Mobile Computing: Anwendungen:
Gartner: Die zehn wichtigsten Mobilanwendungen im Jahr 2012

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

23.11.2009

Das Bezahlen via Handy, ortsbezogene Dienste oder die Überwachung von Gesundheitsdaten sind nur einige der Anwendungen, die laut der Beratungsgesellschaft Gartner in zwei bis drei Jahren via Mobiltelefonnetz abgewickelt werden.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Nicht nur die Mobilfunkfirmen werden künftig nach Einschätzung von Gartner [1] mobile Anwendungen zur Verfügung stellen. Beste Beispiele dafür, dass auch andere Anbieter auf diesen Markt drängen, sind die App-Stores von Apple, Microsoft, Blackberry / Research In Motion oder Nokia.

Hier die Top 10 der mobilen Anwendungen, die laut Gartner im Jahr 2012 dominieren werden.

1. Geldtransfer mittel SMS: Tochter oder Sohnemann benötigen im Urlaub oder auf Klassenfahrt »Geldnachschub«? Der lässt sich sicherstellen, mithilfe einer Überweise mittels SMS. Laut Gartner ist dieses Verfahren deshalb Erfolg versprechend, weil es einfach und preisgünstig ist. Allerdings lauern auch Gefahren, vor allem durch Cyberbetrüger. Deshalb sind effiziente Sicherheitsmaßnahmen ein Muss, die von Service-Providern und auch den Anbietern der Mobiltelefone in ihre Geräte integriert werden müssen.

Auf Knopfdruck Überweisung: Das Bezahlen und Überweisen von Geld mittels Mobiltelefon gehört in drei Jahrenzu den Schlüsselanwendungen.

2. Ortsbezogene Dienste: »Locaction-based Services« (LBS), so die englische Bezeichnung, sollten eigentlich bereits mit dem Start von UMTS im Jahr 2000 »abheben«. Das blieb jedoch aus, unter anderem wegen überhöhten Tarife von T-Mobile, Vodafone et cetera.

Aber nun ist es laut Gartner so weit: Die Zahl der Nutzer wird von derzeit – lächerlichen – 96 Millionen bis 2012 auf weltweit 526 Millionen anwachsen.

3. Mobile Suche: »Mobile Search«, sprich das googeln mittels Mobiltelefon, nimmt Rang drei ein. Allerdings haben die Anbieter hier nach Ansicht der Experten noch etliche Hausaufgaben zu erledigen. So muss die Bedienung der Suchfunktionen deutlich intuitiver und einfacher vonstattengehen.

4. Internet-Browsing: An die 60 Prozent der Mobilgeräte, die in diesem Jahr verkauft haben, haben einen Browser an Bord. Bis 2013 steigt dieser Anteil auf 80 Prozent. Die Anwendung ist sowohl für Geschäfts- als auch Privatkunden interessant. Business-User greifen von ihrem Smartphone auf E-Mails und Firmenanwendungen zu, private Nutzer informieren sich oder gehen auf Social-Networking-Sites.

5. Gesundheitsüberwachung: Speziell in den westlichen Gesellschaften mit ihrer überalterten Bevölkerung dürfte die mobile Gesundheitsüberwachung eine interessante Anwendung sein. Chronisch Kranke können Daten wie Blutdruck oder EKG über das Mobilfunknetz zum Arzt oder in die Klinik übermitteln. Das kann dazu beitragen, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken. Gartner sieht allerdings auch in Entwicklungsländern ein großes Potenzial für diese Anwendungsform, also dort, wo der nächste Arzt oft viele Kilometer vom Patienten entfernt seine Praxis hat.

Die Top-10 der mobilen Anwendungen: Teil 2

6. Mobile Bezahldienste: Dieser Bereich wird laut Gartner eine strake Fragmentierung aufweisen, abhängig von den einzelnen Ländern und Wirtschaftsregionen sowie Anbietern entsprechender Services. Das könnte sich als Hindernis für eine breite Akzeptanz solcher Dienste auswirken. Andererseits sehen die Fachleute durchaus den Wunsch bei Mobilfunkkunden, Einkäufe auch online abwickeln zu können. Mobile Payment-Services stoßen laut Gartner auch in weniger entwickelten Ländern auf Interesse.

7. Near-Field Communication: Auch diese Technik enttäuschte bislang die Erwartungen. NFC erlaubt es ähnlich wie RFID, mittels Funk Daten über kurze Entfernungen hinweg auszutauschen. Das kann beispielsweise zwischen einem Handy mit NFC-Chip und einem Ticket-Verkaufsautomaten erfolgen. Das größte Problem besteht allerdings darin, Übereinkünfte zwischen Mobilfunkfirmen und Service-Providern, also Banken und Geschäften, zu erreichen. Solange zu wenige Angebote zur Verfügung stehen, wird sich die Akzeptanz von NFC daher in engen Grenzen halten.

Nokia hat Handys für NFCim Portfolio (hier das 6216).

8. Anzeigen: Medienfirmen und Suchmaschinen-Anbieter wie Google und Yahoo versprechen sich viel von »Mobile Advertising«. Dieser Markt wächst laut Gartner von weltweit 530 Millionen Dollar bis 2012 auf 7,5 Milliarden Dollar. Mobile Anzeigen werden sich neben klassischen Werbemedien wie Print- und Online-Anzeigen und TV-Spots etablieren.

9. Instant Messaging: Mobile IM-Services wurden bislang durch zu hohe Preise und mangelhafte technische Umsetzung torpediert. Das ändert sich nun jedoch. Die Kinderkrankheiten sind überwunden, und damit greifen immer mehr User zu diesem Echtzeitkommunikations-Medium. Vor allem in Entwicklungsländern, in denen Festnetztelefone weit weniger verbreitet sind als in den Industriestaaten, dürfte sich Mobile IM durchsetzen.

10. Musik-Downloads: Firmen wie Sony-Ericsson und Nokia setzen ja bei ihren Geräten bereits seit längerer Zeit auf Musik-Handys. Bislang entwickelte sich dieser Markt jedoch enttäuschend, abgesehen vom Handel mit Klingeltönen. Das könnte sich bis 2012 ändern, so Gartner. Der Grund: Mobilfunk-Carrier schnüren Angebotspakete, bestehend aus Endgeräten und dazu passenden Telefon- und Datentarifen. Mit solchen Bundles, die preislich attraktiver sind als bestehende Angebote, wollen sie den »Mobile-Music«-Markt gewissermaßen knacken.

[1] http://www.gartner.com