Smartphones: iPhone 4:
Schadensbegrenzung: Apple spendiert dem iPhone 4 eine Schutzhülle

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

19.07.2010

Wer bis zum 30. September ein iPhone 4 kauft, erhält von Apple kostenlos ein Schutz-Etui dazu. Das hat Apple-Chef Steve Jobs angekündigt. Damit will der Hersteller die unerquicklichen Diskussionen um Probleme mit der Mobilfunkantenne des Smartphone beenden.

Wie mehrfach berichtet, mag das neue iPhone 4 keine Nutzer, die das Gerät in der linken Hand halten. Durch den Kontakt zwischen Haupt und Mobilfunkantenne des Smartphone werden die Empfangseigenschaften des iPhone beeinträchtigt.

Auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz erläuterte Apple-Chef Steve Jobs, was es mit den angeblichen Empfangsproblemen des iPhone 4 auf sich hat - und dass auch die Modelle anderer Hersteller vergleichbare Schwächen aufweisen.

Den Wirbel, den dieser – angebliche – Designfehler verursachte, ist Apples [1] Chief Executive Officer Steve Jobs nun offenbar leid. Er kündigte an, dass Käufer des iPhone 4 kostenlos ein Etui erhalten. Dieses soll das erwähnte Problem beseitigen.

Laut Jobs erhalten alle User den »Bumper«, so die amerikanische Bezeichnung, die bis zum 30. September ein iPhone 4 kaufen. Wer sich das Smartphone bereits angeschafft hat, soll eine Rückvergütung bekommen.

Allerdings konnte sich Jobs ein »Nachtreten« gegen unzufriedene »iPhonista« nicht verkneifen: Wer mit dem Mobiltelefon unzufrieden sei, könne es ja zurückgegeben und erhalte sein Geld zurück, so der Manager. Immerhin räumte Jobs ein, dass auch Apple nicht perfekt sei, auch wenn das Unternehmen immer das Ziel verfolge, seine Kunden »glücklich« zu machen.

Angeblich nicht genügend Tests

In US-Medien wie Bloomberg und dem Wall Street Journal (WSJ) machen derweil Berichte die Runde, dass die Schwachstellen des Apple-Telefons dem Hersteller bereits im Vorfeld bekannt waren. Angeblich äußersten Ingenieure des Herstellers Bedenken wegen der zu kurzen Testphase und zeigten sich unzufrieden mit dem Systemaufbau des Geräts.

Dem WSJ zufolge erhielten selbst die Betreiber von Mobilfunknetzen nicht, wie bei früheren Modellen, voll funktionsfähige Prototypen des neuen iPhone. Daher seien die technischen Schwierigkeiten mit der Mobilfunkantenne nicht aufgefallen.

Apple: Auch RIM und Nokia haben Probleme

In seinem Statement nahm Steve Jobs auch andere Handy-Hersteller mit ins Boot. Auch bei Geräten von Research In Motion [2] (»Blackberry«) und Nokia [3] würden Gespräche abbrechen, wenn der Nutzer sie auf eine bestimmte Weise in der Hand halte.

Problematischer Griff: Wer das iPhone 4 so hält, muss mit Schwierigkeiten rechnen. Dumm nur, wenn jemand während eines Telefonats mit der rechten Hand Notizen machen möchte.

Dies haben mittlerweile beide Unternehmen zurückgewiesen. »Apples Versuch, RIM in sein selbst verschuldetes Debakel mit hinein zu ziehen, ist nicht akzeptabel«, so die RIM-Chefs Mike Lazaridis und Jim Basile.

Research In Motion entwickele bereits seit 20 Jahren Antennen für Mobiltelefone. Das Unternehmen habe in dieser Zeit Lösungen, wie sie Apple beim iPhone 4 verwendet, vermieden – und das aus gutem Grund. »Nutzer von Blackberrys benötigen jedenfalls keine Schutzhülle, um einen guten Telefonempfang zu haben«, so beide in einer offiziellen Replik.

Nokia: Antenne anders konstruieren

In das gleiche Horn stößt Nokia: »Generell kann die Leistung der Antenne eines Mobilgeräts durch einen zu starken Griff des Nutzers beeinträchtigt werden, je nachdem auf welche Weise dieser das Telefon hält«, so der finnische Hersteller. Nokia habe deshalb viel Zeit darauf verwendet, um alle denkbaren Griffhaltungen zu erforschen.

Das Resultat: Probleme wie beim iPhone ließen sich beispielsweise vermeiden, indem Antennen sowohl auf der Ober- als auch Unterseite eines Mobiltelefons angebracht würden. Außerdem würden die verwendeten Materialien und die Form des Gehäuses eine Rolle spielen.

Fazit: Apples Versuch, andere Anbieter in die »Causa iPhone 4« zu verwickeln, scheint nicht aufzugehen. Im Gegenteil: Die Debatte um die Unzulänglichkeiten des Smartphone entwickeln sich für das Unternehmen immer mehr zu einem PR-Desaster.

Noch ein Tipp: Apple hat mittlerweile auf seiner Web-Seite eine Sektion eingerichtet, in welcher die Firma erläutert, wie es zu Empfangsproblemen bei Mobiltelefonen kommen kann. Hier der Link zu dieser Seite [4].

[1] http://www.apple.de/
[2] http://www.rim.com/
[3] http://www.nokia.de/
[4] http://www.apple.com/antenna/

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