Gastbeitrag:
Prozesskostenrechung und SOA

von Daniel Liebhart

27.07.2010

Die Nutzenrechung einer SOA wird ganz einfach, wenn man die Regeln der traditionellen Prozesskostenrechnung beachtet. Prozesskennzahlen wie beispielsweise die Durchlaufzeit oder der Personalbedarfes sind einfache Messgrößen.

Traditionelle Prozesskostenrechnung hilft auch bei SOA-Projekten weiter. (Bild: Gina Sanders, Fotolia.com)

Kosten und Nutzen der Informations-Technologie sind seit 2002 gegenüber der Innovationskraft ins Zentrum gerückt. Die Erstellungskosten von IT-Systemen sind nach wie vor sehr schwierig zu rechnen, die Kostenfaktoren sind jedoch gut bekannt. Sie unterscheiden sich nicht von den Gestehungs- und Betriebskosten anderer Unternehmens-Ressourcen.

Die Errechnung des Nutzens der IT steckt noch in den Anfängen, zumal die Informatik als Unterstützungsfunktion nur indirekten Einfluss auf die Produktivität eines Unternehmens oder einer Organisation hat. Die Berechnung des konkreten Wertbeitrags der Informationstechnologie wird zwar von verschiedenen Wissenschaftlern bereits vorgeschlagen. Als Allgemeingut ist dieser Wertbeitrag jedoch noch weit davon Entfernt in die betriebliche Rechnungslegung aufgenommen zu werden.

Statistisch gesehen wenden heute Unternehmen ca. 4 % des Umsatzes für die Informatik ausgegeben. Diese Ausgaben variieren jedoch pro Branche zwischen 1.8 und 6.9%. Davon fließen mehr als die Hälfte der Gelder in den Betrieb bestehender betrieblicher Informationssysteme. Lediglich ein viertel wird für Projekte aufgewendet, also investiert. Diese Investitionen werden normalerweise über ROI- oder NPV-Rechnungen gerechtfertigt. Leider ist heute statistisch kaum belegt, wie viele der Unternehmen diese Investition überhaupt amortisieren, respektive die ursprüngliche Investitionsrechnung nachträglich prüfen. Gemäß einer Studie der IBM berechnen ca. 90 % aller Unternehmen den ROI einer IT Investition intuitiv oder als grobe Schätzung.

Kostenwirksamkeit einer SOA

Daniel Liebhart ist Autor des Buches »SOA goes real«.

Eigentlich sollte der Nutzen einer SOA sich in vielen Fällen direkt auf die Kosten auswirken. Der Nutzen und die Erwartungen an den Nutzen sind von einer Vielzahl von Herstellern und in einer Reihe von Studien dokumentiert worden. So hat beispielsweise die Technische Universität Darmstadt eine qualitative Expertenbefragung kombiniert mit einer Literaturrecherche durchgeführt. Sie wird im Rahmen eines Forschungsvorhabens zur Identifikation des in der Praxis beobachtbaren Nutzenpotentials einer SOA erarbeitet. Die bei weitem wichtigsten Nutzenpotentiale sind die Agilität und die Prozessoptimierung. Unter Agilität werden eine höhere Umsetzungsgeschwindigkeit durch die Modularität und eine verbesserte Flexibilität durch die Trennung der Logik in zwei Teile verstanden. Die Prozessoptimierung bedeutet die Abbildung und Automatisierung von bereichs- und sogar unternehmensübergreifenden Prozessen. Obwohl in der Befragung die Wiederverwendung weit oben in der Rangliste zu finden ist, sind sich die Befragten nicht einig, wie hoch tatsächlich der Nutzen in der Praxis ist. Bei einer durchschnittlichen Wiederverwendungsrate von Services zuwischen 1 und 2 bleibt die entsprechende Rechnung in einem eingeschränkten Rahmen.

Die Kostenwirksamkeit der Prozessoptimierung lässt sich anhand gängiger Prozesskostenrechnungen messen. Sie lassen sich beispielsweise anhand der Prozesskennzahlen wie beispielsweise die Durchlaufzeit oder des Personalbedarfes genau berechnen und was besonders interessant ist, auch im Nachhinein verifizieren. Noch einfacher zu errechnen ist die Tatsache, dass SOA eine Automatisierung von Prozessen erlaubt. Beispielsweise im Versicherungsgeschäft können dadurch die Kosten der Schadensbearbeitung drastisch gesenkt werden.

  • Entwicklungs-Kosten: Die Entwicklungskosten für Informations-Systemen werden mit verschiedenen Schätzmethoden bestimmt.
  • Betriebs-Kosten: Die Betriebs-Kosten sind der Hauptkostenfaktor in der Lebenszeit eines Informations-Systems.
  • Entwicklungs-Nutzen: Ein direkter Entwicklungs-Nutzen ist sehr selten kalkulierbar. Es entstehen jedoch indirekte Nutzen-Effekte durch Business Process Engineering.
  • Betriebs-Nutzen: Zentrale Fragestellung ist, ob der Nutzen höher als die Betriebs- und Entwicklungs-Kosten ist.

*Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der Hochschule für Technik in Zürich und Solution Manager der Trivadis [1] AG. Er ist Autor des Buches »SOA goes real« (Hanser Verlag) und Co-Autor verschiedener Fachbücher.

[1] http://www.trivadis.com/

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