Den Namen berühmter High-Tech-Firmen und -Produkten auf der Spur:
Lazy Friday: Warum der iPod eigentlich iPod heißt

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

23.10.2009

Ganze Horden von Werbegurus, Marketingspezialisten, Werbepsychologen und Fachleuten für Markenrecht arbeiten monatelang an ihm, DEM Namen für das neue Produkt, das die Welt verändern wird. Ja von wegen! Wir zeigen Ihnen, auf welch kuriose Art und Weise die Bezeichnungen von bekannten High-Tech-Firmen und -Produkten wirklich zustande kamen.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 9)

Der (Internet)Pod

Wofür steht das »i« beim berühmtesten Musik-Player der Welt? Für »intelligent«, »intellektuell« oder schlichtweg »Ich« (der Pod)?

Der erste iPod, der auf den Markt kam.

Nein, Apples [1] Vordenker Steve Jobs hatte natürlich – wie immer – eine Vision, als die Namensgebung für das weiße Ding anstand: Freiheit, unbegrenzte Kommunikationsmöglichkeiten, kurzum das I steht für Internet. Böse Zungen behaupten dagegen, Apple habe einfach auf einen Begriff zurückgegriffen, den sich das Unternehmen vor Urzeiten hatte schützen lassen. Der einfachste und billigste Weg.

Die "Schwarzbeere" respektive Blackberry

Seinen zehnten Geburtstag feiert der Blackberry in diesem Jahr. Das smarte Taschen-E-Mail-Maschinchen von Research In Motion [2] war 1999 noch ein einfacher Pager mit einem Monochrom-Bildschirm. Zu seinem Namen kam das Smartphone, weil seine Tasten einen Mitarbeiter einer Agentur, die auf der Suche nach einer Bezeichnung für das Mobilgerät war, irgendwie an Erdbeeren erinnerten.

Der erste Blackberry sah noch nicht wirklich elegant aus.

Doch »Strawberry« fand bei RIM keine Gnade. Vielleicht weil diese Frucht allzu sehr an Marmelade, erdbeerrote Lippen oder andere anstößige Dinge erinnert. Klar, »Schwarzbeere« ist da viel seriöser.

Nicht sonderlich kreativ: VoDaFone

Keine Histörchen, keine Mythen, nichts wirklich Aufregendes. Man spürt, dass bei der Namensgebung des Mobilfunk-Service-Providers Vodafone [3] die »Kreativen« auf der Strecke blieben.

Vermutlich hatte die Abteilung »Technisches Marketing« die Federführung. Und die verfuhren nach folgender Formel: Vo (= Voice) + Da (= Data) + Fone (= Telephone) = Vodafone.

Ein typisch britisch-pragmatischer Ansatz eben, ohne Schnörkel.

Firefox: Mit dem »Feuerfuchs« durchs Internet

»Firefox ist einfach zu merken, und wir mögen diesen Namen einfach«, so die Mozilla [4]-Stiftung auf ihrer Web-Seite. Der Feuerfuchs unter den Browsern ist somit nicht das Produkt monatelanger Meetings von Produktmanagern und Marketing-Koryphäen.

Gab dem Browser Firefox seinen Namen: der Rote Panda, ein Verwandter des bekannteren Großen Pandabärs.

Eine »Quick-and-Dirty«-Lösung, aber eine mit Erfolg. Einen Firefox [5] gibt es übrigens auch in der realen Welt. Es ist ein Roter Pandabär, ein Vetter des bekannteren Großen Pandas.

Twitter: Zwitschern wie die Vöglein

Vor drei Jahren kam Jack Dorsey auf die Idee, ein Tool zu entwickeln, um schnell und einfach mit seinen Freuden zu kommunizieren, nach dem Motto »Hey, was machst Du gerade?« Seinen Kumpel Biz Stone erinnerten die Mini-Nachrichten von 140 Zeichen an Vogelgezwitscher – knackige, kurze Botschaften, kein ätzendes Gelabere. Fertig war der Name Twitter [6].

Mittlerweile »zwitschern« weltweit rund 60 Millionen User. Selbst Firmen und Politiker, wie US-Präsident Obama und etliche Bundesminister, finden den Service sexy.

Windows – der 7. Versuch

So recht schlau wird man aus Microsofts [7] Benamsungsstrategie in Sachen Windows nicht: Mal muss eine Zahl herhalten (Windows 3.11, Windows 98), mal ein Kürzel (Windows NT), mal ein eigenartiger Begriff (Windows Millenium Edition, Windows Vista). Beim neuen Windows 7 ist wieder eine Zahl dran.

Ist Windows 7 nun wirklich die siebte Windows-Version, die auf den Markt kommt?

Aber warum ausgerechnet die 7? Ganz einfach, es handelt sich um die 7. Ausgabe von Windows, so Microsoft-Manager Mike Nash in einem Beitrag im Windows-Vista-Blog [8]. Obwohl: Windows 3.x, 2000, 95, NT, 98, Millenium, XP, Vista – das sind doch schon acht Versionen, oder?

Googeln statt yahooen

Google [9] gehört zum erlauchten Kreis der Produktnamen, die es bis in den Duden geschafft haben. Kein Wunder, schließlich googeln wir, und »bingen« oder »yahooen« nicht.

Eine spannende Geschichte verbirgt sich hinter dem Namen der Suchmaschine allerdings nicht. Er leitet sich von »Googol« ab, einem Begriff, den der amerikanische Edward Kasner für die Zahl 10100 einführte. Sergej Brin, einer der Gründer von Google, griff den Namen auf, um die unendlichen Informationsmassen des Internets zu symbolisieren, durch die sich die Suchmaschine wühlen muss. Ein kleines Späßchen unter Mathematikern also.

Urschrei-Therapie: Yahoo!

Yahoooooo [10] - ein Laut, der sich wie der Triumphschrei eines Neandertalers anhört, der gerade ein Mammut zur Strecke gebracht hat. Oder der eines Südstaatlers, der es wieder einmal den blöden Yankees gezeigt hat.

Den Namen ihrer Firma (hier das Hauptquartier in Sunnyvale, Kalifornien) haben die Gründer beim englischen Schriftsteller Jonathan Swift geklaut.

Ganz falsch ist das nicht. In Jonathan Swift Buch »Gullivers Reisen« sind die Yahoos primitive, unzivilisierte Zeitgenossen von abstoßendem Äußeren. Als solche stuften sich auch die Yahoo-Gründer Jerry Yang und David Filo ein – und offenkundig auch ihre Firma, die sie 1994 gründeten. Nun, ganz so primitiv ist die Suchmaschine Gott sei Dank nicht (mehr). Immerhin rangiert sie hinter Google auf Rang zwei, was die Zahl der Suchanfragen betrifft, vor Microsofts »Bing«.

Die Primitiven mit dem roten Hut: Red Hat

Ein roter Hut als Firmenlogo? Ganz schön mutig, zumal in den USA, wo die Farbe Rot immer noch mit bösen Kommunisten assoziiert wird.

Aber der Hintergrund des Firmennamens Red Hat [11] ist politisch durchaus korrekt: Unternehmensgründer Marc Ewing bekam von seinem Großvater auf dem College die rot-weiße Mütze des Lacrosse-Teams übergestülpt.

Das beeindruckte Ewing derart, dass er eine Manie für rote Hüte entwickelte, auch als er später an der Carnegie-Mellon-Universität studierte. Und konsequenter Weise verpasste er auch seiner Linux-Distribution einen roten Hut.

Apple: Kultiges in Schneeweiß

Kaum zu glauben. Aber ausgerechnet Steve Jobs, der Schöpfer verspielter High-Tech-Spielzeuge, verdiente sich 1976 ein Zubrot als Hilfsarbeiter auf einer Ökofarm von Freunden in Kalifornien. Bei dieser erdverbundenen Tätigkeit, vermutlich bei der Apfelernte, soll er auf den Namen seiner Computerfirma gestoßen sein.

Der Beginn der Apfel-Legende: Steve Wozniak (links) und Steve Jobs mit dem ersten Apple-Rechner. Die Idee zum Namen und dem Logo kam Jobs angeblich bei der Arbeit auf einer Farm.

So zumindest sein Mitstreiter Steve Wozniak in einem Buch über die Anfänge des Unternehmens. Doch bereits damals hatte Jobs angeblich die Vorahnung, dass ihm Apple [1] Ärger einbringen würde. Stimmt, unter anderem verklagten ihn die Beatles, die sich den »Apfel« bereits ein paar Jährchen früher für ihr Platten-Label gesichert hatten.

[1] http://www.apple.de
[2] http://www.RIM.com
[3] http://www.vodafone.de
[4] http://www.mozilla.org
[5] http://www.mozilla.com/en-US/firefox/ie.html
[6] http://www.twitter.com/
[7] http://www.microsoft.de/
[8] http://windowsteamblog.com/blogs/windowsvista/archive/2008/10/13/introducing-windows-7.aspx?PageIndex=1
[9] http://www.google.de
[10] http://www.yahoo.de
[11] http://www.redhat.de/
[12] http://www.apple.de

Verwandte Artikel