Systemmanagement: Virtualisierung:
Interview: Virtualisierte und physische IT-Systeme gemeinsam verwalten

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

07.12.2009

Beim Management unterscheidet BMC Software nicht zwischen virtuellen und physischen Systemen. Im Gespräch mit Network Computing erläutert Martin Geier, Geschäftsführer Deutschland bei BMC Software, welche Vorteile eine solche kombinierte Plattform bietet, die sich an den ITIL-Best-Practices orientiert.

Network Computing: Welche Optionen haben Administratoren, um verschiedene Virtualisierungs-Plattformen zu verwalten?

Martin Geier: Die zunehmende Dynamik durch Virtualisierung bringt mehrere Herausforderungen mit sich. BMC Software konzentriert sich mit abgestimmten Lösungen auf die am häufigsten genannten Hürden: Vermeidung von Wildwuchs virtueller Systeme, sprich VM Sprawl, die Verbesserung der Hardware-Auslastung, Optimierung der Behebung von Störungen und die Kontrolle über die Einhaltung gesetzlicher beziehungsweise interner Anforderungen und Regeln.

Network Computing: Welche Lösungen bietet BMC dafür an?

Martin Geier, Deutschland-Geschäfts-führer von BMC Software:

Geier: Zum einen das ‚Virtual Lifecycle Management‘. Damit wird das Erzeugen virtueller Systeme durch einen automatisierten Prozess geregelt. Zum anderen ‚Virtual Performance Management‘. Mit dieser Lösung werden kontinuierlich Performance und Kapazitäten sowohl physischer als auch virtueller Systeme verfolgt. Die Lösung hilft dabei, Engpässe vorherzusagen, bevor diese Störungen verursachen.

Network Computing: BMC bietet noch Virtual Compliance Management an. Was hat es damit auf sich?

Geier: Diese Komponente stellt sicher, dass Regeln konsistent über physische und virtuelle Systeme eingehalten werden. Solche Policies und deren Einhaltung lassen sich täglich überprüfen, sodass jederzeit Berichte über den Compliance-Status verfügbar sind.

Network Computing: Wie lässt sich die Verwaltung physischer Systeme mit denen der virtuellen Plattformen koppeln?

Geier: Diese Frage stellt sich nur dann, wenn man ein virtuelles System als eine Besonderheit betrachtet. Bereits lange vor Vmware und anderen Anbietern gab es Techniken zur Partitionierung von Hardware, die ein physisches System in logische Einheiten unterteilten. Bereits damals mussten wir uns bezüglich Performance, Verfügbarkeit und Kapazitäten mit den Abhängigkeiten zwischen logischen und physischen Systemen auseinandersetzen. Das Prinzip funktioniert bei virtuellen Systemen gleichermaßen, allerdings mit zunehmender Dynamik und besseren Automatismen.

Überblick über die virtuellen Systeme

Network Computing: Wie kann der Administrator sehen, auf welchen physischen Systemen welche virtuellen Einheiten aktiv sind?

Mit den Management-Lösungen von BMC lassen sich unter anderem Leistungsengpässe frühzeitig erkennen.

Geier: Wenn man sich an ITIL orientiert, muss diese Abhängigkeit aus dem Configuration-Management-System (CMS) erkennbar sein. Das Besondere an der BMC-Lösung ist, dass Bewegungen von einem virtuellen Host zu einem anderen zeitnah zu einer Aktualisierung führen. Wer noch kein CMS eingeführt hat, kann über die in der Virtual-Performance-Management Lösung vorhandenen Servicebäume ebenso einen aktuellen Zustand über die Beziehung zwischen physischen und virtuellen Systeme erhalten. Auch diese Darstellung wird ad hoc nach Vmotion-Events aktualisiert. Network Computing: Wie lassen sich die Verwaltungs-Tools der Speicherhersteller in eine Management-Umgebung integrieren, die sowohl physische als auch virtuelle Server und Storage-Systeme enthält?

Geier: BMC Software hat keine eigene Lösung für die Verwaltung von Speichereinheiten aus Sicht des Configuration-Managements. Deshalb haben wir im September mit Netapp eine Partnerschaft im Bereich Storage-Provisioning in Cloud-Infrastrukturen geschlossen. Aus Sicht des Performance-Managements stehen über Standards wie SNMP sowie SMI-S Schnittstellen zur Integration von Storage-Systemen, Switches, Bandbibliotheken und Host-Bus-Adaptern zur Verfügung.

Network Computing: Wie kann der Administrator sicherstellen, dass Applikationen in einer dynamischen Infrastruktur die vereinbarten Service-Levels einhalten?

Geier: Grundlegende Eigenschaft muss sein, dass dynamische Änderungen automatisch erfasst und dokumentiert werden. Dadurch wird sichergestellt, dass die richtigen Konfigurationsobjekte (Configuration Items) in Bezug gebracht werden können, um die hinterlegten Kriterien für das Service-Level-Management auszuwerten. Beispielsweise wird automatisch sichergestellt, dass sich dynamische Änderungen aus Vmotion-Events sofort in der BMC-Atrium-CMDB niederschlagen.

Network Computing: Welche Hilfestellungen sind bei Verwaltungs-Tools nötig, um die Workflows für Administratoren zu vereinfachen?

Geier: Orientiert man sich an den ITIL-Best-Practices, vereinfachen folgende Grundregeln das Tagesgeschäft der Administratoren:

•Es existiert nur ein einziges Repository mit allen Konfigurationseigenschaften, die CMDB;

• jede Änderung muss dokumentiert und genehmigt sein, denn 80 Prozent aller Störungen sind ungenügend durchgeführte Änderungen;

• bekannte Probleme werden in einer Knowledge Database dokumentiert und

• sich wiederholende Abläufe werden als Run-Books angelegt, sodass man für Diagnosen nicht auf Spezialisten angewiesen ist und eine bessere Automatisierbarkeit von Problemlösungsprozessen hergestellt wird.

Network Computing: Welche Verwaltungslösungen für die virtuelle und Physische Welt empfehlen sich speziell für kleinere und mittlere Unternehmen?

Geier: Kleine und mittlere Unternehmen scheuen in der Regel den Aufwand, eine ITIL-konforme Plattform zur Verwaltung aufzubauen. Das Ergebnis ist häufig eine Sammlung von Tools, die nicht integrierbar sind, und das wiederum erzeugt unnötige Betriebskosten. BMC Software bietet mit Service Desk Express eine für den Mittelstand passende Lösung, die von Pink Elephant die Pink-Verifiy-Zertifizierung für folgende ITIL-v3-Prozesse erhalten hat: Incident, Problem, Knowledge, Request Fulfillment, Change, Service Asset & Configuration sowie Service Level Management.