Studie: 6,3 Prozent Marktanteil bis 2015:
E-Books sind noch lange keine Bestseller
Im Land des Buchdruck-Erfinders Johannes Gutenberg sind E-Books weit davon entfernt, ein Bestseller zu werden. Eine Untersuchung von Pricewaterhouse Coopers rechnet zumindest bei belletristischen Werken mit gerade einmal 6,3 Prozent Marktanteil – in fünf Jahren.
E-Book »Amazon Kindle«: Bislang erst wenige Exemplare verkauft (Foto: amazon.com)
Im Jahr 2015 könnte der Umsatz mit digitalen Titeln allein im Bereich Belletristik über 350 Millionen Euro erreichen, wie aus der Studie »E-Books in Deutschland – Eine neue Gutenberg-Ära?« der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) hervor geht. Dies entspräche einem Marktanteil von 6,3 Prozent. Zum Vergleich: Für das laufende Jahr prognostizieren die PwC-Experten einen E-Book-Umsatz (nur Belletristik) von gerade einmal 20 Millionen Euro.
Einen schnellen Erfolg der Digital-Technologie verhindert unter anderem, dass viele Konsumenten in Deutschland nicht wissen, was sich hinter dem Begriff »E-Book« verbirgt. In einer für die Studie durchgeführten Konsumentenumfrage konnten mehr als die Hälfte der 1.000 Befragten mit dem Begriff nichts Genaues anfangen. Noch geringer ist die Bekanntheit der »E-Reader«. Nur ein Fünftel der Konsumenten wusste, was mit dem Wort gemeint ist.
Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC, glaubt dennoch an einen langfristigen Erfolg der neuen Technik: »E-Books werden sich in Deutschland durchsetzen, wenn auch langsamer als in den USA oder Großbritannien. Noch ist Lesern hierzulande das haptische Erlebnis ausgesprochen wichtig – das elektronische Lesegerät wird trotz scharfer und kontrastreicher Bildschirme nicht als gleichwertige Alternative zum gedruckten Buch akzeptiert. Doch dürfte sich dies auch angesichts der wachsenden Mobilität der Konsumenten ändern: Für die Lektüre unterwegs und zwischendurch sind E-Books eine interessante Alternative«.
Treiber der Digitalisierung des Buchmarktes sind elektronische Lesegeräte (E-Reader). Bis 2015 rechnet PwC in Deutschland mit rund 2,5 Millionen verkauften E-Readern. Voraussetzung ist aber, dass die Reader um wichtige Funktionen wie Farbdisplay und Internetzugang ergänzt und vor allem billiger werden. Bislang fanden Geräte wie Amazons »Kindle« hierzulande erst schätzungsweise 50.000 bis 80.000 Kunden.
Während E-Reader vor allem Leser ansprechen, werde der Massenmarkt den Tablet-PCs gehören, meint PwC. Nachdem Apple sein iPad vorgestellt hat, sollen bis Jahresende 2010 mehr als 20 ähnliche Geräte anderer Hersteller auf den Markt kommen. Im Jahr 2015 dürfte nach Schätzungen von PwC gut jeder siebte Deutsche ein Tablet besitzen, das allerdings nicht in erster Linie für das Lesen von E-Books eingesetzt wird.
Kleines Angebot – hohe Preise
Bislang ist der Umsatz mit belletristischen E-Books in Deutschland zu vernachlässigen. Für das laufende Jahr erwartet PwC einen Gesamterlös von lediglich 20 Millionen Euro. Die Präferenz für das gedruckte Buch ist jedoch nicht der einzige Grund hierfür. Vielmehr ist das Angebot an deutschsprachigen E-Books im internationalen Vergleich noch zu gering. So können Leser derzeit mehr als 100.000 Titel in digitaler Form erwerben, das entspricht etwa acht Prozent aller lieferbaren Bücher. Im offenen ePUB-Format, das von verschiedenen Readern wiedergegeben werden kann, gibt es nur rund 8.000 Titel.
Auch der hohe Preis von deutschsprachigen E-Books verhindert bislang den Markterfolg. Derzeit kostet die digitale Ausgabe eines Hardcover-Bestsellers im Durchschnitt rund 15,50 Euro und damit lediglich drei Euro weniger als das gebundene Buch. Bei Taschenbuch-Bestsellern beträgt der Preisvorteil des E-Books bei einem Durchschnittspreis von rund 9,20 Euro sogar nur etwa 40 Cent.
Damit geht die Preisgestaltung eindeutig an den Vorstellungen der Käufer vorbei. Zwar gaben immerhin 14 Prozent von 1.000 Befragten an, im vergangenen Jahr mindestens ein E-Book gekauft zu haben. Der Durchschnittspreis lag jedoch nur bei sechs Euro.
»Die deutsche Buchbranche droht, die Digitalisierung zu verschlafen. E-Books werden das gedruckte Buch zwar langfristig nicht verdrängen, sie werden aber auch nicht wieder verschwinden. Verlage und Buchhandel müssen funktionierende Geschäftsmodelle entwickeln, bevor internationale und teilweise sogar branchenfremde Player wie Amazon, Google oder Apple an ihnen vorbeiziehen«, betont Ballhaus.
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