen und von Streaming­clients abspielen, denn die Fritzbox hat einen Mediaserver integriert. Die gelben Buchsen sind Gigabit-Ethernetbuchen für den Anschluss von Netzwerkgeräten.

Auf der Oberseite finden sich zwei Tasten: Mit der einen kann man den WLAN-Datenfunk ein- und ausschalten, was auch per Telefon oder Zeitsteuerung klappt. Mit der anderen findet man verlegte DECT-Telefone oder bucht diese in die Box ein, denn die smarte Kiste hat auch eine DECT-Basis intus, mit der man beliebige DECT-Mobilteile einbuchen kann. Die besten Ergebnisse liefern natürlich die perfekt abgestimmten AVM-Mobilteile MT-F oder C3.

Fazit: Gelungener Start mit kleinen Mängeln

Trotz allem Lob: Derzeit ist das WLAN-Modul noch fehlerbehaftet. Nach einigen Tagen klaglosen Betriebs war auf einmal keine Verbindung mehr möglich. Hier hilft nur ein kurzer Neustart der Box. Auch an anderen Ecken hakt es noch leicht – alles Dinge, die sich von AVM per Firmwareupdate beheben lassen.

Alles in allem ist die Fritzbox 6360 Cable das universale Daten- und Telefonie­gerät, auf das Kabelkunden lange sehnlichst gewartet haben. Bleibt zu hoffen, dass die Kabelbetreiber weitere Updates schnell freigeben, damit auch die letzten kleineren Kinderkrankheiten behoben sind. Auch bleibt zu hoffen, dass die 6360 bald bei allen Kabel­providern zu bekommen ist.

Das steckt hinter DOCSIS 3.0

In einem TV-Kabelnetz ist genau geregelt, welcher Dienst auf welchen Frequenzen übertragen wird – so auch Internet via Kabel.

Datenraten von mehreren 100 Megabit/s liefert DOCSIS 3.0 per TV-Kabel ins Wohnzimmer. connect erklärt, was hinter dem Standard steckt.

Traditionell ist das Kabelnetz in Europa in 8 MHz breite Kanäle unterteilt, die ein analoger TV-Kanal im PAL-Fernsehsystem benötigt. Darum spricht man auch von Euro-DOCSIS, denn in Amerika wird mit einem 6-MHz-Raster gearbeitet.

In einem solchen TV-Kanal kann man aber nicht nur einen analogen TV-Sender, sondern auch mehrere digitale DVB-C-Sender sowie Internetdaten übertragen.

Diese Signale werden mit dem QAM-256-Verfahren moduliert, wobei man sowohl die Amplitude als auch die Phasenverschiebung von zwei aufeinander folgenden Sinuswellen zur Infomationsverschachtelung nutzt.

8 Bit schafft die QAM256-Modulation. Bei einer Symbolrate von 6952 Symbolen pro Sekunde ergibt das eine Datenrate von rund 55 Mbit/s pro TV-Kanal. Berücksichtigt man hier die Headerinformationen, bleiben rund 50 Mbit/s Datenrate im Downstream pro Kanal, die sich alle Kunden eines Netzsegments teilen.

Meist geben Kabelprovider derzeit einen Kanal im Upstream und vier Kanäle für den Downstream frei, was 200 Mbit/s Kapazität Downstream für alle Kunden bedeutet.

DOCSIS 3.0 kann aber die Datenströme aller Kunden geschickt zwischen den Kanälen verteilen und bündeln, sodass die Kanäle bestmöglich genutzt werden. Theoretisch kann DOCSIS 3.0 eine unbegrenzte Anzahl von Kanälen nutzen, wenn sie der Kabelbetreiber denn vom TV-Programm abzwackt.

Weitere Vorteile von DOCSIS 3.0 sind durchgängige IPv6-Fähigkeit sowie Multicast für IPTV-Dienste.

[1] http://www.connect.de/ratgeber/avm-fritzbox-6360-cable-1129121,180.html
[2] http://www.connect.de/

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