Praxistest Samsung Galaxy:
Im Test: Das Samsung Galaxy Tab

von magnus.de

07.09.2010

Wie so oft geisterten noch weit vor der offiziellen Vorstellung des ersten Samsung Web-Tablets Bilder, vermeintliche Fakten und auch mögliche Gerätebezeichnungen durch das Netz. Wir testen das Galaxy Tablet.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 2)

Das Galaxy im Praxistest

Es wurde schon im Vorfeld heiß diskutiert, über das – so heißt es schließlich – Galaxy Tab, und nicht selten wurde das Android-Tablet auch als der wohl größte Konkurrent für den Trendsetter dieser wiederbelebten Gerätegattung, dem Apple iPad, tituliert. Beim Praxistest hat sich gezeigt: Das Samsung Galaxy Tab ist mehr als nur eine Alternative zu Steve Jobs Surfmaschine.

Erfolg schafft bekanntlich Nachahmer, doch Samsung möchte das Galaxy Tab nicht als Antwort auf Apples iPad verstanden wissen. Dennoch ist eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Apple-Pendant augenfällig. So ist das Galaxy Tab in einem minimalistisch designten Gehäuse mit lediglich drei Hardkeys für die Lautstärkeregelung und das Ein- und Ausschalten verpackt; die vier Android-typischen Bedienelemente an der Front sind als Sensortasten ausgeführt und geben bei Berührung ein kurzes Vibrationsfeedback.

Beim verwendeten Material und der Verarbeitung hat Samsung nichts anbrennen lassen: Die Gehäusekomponenten sind perfekt aufeinander abgestimmt, Spaltmaße oder störende Kanten sind keine zu finden, kein Knarzen und kein Quietschen ist beim Hantieren mit dem Tab zu vernehmen; das edle und sehr hochwertige Webpad liegt sehr angenehm in den Händen. Dank des fingerbreiten Rahmens ragen die Daumen beim Greifen auch nicht ins Bild hinein, allerdings muss man beim Drehen und Kippen des Tablets darauf achten, nicht versehentlich die Sensortasten zu betätigen.

Mobil ist das Teil allemal, so passt es bequem in die Jacken-Innentasche oder zur Not auch in die hintere Hosentasche und bringt mit einem Gewicht von rund 380 Gramm etwas mehr als ein gewöhnliches Taschenbuch auf die Waage. Dass das Kunststoffgehäuse anfällig für Fingerabdrücke ist, ist freilich vorprogrammiert und weniger überraschend.

Display, Ausstattung

Beim Display setzt Samsung nicht seine hoch gelobte AMOLED-Technologie ein, sondern verwendet einen herkömmlichen TFT-Screen. Das Gerät wäre damit wohl zu teuer geworden.

Allerdings: Knapp 800 Euro für die 16 Gigabyte Variante ist auch nicht eben günstig (was die 32-GB-Version kosten soll, ist noch offen). Auch wenn man das Tablet subventioniert über einen Netzbetreiber beziehen möchte, kommt am Ende der Laufzeit ein ordentlicher Batzen zusammen.

Netzbetreiber? Aber ja doch, das Galaxy Tab hat ein vollwertiges Mobilfunkteil integriert und kann daher auch als XXL-Smartphone durchgehen, auch wenn man sich nur schwer vorstellen kann mit dem Tablet am Ohr durch die Stadt zu laufen. Für angenehmes Telefonieren bieten sich verschiedene kabelgebundene oder kabellose (Bluetooth-)Headsets an. Schick: Rechts oberhalb des Bildschirms hat Samsung eine Frontkamera für Videotelefonie integriert, die sowohl via Mobilfunk als auch im kabellosen Netzwerk funktioniert.

Aber zurück zum Display: Mit einer Auflösung von 1024 x 600 Pixeln auf einer Diagonalen von 7 Zoll bringt der kapazitive Bildschirm die Inhalte farbstark und kontrastreich zur Geltung. Bilder und (HD-)Videos zu betrachten macht mit dem Galaxy Tab richtig Spaß. Auch beim Websurfen spielt es seine Stärken voll aus. Der Bildschirm reagiert prompt und ohne zu Ruckeln auf Fingerberührungen; auch bei Multitouch-Gesten wie etwa beim Zoomen sind keine Verzögerungen spürbar. Webseiten lassen sich schön übersichtlich und dank Flash Player 10.1 auch vollständig darstellen. Hier guckt das iPad in die Röhre.

In Sachen Ausstattung lässt Samsung kaum Wünsche offen. Android kommt in der aktuellen Version 2.2 (Froyo) und samt der Samsung-eigenen Benutzeroberfläche TouchWiz. Die 16 Gigabyte an internem Speicher lassen sich im Handumdrehen mit einer maximal 32 Gigabyte großen Micro-SD-Karte auf bis zu 48 Gigabyte erweitern. Für den mobilen Down- und Upload zeichnet HSPA verantwortlich, im heimischen Netzwerk geht’s dank Wireless LAN im n-Standard deutlich flotter zur Sache. Im Auto lässt sich das Tablet dank GPS-Empfänger und Google Maps Navigation (muss im Android Market heruntergeladen werden) auch als Navi nutzen; eine passende Autohalterung ist optional erhältlich, ebenso auch eine separate, mechanische Qwertz-Tastatur für Vielschreiber.

Die eingeblendete virtuelle Schreibtastatur ist für kurze Nachrichten freilich ausreichend; wer öfter E-Mails schreibt und sich mit der Anordnung der Tasten gut auskennt, der wird auch mit zwei Fingern schnell texten können. Zehn-Finger-Schreiben ist hier allerdings kaum möglich. Für die Aufnahme von Bildern und Videos ist auf der Rückseite eine 3,2-Megapixel-Kamera samt LED als Blitzersatz vorhanden.

Software, soziale Netzwerke, Fazit

Für das Softtuning steht neben dem bereits erwähnten Google Android Market, der mittlerweile eine breite Auswahl von über 120 000 Apps bietet, auch noch der Samsung-eigene Webshop mit ausgewählten Anwendungen zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Vorinstalliert ist unter anderem der E-Book-Rader Aldiko, ein ganz anständiges Tool mit allen nötigen Einstellungsmöglichkeiten für Textgröße, Schriftart und Anzeige-Helligkeit.

Echten Mehrwert bieten die von Samsung als „Hubs“ bezeichneten Anwendungen, etwa der Readers Hub: Hier werden verschiedene Reader-Anwendungen in einem Kanal zusammengefasst, sprich: E-Books, Zeitungen und Zeitschriften laufen hier gebündelt zusammen und sind für den Nutzer bequem zu überblicken. Sehr schön ist dabei auch, dass beispielsweise abonnierte Zeitungen jeden morgen automatisch auf das Tablet gepusht werden – ein Prinzip, welches Amazon bei seinen Kindle-Readern schon länger anwendet. Daneben gibt es auch den Social Hub, der die Ereignisse und Meldungen aus den verschiedenen sozialen Netzwerken zusammenführt. Beim Music Hub folgt Samsung dem iTunes-Prinzip und bietet Videos und Musiktitel zum Kauf an. Content, egal ob Apps, E-Books, Musik oder Videos, kann man dort im Moment nur über Google Checkout und Kreditkarte bezahlen. Allerdings soll laut Samsung bald auch die Abbuchung über die Mobilfunkrechnung möglich sein, was das ganze Prozedere deutlich vereinfachen würde.

Wir halten fest: Das Samsung Galaxy Tab ist mit seinem 7-Zoll-Bildschirm ein handliches Tablet zum Betrachten von Videos und Bildern, zum Surfen im Internet, zum Verwalten von E-Mails und zum Lesen von digitalen Inhalten; dank 3G-Modul kann es auch noch als etwas zu groß geratenes Smartphone durchgehen. Stolperfalle ist der derzeit noch hohe Preis von stolzen 799 Euro – jedoch dürfte der sich im freien Handel früher oder später nach unten korrigieren.

Als echter Notebook-Ersatz kann und will das Galaxy Tab nicht gehandelt werden, bringt aber einige Vorteile mit: Wenn es abends nach Feierabend nur darum geht, die E-Mails zu checken, in Facebook zu stöbern oder sich auf Youtube herum zu treiben, ist das Tablet schneller betriebsbereit als jedes Notebook. Dank der intuitiven Bedienoberfläche, dem flotten Arbeitstempo und dem sehr gut reagierenden Touchscreen macht das Arbeiten mit dem Tablet richtig Laune.

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