Kommentar:
Déjà vu: Apple kurz vor der Klippe

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de)

11.06.2010

Die Situation hat es schon einmal gegeben: Apple mit ganz großem Erfolg. Doch dann stürzt das Unternehmen ab. Mit dem jetzigen Kurs könnte Apple wieder so ein Desaster heraufbeschwören.

Derzeit steht Apples Erfolg auf dem Zenith. Mit dem iPad hat das Unternehmen die Konkurrenz erstmal kalt erwischt. Das Gerät ist ein Verkaufsschlager. Mit dem iPhone hat Apple eine Nutzungsoberfläche geschaffen, der andere Geräte- und Betriebssystem-Hersteller lange überhaupt nichts entgegen zu setzen hatten. Da stellt sich die Frage: Geht Apples Erfolg nun unbegrenzt weiter?

Wie in den 90-ziger Jahren könnte Apple auch heute wieder vor dem Abgrund stehen. (Quelle: Fotolia)

Vielleicht ist es bei manchen in Vergessenheit geraten: Aber Apple stand schon einmal ganz vorne. Die Nutzungsoberfläche der Apple-Computer war unübertroffen, Netzwerke waren einfach mit Appletalk und Windows hatte mit Version 3.1 noch die Windeln an. Doch dann versinkt Apple in der Bedeutungslosigkeit. Mit Windows 3.11 kommt die erste brauchbare Oberfläche und mit Windows-NT schafft sich Microsoft die Basis für einen breiten Erfolg bei den Unternehmen. Apple-Rechner werden zu Nischenprodukten wie im Medien-Bereich.

1983 holt Jobs John Sculley von Coca Cola als CEO. 1985 muss Jobs wegen Streitigkeiten die Veranwortung für den Unternehmensbereich Macintosh abgeben. Er kommt erst 1996 mit dem Kauf von NEXT wieder zu Apple zurück.

Heute ist der Erfolg wieder gefährdet

Heute steht Apple wieder ganz vorne. Aber Jobs könnte das Unternehmen in den Abgrund führen. Denn bei genauerem Licht besehen, ist Apples Vormachtstellung gefährdet. Dies liegt an zwei Punkten: Einmal schottet sich Apple immer mehr ab. Apps lassen sich nur über den App Store herunterladen, dessen Zugangs Jobs sehr rigide handhabt. Das zugehörige Werbeprogramm iAd schließt Konkurrenten wie Google oder Microsoft quasi aus. Apple schließt Flash von seinen Geräten aus, was sich gegen Adobe richtet, auch wenn Jobs dies anders verlautet.

Zum anderen erwächst dem iPhone-Betriebssystem mit Android von Google ein ernstzunehmender Gegner. Dafür gibt es etwa mit Touchflow von HTC eine interessante Oberfläche. Auch Microsoft wappnet sich: Mit Windows Phone 7 kommt nun ein Betriebssystem mit einer ansprechenden Nutzungsoberfläche. Neben Exchange bietet die 7er-Version auch eine Anbindung an Sharepoint, das sich wachsender Beliebtheit bei Unternehmen erfreut. Bei Apple haben sich Unternehmen dagegen immer schwer getan, es in Netzen einzusetzen.

Diese Mischung aus Abschottung vom Rest des Universums und der Verlust des großen Vorsprungs bei der Bedienbarkeit könnte Apple von ihrem Thron reißen. Vielleicht versinkt es wieder in der Bedeutungslosigkeit. Oder es wacht auf und merkt, dass es nicht der Mittelpunkt des Universums ist.

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