Mehr als Zwitschern:
Höhere Produktivität durch Microblogs

von Markus Bereszewski (markus.bereszewski@informationweek.de), Jens Osthues *

30.06.2010

Microblogging ist längst nicht mehr dem privaten Gezwitscher bei Twitter und Co. vorbehalten. Professionelle Anwendungen für Unternehmen bewähren sich zunehmend als effiziente Social Software.

Dienste wie Twitter lassen sich auch für Unternehmen einsetzen

Microblogging rückt zunehmend ins Bewusstsein der Unternehmen. Die Palette der auf Enterprise Microblogging spezialisierten Dienste und Funktionen in Social Software Suites (zumeist nur Statusinformationen) wird breiter, Anwender tauschen sich über erste Erfahrungen mit unternehmensinterner Kommunikation über Kurznachrichten aus. Gartner geht im letzten Hype Cycle Report davon aus, dass bereits 2011 ein Microblogging-Dienst zum Standard-Repertoire der meisten Social-Software-Plattformen in Unternehmen gehören wird. Im deutschsprachigen Raum kann man momentan davon ausgehen, dass unter denjenigen, die Enterprise 2.0-Lösungen implementieren, etwa ein Drittel Enterprise-Microblogging nutzen.

Nach wie vor wird Microblogging von Vielen zunächst mit Twitter in Verbindung gebracht. Das mag zwar Berührungsängste mindern, fördert aber gleichzeitig eine falsche Einschätzung der Konsequenzen von Enterprise Microblogging: Denn diese auf den professionellen Einsatz spezialisierten Dienste bieten technisch mehr als ihre öffentlich zugänglichen Verwandten - und sie werden ganz anders genutzt. So fällt zum Beispiel die Beschränkung auf 140 Zeichen häufig weg, bei manchen Diensten können Anhänge mit verschickt oder Nutzerkreise mit verschiedenen Berechtigungen ausgestattet werden. Die etablierteren Enterprise Microblogging-Dienste haben mit Twitter gemeinsam, dass sie niedrigschwellig und intuitiv zu bedienen sind.

Aller guten Dinge sind drei

Während bei Twitter etc. die „Meformer“ in der Überzahl sind und die „Informer“ nur etwa 20 Prozent ausmachen, dreht sich dieses Verhältnis im Enterprise 2.0-Einsatz um. Eine qualitative Auswertung von fast 1000 Posts ergab, dass nicht ein einziger Beitrag privater oder banaler Natur war, sondern durchgehend Informationen mit klarem Bezug zur Arbeit ausgetauscht wurden. Im Vordergrund standen Status-Updates zu aktuellen Projekten, die Koordination von Zuständigkeiten und Informationsaustausch. Außerdem wurden Fragen gestellt und geklärt oder wichtige Fakten dauerhaft festgehalten. Damit bietet sich Enterprise Microblogging insbesondere für drei Aufgabengebiete an:

n Projektmanagement: E-mail-Kommunikation greift hier regelmäßig zu kurz – irgendjemand wird immer auf dem Verteiler vergessen oder verliert im Posteingang den Überblick. Arbeiten IT-Teams mit einem Microblog, wird die Kommunikation transparent für alle an einem zentralen Ort dokumentiert und durchsuchbar. Auch für später dazustoßende Mitarbeiter wird es so einfacher, nicht nur Inhalte, sondern vor allem die Meta-Kommunikation im Team nachzuvollziehen. Statusinformationen werden nicht mehr nur zu einem bestimmten Zeitpunkt (Meeting etc.), sondern ständig von allen Projektmitgliedern einseh- und nachvollziehbar. Mehrarbeit und Missverständnisse lassen sich so vermeiden.

n Vertrieb: Außendienstler fühlen sich besonders häufig von der Kommunikation im Unternehmen abgeschnitten. Die Informationsflüsse zwischen ihnen und den Internen wiederum bleiben Einzelströme, sprich: ihre Kollegen profitieren nicht davon. An den technologischen Möglichkeiten hapert es nicht, SmartPhones werden mehr und mehr zum Standard. Beispiel für Microblogging-Einsatz: Außendienstler können ihre Gesprächsergebnisse aus Kundengesprächen mobil und transparent dokumentieren und so die Schnittstelle zu anderen Abteilungen und ihrem Team herstellen. Das ermöglicht ihnen, besser auf Kundenanforderungen zu reagieren.

n Innovationsmanagement: Gerade hier gilt: „Time (to market) is money“. Viele Innovationen starten im Kleinen und überschreiten nie die Schwelle eines traditionell organisierten betrieblichen Vorschlagwesens. Weckt eine Idee, kurz in einen Microblog getippt, Interesse, kann Innovation in Microblogs mit einiger Dynamik vorangetrieben und entwickelt werden. Die niedrige Schwelle bei dieser Form der Kommunikation fördert eine innovative Arbeitsumgebung und, durch die Möglichkeit sich aktiv einzubringen, auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter.

Ein Euro pro User und Monat

Die Auswahl unter den Enterprise Microblogging-Diensten ist groß, mittlerweile finden sich weltweit einige Dutzend Anbieter. Unternehmen haben die freie Wahl zwischen kommerziellen SaaS-Lösungen (wie dem amerikanischen Platzhirschen Yammer) oder OpenSource-Software (wie status.net). Einige Anbieter ermöglichen, dass ihr Microblogging-Tool in die bestehende Software-Umgebung installiert wird, bei Bedarf auch im Look-and-Feel des Unternehmens und in bestehende Portale integriert. Das vereinfacht Mitarbeitern den Zugang zur neuen Software erheblich. Zudem kommt eine Lösung hinter der Firewall deutschen Compliance-Anforderungen entgegen. Die Investitionen in diese Technologie sind denkbar gering - SaaS-Lösungen gibt es beispielsweise schon für einen Euro pro Nutzer und Monat, Lizenzvarianten ab 1000 Euro - und Schulungsaufwand entsteht praktisch gar nicht, da Enterprise Microblogging-Anwendungen per se auf Benutzerfreundlichkeit angelegt sind.

Fazit: Effiziente Zusammenarbeit und Kommunikation entscheiden so sehr wie noch nie über Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen. Enterprise Microblogging ist nur ein mögliches Tool für diejenigen, die auf Enterprise 2.0-Lösungen setzen – aber ein niedrigschwelliges und erfolgversprechendes.

* Jens Osthues ist Teamleiter Online Services und verantwortlich für den Enterprise Microblogging Dienst Communote bei der Communardo Software GmbH .

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