Server-based Computing:
Test: Pano System - Desktop ohne Client
Mit einem Zero-Client soll Desktop-Virtualisierung auch in großen Netzwerken Einzug halten. Die amerikanische Firma Pano hat ein solch extrem schlankes System entwickelt, das nicht einmal einen Prozessor enthält. Network Computing hat sich diesen »Desktop ohne Client« genauer angesehen.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
Ein normaler Thin-Client verfügt über einen Prozessor mit Firmware und über ein Betriebssystem, das zumindest Remote-Protokolle wie RDP, X11 oder ICA decodiert. Aber selbst das ist dem US-Unternehmen Pano [1] noch zu viel.
Kompaktes Design: Der Pano-System-Würfel ist kleiner als ein Bleistift - kein Wunder, enthält er doch nicht einmal eine CPU.
Deren »Pano Device Zero Client« hat nicht einmal eine CPU. Der verspiegelte Mini-Würfel kann gerade einmal ein PCI-ähnliches Busprotokoll in IP-Frames verpacken. Die Verbindung zur darzustellenden XP-Virtual-Machine läuft somit auch nicht über RDP. Vielmehr installiert Pano innerhalb der XP-VM einen Systemtreiber, der das Pano-Device über einen Grafikkarten-Treiber und einen Remote-USB-Hub steuert.
Vom Prinzip her arbeitet Pano also eher wie ein KVM-over-IP-Client, nicht wie ein klassischer Thin-Client. Damit das alles funktioniert, braucht der IT-Leiter neben den eigentlichen Zero-Clients drei Dinge: Eine Vmware-ESX-Installation mit Virtual-Center-Server, die Pano-Management-Virtual-Machine sowie eine Windows-XP-VM mit integriertem Pano-Device-Treiber als Template.
Testumgebung: Windows XP und Office
Im Labor Poing installiert Network Computing zuerst eine XP-Maschine mit ein paar Office-Komponenten, den aktuellen Vmware-Tools und dem Pano-Treiber. Das Pano-Management kommt direkt als VM (ovm-Format) daher, welche sich über das Virtual-Center in die ESX-Farm importieren lässt.
Der Pano-Manager basiert dabei auf einer CentOS-Linux-VM mit einem Apache-Tomcat-Java-Application-Server. Beim ersten Start fordert die Virtual Machine die üblichen Informationen zu IP-Adresse, Netzwerktopologie und Admin-Passwörtern. Danach erfolgt die weitere Verwaltung im Web-Browser.
Der Pano-Manager braucht mindestens den Zugang zum Virtual-Center-Server, dem ADS-Server und einem Netzwerk-Share für das Backup der Konfigurationsdaten. Die kleinen Pano-Zero-Clients findet das Management über DHCP. Dafür ist eine kleine Modifikation am jeweiligen DHCP-Server fällig.
Für ein kleines Test-Setup wie im Labor Poing kann auch ein LAN-Broadcast nach den Pano-Würfeln fahnden.
Klonen der Anwendungsumgebung
Als Nächstes generiert der Verwalter einen VM-Pool auf dem ESX-Server und weist diesem das XP-Template sowie die zugelassenen ADS-Nutzer zu. Um den Cloning-Prozess vollständig zu automatisieren, muss der Verwalter Sysprep auf dem XP-Template einrichten und ein passendes Skript hinterlegen.
Bei der Erstellung neuer XP-VMs sorgt dieses Skript für eine eindeutige SSID und vom Template abweichende Namen und IP-Adressen.
Steht der VM-Pool, erstellt das Pano-Management die angeforderten VMs. Jetzt kann der Verwalter die Maschinen wahlweise einzelnen Benutzern oder Zero-Clients zuweisen.
Funktionsweise des Pano-Systems: RAM, CPU und Harddisk stellt der Server zur Verfügung.
Im ersten Fall sehen die Anwender auf dem Zero-Client einen Anmeldeschirm zum Management-Server. Sobald dieser den Anwender identifiziert hat, schaltet er den User auf seine VM durch. Bei einer direkten Verbindung vom Client zu einer vorgegebenen VM entfällt dieser Log-in. Der Zero-Client zeigt sofort den XP-Log-in-Screen.
Im Test laufen das Setup der Pano-Management-VM und der Vmware-Konfigurationsvorgang tatsächlich in wenigen Minuten ab. Die Prozedur gestaltet sich dabei noch einfacher als bei Vmwares hauseigenem VDI (Virtual-Desktop-Infrastructure, siehe Test Ausgabe 5/2009, Seite 14 ff.).
Gute Performance
Die Performance des Pano-Device überrascht. Es lassen sich sogar einfache Multimedia-Inhalte à la Youtube ruckelfrei wiedergeben, jedoch nicht im Full-Screen-Modus. Der durchschnittliche Office-Anwender wird nicht bemerken, dass er gar nicht an einem physischen Rechner sitzt. Dabei schluckt das Pano-Device im laufenden Betrieb in etwa so viel Strom wie ein normaler Büro-PC im Stand-by-Modus.
Die LAN-Belastung hält sich dabei in Grenzen. Bei regulären Arbeiten liegt der Bandbreitenbedarf bei etwa 2 MBit/s. Wer bei einer Auflösung von 1280 x 1024 Pixeln im Full-Screen-Modus eine Diaschau oder Powerpoint-Präsentation ablaufen lässt, benötigt etwa 8 MBit/s.
In Kürze wird Pano auch Windows-7-VMs unterstützen. Speziell für Anwender in Behörden liefert Pano auch einen Linux-Treiber, gegenwärtig jedoch nur für ältere Redhat-Distributionen.
Neben der Vmware-Integration unterstützt der Hersteller auch XEN-Umgebungen. Ebenso ist ein Pano-Device in Vorbereitung, das ohne Netzteil auskommt und sich via Power-over-Ethernet (PoE) mit Strom versorgen lässt.
Fazit
Die Zero-Client-Box kann ebenso überzeugen wie die simple und dabei äußerst effiziente Verwaltungs-Software.
Pano zeigt hier den ersten, rundum durchdachten und effizienten Ansatz für Desktop-Virtualisierung ohne PC oder Thin-Clients in mittelgroßen und großen Unternehmen.
In Deutschland ist Pano System über das Münchner IT-Beratungs- und -Dienstleistungshaus Zenk [2] erhältlich.
[1] http://www.panologic.com/
[2] http://www.zenk.de/
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