Moderne Collaboration-Architektur setzt alte Grenzen außer Kraft:
Unified-Communications nutzt virtuelle Ressourcen

von Ralf Ladner (ralf.ladner@networkcomputing.de), Adrian Schuster

12.07.2010

Die Virtualisierung von Unified-Communications (UC) steigert die Betriebseffizienz, senkt den Investitionsbedarf und kappt laufende IT-Kosten in Rechenzentren. Eine virtualisierte UC-Landschaft erfüllt darüber hinaus aber auch die Voraussetzungen für neuartige Einsatzszenarien, wie hochflexible Mischformen aus Outsourcing und Eigenbetrieb. Heutige Collaboration-Architekturen ermöglichen damit auch den Blick in Richtung Cloud-Computing: Perspektivisch bringt eine virtualisierte UC-Cloud Kommunikationsdienste aller Art über Unternehmensgrenzen hinweg quasi ad-hoc auf jedes beliebige Endgerät – sicher, zuverlässig und an jedem Punkt dieser Welt.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Laut McKinsey haben die jährlichen Infrastruktur- und Service-Ausgaben von Rechenzentren weltweit die Marke von 350 Milliarden Dollar bereits überschritten. 70 Prozent und mehr davon entfallen auf das Management existierender Infrastrukturen. Weniger als 30 Prozent verbleiben folglich für wettbewerbsrelevante IT-Innovationen. Bis 2015 könnten den McKinsey-Prognosen zufolge rund 85 Milliarden Dollar (das sind 20 Prozent des Gesamtmarktvolumens) in Virtualisierungs- und Cloud-Technologien fließen. Technologie-Unternehmen wie EMC und Cisco gemeinsam mit VMware kooperieren bereits sei zwei Jahren miteinander im Bereich der Virtualisierung. Ende 2009 schlossen sich die Firmen zu einer „Virtual Computing Environment“ Koalition zusammen, die das Ziel hat, flexiblere IT-Infrastrukturen mit drastisch verringerten Management-, Energie- und Gebäudekosten zu ermöglichen. Wichtigste Hebel dafür sind die Virtualisierung auf allen Rechenzentrums-Ebenen sowie der Umbau bestehender IT-Landschaften in Private-Clouds.

Private-Clouds sind vollständig virtualisierte IT-Infrastrukturen, die auf effiziente und hochsichere Weise in einer geschlossenen Unternehmens-IT-Infrastruktur betrieben werden. Die Steuerung erfolgt dabei unternehmensintern oder durch externe Anbieter. Die Cloud selbst kann im eigenen Rechenzentrum angesiedelt sein oder aber bei einem Fremdanbieter. Auch eine Kombination aus beidem ist möglich. Unternehmen können ihre IT künftig besser mit Geschäftsprozessen harmonisieren und somit ihre Flexibilität und Wendigkeit auf den jeweiligen Märkten steigern. Der Blick geht dabei vermehrt auf Virtualisierungslösungen, um die Leistung und Flexibilität ihrer IT-Systeme entscheidend zu verbessern. Basis dafür ist völlig neuartigen Ansatz für das Rechenzentrum der Zukunft. Dabei geht es um einen Ansatz, der den IT-Auslastungsgrad steigert, Energieverbrauch drosselt, die IT-Kosten senkt und zugleich die IT-Sicherheit verbessert. All dies benötigen Unternehmen allerdings nicht als statische Box-Lösung sondern als anpassungsfähige netzwerkbasierte Architektur für optimierte virtuelle IT-Ressourcen.

Neue Rechenzentrums-Architektur als Basis für die Zukunft

Bereits heute bieten Unternehmen wie Cisco neuartige Architekturen wie Unified-Computing-System (UCS) an, die noch effektiver die durchgreifende Virtualisierung in Rechenzentren unterstützen. Dabei repräsentiert die virtualisierte IT-Infrastruktur das Fundament übergeordneter Collaboration-Architekturen. Darüber liegt die Service-Schicht, in der sämtliche Collaboration-Dienste angesiedelt sind. Dazu zählen unter anderem das Session- und Presence-Management sowie Richtlinienverwaltung und Security. Der dritte und oberste Layer stellt schließlich alle Anwendungen zur Kommunikation und Zusammenarbeit bereit. Hierher gehören das komplette UC-Spektrum plus Conferencing, Enterprise-Social-Software, Customer-Interaction, Massaging, Mobility und Video-Konferenzsysteme. Die Drei-Schichten-Architektur von Cisco ist absolut offen für unterschiedlichste Service-Szenarien: Zum einen deuten UC-Virtualisierung und SaaS perspektivisch in Richtung Collaboration-Cloud, wofür beispielsweise die Konferenz-Lösung WebEx als der Modellfall gelten kann. Zum anderen aber sind auch Peer-to-Peer-Modelle über Unternehmensgrenzen hinweg möglich – zum Beispiel durch nahtlose Integration einer Intercompany-Media-Engine. Auf diese Weise können sich mehrere Unternehmen schon heute zu einem multilateralen Trust-Verbund für gemeinsame Rich-Media-Collaboration mit definiertem Security-Level zusammenschließen.

UCS kombiniert dichtgepackte Intel-x86-Blade-Server mit Hypervisor-Software plus Speichernetz- und Ethernet-Anbindung in einem einheitlich administrierbaren Komplettsystem. Ein einzelnes UCS kann so mit bis zu 320 physischen Servern bestückt werden, die ihrerseits mehrere tausend virtuelle Maschinen versorgen. Die Brücke zum LAN und SAN schlagen integrierte Fabric-Interconnect-Switches auf Basis einer Unified-Fabric. Diese Unified-Fabric bringt Storage-Traffic per Fibre-Channel over Ethernet (FCoE) direkt bis zum Server-Rack. Speicherdaten werden für den Transport durch Ethernet-Leistungen mit FCoE gewissermaßen eingepackt. Die Grenze zwischen FC- und IP-Netzwerk löst sich damit auf; im UCS sind beide Welten zu einer gemeinsamen Fabric vereint.

Daraus resultiert fast automatisch eine durchgreifende I/O-Konsolidierung, die das Kabel- und Adapterdickicht im Rechenzentrum lichtet. Ist FCoE beispielsweise auf zwei 10-Gigabit-Ethernet-Kabeln implementiert, kann man 4 FC HBAs und 6 Ethernet NICs konsolidieren, und schafft damit eine 80prozentige Kabelreduktion. Mit der UCS-B-Series benötigt man bei vergleichbarer Leistung erfahrungsgemäß 70 Prozent weniger Stellfläche als bei herkömmlichen Servern – Fläche, die nun nicht mehr kostenintensiv klimatisiert, beleuchtet und anderweitig unterhalten werden muss. Neben massiven Kosteneinsparungen verbessert UCS auch die Energieeffizienz der Unified-Communications-Plattform und trägt dazu bei, IT-bedingte CO2-Emissionen zu reduzieren.

Freie Wahl: On-Demand oder Eigenregie

Den wohl größten Vorzug bieten Architekturen wie UCS durch vereinheitlichte Managementtools für unterschiedliche Ressourcentypen: Server, Storage und virtualisierte Netzwerk-Links lassen sich an zentraler Stelle und daher hocheffizient gemeinsam steuern und verwalten. Besonders interessant für Service Provider sind zudem die flexiblen Partitionierungsmöglichkeiten durch wiederverwendbare Konfigurationsprofile. Ein einzelnes UCS kann damit viele Kundenunternehmen versorgen, wobei die Konfigurationsprofile die Bereitstellung von UC-Funktionen stark beschleunigen. Dank Virtualisierung können Provider hochflexible UC-Servicepakete schnüren: Kunden erhalten die Option, beliebige UC-Funktionen wahlweise auf der eigenen Infrastruktur zu betreiben oder an einen externen Dienstleister auszulagern. Ein Unternehmen kann dadurch sein Call-Processing selbst erledigen, um den Voice-Traffic im eigenen Firmennetzwerk abzuwickeln. Im Gegenzug lassen sich Add-On-Lösungen je nach Bedarf bei einem Serviceprovider ordern – und im umgekehrten Fall auch wieder abbestellen.

Solche hybriden Kombinationen aus selbsterbrachten und ausgelagerten UC-Features rangieren zwischen zwei entgegengesetzten Polen: dem vollständigen Betrieb in Eigenregie und SaaS-basiertem Komplett-Outsourcing. Dabei gilt für alle vom Provider bereitgestellten UC-Funktionen, dass Unternehmen dafür keine eigene Server und Applikations-Infrastruktur benötigen und daher auch nicht mit Investitionen in Vorleistung gehen müssen. Sie vermeiden Technologierisiken und wandeln variable in planbare Fixkosten um. Provider wiederum erschließen sich durch die Virtualisierung ihrer UC-Plattform neue Umsatzchancen. Denn sie können ihr Serviceangebot deutlich flexibler gestalten und werden dadurch auch für solche Kunden attraktiv, die bestimmte UC-Funktionen aus verschiedenen Gründen nach wie vor im eigenen Haus betreiben wollen.

Adrian Schuster, Freier Journalist in Berlin