Großer Praxistest des iPhone:
Das iPhone 4 im Volltest
Das iPhone 4 ist heiß begehrt. Doch was kann das schicke Gerät wirklich leisten? Ein großer Praxistest deckt die Stärken und Schwächen des Kultgeräts auf.
Eine Beziehung mit so einem Star kann aber auch anstrengend sein. Gerade die neue vierte Generation des iPhone – schlicht „4“ genannt – wird von vielen Seiten angefeindet: An das geschlossene Dateisystem und die T-Mobile- und iTunes-Bindung hat man sich ja mittlerweile fast schon gewöhnt („Gängelung!“), auch dass Apple den App Store selbst kontrolliert und mit eiserner Hand führt („Zensur!“) scheint nahezu ausdiskutiert zu sein.
Deswegen muss aktuell das Antennenproblem herhalten, zudem würden Glasfront und -rücken bei einem Sturz sofort zerspringen und überhaupt sei das neue iPhone ja gar nicht so gut, wie überall steht. Sagen zumindest die Kritiker. Oder sind es Neider?
Wir sagen: Oh doch, das iPhone ist gut. Selbst vor den neutralen Punktetabellen der connect-Datenbank steht das 4 mit 413 Punkten glänzend da und macht gegenüber dem Vorgänger 3GS etliche Plätze gut. Einen großen Anteil daran hat der neue – erneut nicht vom Benutzer wechselbare – Akku, der im Standby-Betrieb nun theoretische 29 Tage und bei zurückhaltender Benutzung gut zwei Tage durchhält.
Auch die kleinen Verbesserungen bei der Ausstattung bringen das Gerät nach vorne: In der SMS-App gibt es jetzt einen Zeichenzähler, das iPhone schiebt dank HSUPA Daten mit bis zu 5,8 Megabit pro Sekunde ins Mobilfunknetz, unterstützt den WLAN-n-Standard und hat eine 5-Megapixel-Kamera intus.
Bei der Handhabung macht das iPhone 4 dank perfekter Verarbeitung und der flüssigen Oberfläche gleich 15 Punkte gut – dank des neuen A4-Prozessors von Apple, der auch im iPad seinen Dienst verrichtet, flutschen Apps wie Animationen so beeindruckend schnell übers Display, dass derzeit kein anderes Smartphone mitkommt. Das iPhone ist hier klar der Maßstab, auch dank des neuen iOS4-Betriebssystems, das endlich auch Multitasking kann.
Strahlendes Highlight: das Retina-Display
Die E-Mail-Postfächer lassen sich mit einem gemeinsamen Posteingang anzeigen.
Doch das eigentliche Highlight ist das Display selbst. Von Apple bezugnehmend auf die Netzhaut des Auges „Retina“ getauft, beeindruckt der 960 x 640 Pixel auflösende Screen mit einer auch unter seitlichem Blickwinkel gestochen scharfen und absolut faszinierenden Ablesbarkeit. Apple hat hier nicht untertrieben: Besonders Schriften werden wie gedruckt dargestellt, Webseiten können auch ohne Zoom problemlos gelesen werden, Fotos wirken plastisch und oft spektakulärer, als sie in Wirklichkeit sind. Das Display löst sogar feiner auf, als es das Auge wahrnehmen kann.
Kleiner Wermutstropfen: Im direkten Sonnenlicht ist auf dem Bildschirm des Vorgängers 3GS mehr zu erkennen, die transflektiven Eigenschaften des 4er-Displays sind schlechter geworden. Bei den Messwerten erreicht das iPhone 4 in etwa die Bewertung des Vorgängers – Akustik und GSM kommen etwas schlechter weg als beim 3GS, die UMTS-Werte etwas besser. Um mit anderen Handys vergleichbar zu sein, zählen hier die Standardwerte am Kunstkopf.
Das iPhone 4 ist ein iPhone
Ansonsten bleibt das iPhone trotz aller Innovationen eben ein iPhone – der Umgang im Alltag ist angenehm unspektakulär, es funktioniert alles so, wie es soll. Die herausragenden Neuerungen – vor allem die Kamera, das Display und den wesentlich besseren Akku - gewinnt man so schnell lieb, dass man es sich nach wenigen Tagen gar nicht mehr vorstellen kann, wie es ohne war. Beste Voraussetzungen also, dass einem das fantastische iPhone 4 auch nach Monaten nicht gleichgültig wird.
iPhone: Die Antennagate
Die Antennen des iPhone 4 reagieren laut vieler Berichte von Benutzern empfindlich auf die Berührung einer bestimmten Stelle - connect hat im Labor nachgemessen.
„Gebt uns ruhig die Schuld, den Rest könnt ihr behalten“ – so ähnlich wie die Fantastischen Vier in ihrem Hit reagierte Apple auf die Vorwürfe vieler Besitzer, das iPhone 4 hätte bei der Berührung bestimmter Stellen des Antennenrahmens ein Empfangsproblem. Durch das große Presseecho aufgeschreckt, konterte der Hersteller mit einer Pressekonferenz, in der man jedoch hauptsächlich darum bemüht war nachzuweisen, dass auch Smartphones anderer Hersteller je nach Handgriff schwächer empfangen – kein besonders überzeugender Auftritt.
Immerhin verspricht Apple nun jedem iPhone-Käufer eine kostenlose Schutzhülle (zu bestellen über die iPhone-App „iPhone 4 Case Programm“), die die fragliche Schnittstelle der Antennen vor ungewollter Überbrückung schützt.
Hintergrund: Beim neuen iPhone 4 ist der Metallrahmen die Antenne. Auf der linken Seite bis oben werden WLAN, Bluetooth und GPS-Daten eingesammelt, oben, rechts und unten funkt das iPhone 4 mit GSM und UMTS. Fasst man nun die schwarze Nahtstelle zwischen Mobilfunkantenne und Netzwerk-/Datenfunkantenne links unten an und überbrückt diese, kann man der Feldstärkeanzeige dabei zusehen, wie die Empfangsleistung abnimmt – in nur schwach von Mobilfunk versorgten Gebieten bis hin zu Aussetzern und Gesprächsabbruch oder dem Zusammenbruch der Internetverbindung. Daran kann auch das hektisch nachgeschobene Softwareupdate auf iOS 4.0.1, das die Anzeige der Feldstärke präzisiert, nichts ändern.
Empfangsproblem im Labor nachgewiesen
Wir haben diesen Effekt in der Testfactory nachgewiesen: Bei der herkömmlichen Messung (siehe Bildergalerie) ohne Hand am Kunstkopf sieht man, dass das iPhone an sich einen hervorragenden Empfang hat. Nimmt man es mit spitzen Fingern in die Hand und hält es an den Kopf, ändert sich daran nur wenig – wie bei jedem anderen Handy auch. Wenn man das Gerät mit der vollen Hand umfasst, bricht der Empfang jedoch um rund 25 Dezibel ein – in Gebieten mit schlechter Funkversorgung kann dies zum Verbindungsabriss führen. Dass hieran nicht allein die Abschattung des Funksignals mit der Hand schuld ist, sieht man an der Messung mit per Draht kurzgeschlossener Antenne, was allein schon einen Verlust von rund 10 dB nach sich zieht.
Was ist also das Fazit?
Klar ist: Bei jedem Handy kann man durch ungeschicktes Abdecken der Antenne den Empfang ähnlich dämpfen wie beim iPhone. Doch bei diesem genügt hierzu bereits ein Finger – so wirkt sich nicht nur die Dämpfung durch die Hand aus, sondern die Antenne wird durch die Berührung verstimmt.
Den Beweis liefert die Messung mit dem Bumper, bei der sich das iPhone selbst von einer fest zupackenden Hand nicht sonderlich beeindrucken ließ. Die Reaktion Apples, Schutzhüllen kostenlos anzubieten, ist also die einzig richtige gewesen – auch wenn eine konstruktive Änderung als endgültige Lösung des Problem sicherlich überzeugender gewesen wäre.
Klar, man könnte bei jedem Telefonat auch darauf achten, dass man das iPhone unkritisch in der Hand hält. Doch das wäre, wie wenn man bei seinem neuen Auto ständig darauf achten müsste, das Bremspedal immer genau in der Mitte zu treffen – weil der Wagen sonst nicht mit voller Leistung abbremst. Im Alltag ein Unding. Doch wer weiß, vielleicht arbeitet Apple ja doch an einem Hardware-Update. Zu wünschen wäre es dem bis auf dieses Detail fantastischen iPhone. Übrigens: Wirklich top ist der GPS-Empfang – schneller hat noch kein Handy zuvor mit der Navigation starten können.
iPhone im Ausland kaufen?
Sich an die Telekom binden oder ein vertragsfreies iPhone im Ausland kaufen? Wir haben verglichen.
Das iPhone 4 ist in vielen Ländern SIM-Lock-frei direkt bei Apple zu haben – etwa bei unseren Nachbarn Frankreich, England und der Schweiz. In Deutschland hält die Telekom zumindest noch bis Herbst den Exklusivvertrieb.
Da fragen sich viele, ob sie einen Kurztrip starten und das iPhone vertragsfrei kaufen sollen. Wir haben nachgerechnet: Die Telekom bietet Complete-Sprachflat- und Minutenpakete mit Sprach- und Datennutzung für ihre iPhone-Kunden an. Und die lohnen sich für Vielnutzer allemal. So kostet das iPhone 4 vertragsfrei in England und Frankreich in der kleinen Variante 600 Euro – die Telekom dagegen subventioniert kräftig.
Und mit einer Discountkarte sparen Poweruser auch nicht, im Gegenteil: Sie zahlen am Ende über 2200 Euro mehr als mit dem teuersten Telekom-Complete-Minutenpaket. Auch Normalnutzer, die zwei Stunden im Monat plaudern, sind bei der Telekom gut bedient. Anders sieht’s für Wenignutzer aus: Wer nur knapp über zehn Euro für Sprache und Daten im Monat ausgibt, kann mit einem vertragsfreien Gerät sparen.
- 1. Seite: Das iPhone 4 im Volltest
- 2. Seite: iPhone: Die Antennagate
- 3. Seite: iPhone im Ausland kaufen?
» Newsletter abonnieren
Täglich aktuelle News und Hintergründe für Fachhändler, ITK-Hersteller, Distributoren und aus der Online-Welt.
» Tipp der Redaktion
Acer rockt die Eifel
Rund um den Nürburgring dröhnten einmal nicht die Rennmotoren: Beim Acer Kick-off 2012 brachten stattdessen Bässe und Gitarrensoli die Eifel zum Wackeln. Über 600 Acer-Partner rockten zum Ausklang des Partner-Events im Eifel Stadl zu Live Musik oder ließen sich im Rockstar-Outfit fotografieren.
Die besten Multifunktions-Farblaser ab 300 Euro
Im Gegensatz zu den ultrabilligen Tintenstrahl-Einsteigerdruckern, die oft schon unter 100 Euro zu haben sind, sollte die Investition in einen Multifunktions-Laserdrucker schon etwas besser überlegt sein. Wir sagen Ihnen, welcher Laser sich besonders für welchen Zweck lohnt.
Cisco zurück auf Wachstumskurs
Cisco ist zurück auf der Überholspur. Nach einem radikalen Stellenabbau und einer stärkeren Fokussierung hat der Netzwerkriese im zurückliegenden Quartal sowohl Umsatz als auch Gewinn deutlich ausgebaut.
» Bilderstrecken
» Meistgelesene News
Ist Ihrer auch zu breit?
Die linke Fahrspur ist in vielen Autobahn-Baustellen nur für Fahrzeuge mit maximal zwei Meter Breite zugelassen. Jetzt warnt der ADAC: 67 Prozent der Neuwagenmodelle sind breiter als zwei Meter! Wer nicht nachmisst, riskiert ein Bußgeld.
Chefs versagen im zwischenmenschlichen Umgang
Vielen Führungskräften fehlt es an Empathie im Umgang mit ihren Mitarbeitern und sie erfüllen ihre Aufgaben nicht effektiv. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsunternehmens Development Dimensions International (DDI).
