T-Systems-Interview:
Noch die Kurve gekriegt

von Markus Bereszewski (markus.bereszewski@informationweek.de)

25.06.2010

Das Ende der Konzern-IT-Töchter schien für viele schon besiegelt. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger. Dr. Ferri Abolhassan, Mitglied der Geschäftsführung von T-Systems, sprach mit InformationWeek-Chefredakteur Markus Bereszewski über die Situation des Dienstleisters.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 3)

Herr Dr. Abolhassan, bis vor zwei Jahren gab es immer wieder Verkaufsgerüchte über die Systemintegration bei T-Systems. Nun ist es ruhig geworden?!

Ja, T-Systems hat sich insgesamt gut erholt und auch der Bereich Systemintegration (SI) ist wieder auf Erfolgskurs. Keiner spricht mehr von Verkauf, ganz im Gegenteil – wir gehören heute zu den Wachstumstreibern. Systemintegration ist eine wichtige Stütze unseres Geschäftsmodells, weil wir nicht nur den Betrieb, sondern auch die Planung und den Auf- oder Umbau der Informationstechnik in Unternehmen im Auge haben.

Woher der Sinneswandel?

Wir haben das Geschäft der SI über die letzten zwei Jahre nachhaltig verbessert und Quartal für Quartal die Profitabilität gesteigert. Wir sind damit wieder auf Wettbewerbsniveau, unsere Kennzahlen sind positiv. Aber: Unsere Kunden sind das Maß der Dinge. Sie müssen wir zufrieden stellen – mit Qualität, wettbewerbsfähigen Preisen, innovativen Lösungen und Flexibilität.

Ihre Kunden waren durch die Verkaufsgerüchte verunsichert. Wie haben Sie sie bei der Stange gehalten?

Wir haben viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Erfolgreiche Projekte in Zeit und in Budget sind der Maßstab. Und wir haben immer wieder gezeigt, dass wir das können. Sicherlich stünden wir heute nicht so gut da, wenn wir nicht größten Fokus auf Qualität und Kundenzufriedenheit legen würden. So konnten wir im Jahr 2009 mehr Großaufträge gewinnen als jemals zuvor, die meisten mit einem stattlichen Anteil an Systemintegrationsleistungen. Dazu gehören Shell ebenso wie Daimler oder auch der Eskom-Auftrag in Südafrika. Dort haben wir übrigens inzwischen eine unserer größten Landesgesellschaften, wir sind in der Top 5.
Aber auch die Analystenhäusern sehen unseren Kurs ausgesprochen positiv. So klassifiziert uns der „Radar SAP C&SI Deutschland 2010“ von PAC mittlerweile als „Excellent“.

Solide, aber nicht sonderlich kreativ?

T-Systems steht aber immer noch in erster Linie für Infrastrukturleistung. Solide, aber nicht sonderlich kreativ.

Das ist eine überholte Wahrnehmung. Viele unserer Kunden erzählen Ihnen heute eine andere Geschichte. So hat uns beispielsweise Mercedes-Benz in Brasilien als „Supplier of the Year 2009“ ausgezeichnet.
Nehmen Sie das vernetzte Auto. Auf der CeBIT war das ein Publikumsmagnet. Oder nehmen sie unsere ERP-Applikationen für Smartphones, wir haben SAP auf das iPhone gebracht.
Oder ein anderes, nicht so bekanntes Beispiel: Von den 46 größten Flughäfen der Welt, die jährlich jeweils mehr als 25 Millionen Passagiere abfertigen, sind 10 Flughäfen unsere Kunden. SAMS, unser Koordinierungssystem für Start- und Landerechte, ist an den 17 größten deutschen Flughäfen im Einsatz.

Reicht das für eine nachhaltige Profitabilität?

Solche Themen machen uns zukunftssicher. Unser Geld verdienen wir natürlich noch immer hauptsächlich mit Plan-Build-Run beziwhungsweise End-to-End Lösungen. Wir sind einer der wenigen Anbieter, der die Informationstechnik und Telekommunikation seiner Kunden über die gesamte Wertschöpfungskette abbildet.
Wachstum erwarten wir uns zudem im Geschäft mit SAP. Wir sind über globale und lokale Partnerschaften eng verbunden. Auch unser Know-how in Branchen wie Automotive, Telko, Retail, Utilities, Manufacturing und Public wird uns dabei helfen, nachhaltig profitabel zu sein.

T-Systems galt häufig als zu teuer …

An unsere Wettbewerbsfähigkeit sind wir sehr konsequent herangegangen. Dazu haben wir auch unsere Offshore-Aktivitäten ausgebaut. Zuerst vor allem durch unsere Partnerschaft mit Cognizant, dann auch mit eigenen Ressourcen, beispielsweise in Brasilien. Heute sind wir hinsichtlich der Produktionskosten mit unserem Wettbewerb mindestens auf Augenhöhe. Unser globales Liefer- und Produktionsnetzwerk setzt uns in die Lage, unseren Kunden an jedem Ort der Erde gleichbleibend hohe Qualität zu bieten. Für diesen Service-Ansatz hat uns übrigens SAP gerade in den Kreis der wenigen globalen Service-Partner aufgenommen.

Wirtschaftskrise und Personalfragen

Haben Sie denn dafür die richtigen Mitarbeiter?

Ein wichtiger Teil unserer Philosophie ist es, auf allen Feldern zu den Besten zu gehören. Wir haben ein neues Portfolio aufgebaut, also müssen wir unsere Mitarbeiter konsequent qualifizieren. Im Moment konzentrieren wir uns auf die Weiterbildung zu Projektmanagern und -Architekten, SAP-Experten und Consultants. Wir geben darüber hinaus unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, sich für andere, zukunftsorientierte Themen fortzubilden. Fehlendes Know-how, vor allem Branchen-Know-how, das wir sehr schnell aufbauen müssen, wollen wir durch Neueinstellungen ergänzen.

Dieser Personalumbau hat sicher Unruhe in der Belegschaft hervorgerufen? Schließlich gab es auch Personalabbau?!

Veränderungen verunsichern zunächst immer. Wir konnten unseren Mitarbeitern aber vermitteln, dass diese Veränderungen notwendig und sinnvoll sind. Mir war dabei besonders wichtig aufzuzeigen, dass wir Potenzial fördern. Nehmen wir das Beispiel SAP: Wir verfügen derzeit weltweit über 3000 SAP-Experten. Knapp 600 Kunden mit 3100 Installationen und fast zwei Millionen Nutzern zeigen unsere Expertise deutlich auf. Das wollen wir ausbauen.
Zum Thema Personalabbau: Wir haben das sozialverträglich gemeinsam mit den Sozialpartnern hinbekommen. Betriebsbedingte Kündigungen gab es nicht und wir haben heute sogar einen Kündigungsschutz.

Hat die Wirtschaftskrise Sie beim Umbau nicht zurückgeworfen?

Die Krise hat uns nicht so stark getroffen, wie manch anderen Anbieter. Das liegt auch daran, dass wir auch in unserem Brot- und Buttergeschäft kreativ waren und für unsere Kunden neue Konzepte entwickelt haben. Mit „Application Management and Modernization“ und „Transformational Outsourcing“ beispielsweise haben wir Werkzeuge, die beim Kunden mehr und mehr überzeugen.

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Ist das denn nicht ein alter Hut?

Keineswegs, die Lösungen treffen die Kunden genau in ihrer aktuellen Situation: Die IT-Budgets schrumpfen weiter, der CIO ist oft nur noch Verwalter des Mangels und kann nicht mehr gestalten. Hier schaffen wir mit unseren Konzepten wieder Spielraum. Applikationslandschaften vereinfachen, harmonisieren, modernisieren und innovieren setzt Kostenpotenziale frei.

… kostet aber immer erst einmal Geld.

Schon durch die Übernahme der IT-Landschaft erzielen wir Skaleneffekte. Diese freien Mittel nutzen wir, um die IT-Landschaft zu modernisieren und umzubauen. Umbauen heißt hier Vereinfachung durch schlankere Prozesse, Reduzierung der Systeme, Zurückfahren externer Dienstleister und das Aussortieren von nicht effektiven Altsystemen mit ihrer ganzen Schnittstellenproblematik. Alles in allem kann man mit unseren Servicepaketen durchschnittlich 25 Prozent an Einsparungen erreichen.

Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen?

Im ICT-Geschäft steckt sehr viel Dynamik. Das macht Voraussagen schwierig. Wir wollen unsere Kunden zufrieden stellen und sie mit unserem ICT-Know-how überzeugen. Jeder Kunde gibt uns einen Vertrauensvorschuss. Wir geben ihm dafür Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen. Wir wollen der „Trusted Advisor“ unserer Kunden sein. Unser Ziel ist es einerseits bei der Qualität, andererseits bei der Profitabilität in der Top 3 der europäischen SI-Player zu sein.

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