Die iPad-Klone kommen:
Computex behauptet sich als Order-Messe
Die Computex hat als zweitgrößte IT-Messe der Welt 2010 wieder ihre Bedeutung als Order-Messe unter Beweis gestellt. 35.000 internationale Einkäufer sind in diesem Jahr nach Taiwan gekommen und geben damit schon eine Vorschau auf den Jahresverlauf. Die Hype-Themen: Die iPad-Konkurrenten und die 3D-Technologie.
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Am vergangenen Wochenende ist mit der Computex in Taiwan die weltweit zweitgrößte Computermesse nach der CeBIT zu Ende gegangen. In diesem Jahr feierte die Computex 30-jähriges Jubiläum mit über 120.000 Besuchern, rund 4.500 Ständen, in denen über 1.700 Aussteller ihre Produkte und Lösungen präsentierten. Besonders freut sich die Taitra (Taiwan External Trade Development Council) über die gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegene Anzahl von internationalen Gästen. Über 35.000 Einkäufer aus 169 Ländern sind nach Taiwan gekommen, um das Jahresendgeschäft und das laufende Jahr zu planen. Denn auch in diesem Jahr hat sich gezeigt, dass die Computex in erster Linie eine Order-Messe ist, auf der die Einkäufer aus der ganzen Welt Geschäfte zum Abschluss bringen.
Am stärksten vertreten waren 2010 Geschäftsleute aus USA, Japan, China, Hong Kong, and Süd-Korea. Die Taitra hat dafür gesorgt, dass sich die Teilnehmer neben der Messe in so genannten »Procurement Match-Making Meetings« treffen. Das Ergebnis: Laut Taitra wurden bei diesen Treffen Geschäfte in einer Größenordnung von über 230 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Durch ihre Bedeutung als Order-Messe gibt die Computex bereits Anhaltspunkte dafür, welches Wachstum die IT-Branche 2010 erwartet. Darauf angesprochen, äußern sich die Unternehmen weiterhin zurückhaltend, obwohl das erste Quartal bei fast allen Herstellern sehr stark verlaufen ist. Im zweiten Quartal lässt die Nachfrage erneut nach – allerdings verläuft das Frühjahrsquartal in der Regel immer schwächer.
Während viele Hersteller im ersten Quartal nicht auf die gute Nachfrage vorbereitet waren und mit dem Liefern nicht nachkamen, steht momentan eher zu viel Ware in den Lagern. Die wirtschaftliche Lage bleibt unbeständig und viele planen nach wie vor vorsichtig. Wie Thomas Wulle, Managing Director vom taiwanesischen Scanner-Hersteller Avision ausführt, ist Kommunikation derzeit das wichtigste. »Wir sind für unsere Planung darauf angewiesen, dass unsere Kunden frühzeitig mit uns sprechen, wenn Projekte anstehen«, erläutert Wulle. Die meisten Hersteller müssen eine Lieferzeit von mindestens zwei Monaten berücksichtigen. Entspannen können sich die Hersteller 2010 noch nicht und das Niveau vor 2009 ist lange nicht erreicht. Das bestätigt auch Manfred Grandis, Product Manager von Distributor BHS Binkert, der die Computex seit einigen Jahren regelmäßig besucht: »Das Geschäft zieht wieder an, aber wir müssen härter arbeiten, um die gleichen Ergebnisse wie vor der Krise zu erzielen«.
»Hier sehen wir die nächste Generation, die kommt«
Wie viele Aussteller und Besucher der Computex gegenüber Computer Reseller News ausführten, schätzen sie an der größten IT-Messe Asiens, dass dort Produkte gezeigt werden, die bereits marktreif sind und für den Vertrieb bereits stehen. »Hier sehen wir die nächste Generation, die kommt«, sagt beispielsweise Thomas Nedder, Managing Director von Sony Optiarc Europe im Gespräch mit Computer Reseller News. Um wirkliche Neuigkeiten zu zeigen und einen Einblick zu geben, was in Zukunft einmal möglich sein wird, gibt es andere Bühnen wie die IFA oder die CES. Die einzige Ausnahme von dieser Regel bilden in diesem Jahr die zahlreichen iPad-Klone, die beispielsweise an den Ständen von Microsoft und Intel in geballter Form vorgestellt wurden.
Doch egal ob von den taiwanesischen Herstellern wie Asus, MSI oder diversen chinesischen Herstellern, die Geräte werden erst Anfang 2011 auf den Markt kommen. Nur vereinzelte chinesische Unternehmen rechnen schon mit September. Die einzigen iPad-Alternativen, die bereits erhältlich sind, kommen von Dell (bei O2 in Großbritannien und online bei carphonewarehouse.com) und Archos. Die Apple-Konkurrenten verfolgen die Strategie, ihre Geräte mit Windows 7 als Betriebssystem und mit Intel Atom-CPUs auszuliefern, um eine Klientel anzusprechen, die nicht zu den klassischen i-Jüngern gehört.
Das Google-Bertriebssystem Android, das bislang vor allem im Smartphone-Bereich zu finden war, wird bei vielen iPad-Klonen als Oberfläche dienen – zumindest als Alternative. Simon Gao vom chinesischen Hersteller Gemsta erhofft sich auf diese Weise, eine Kunden-Klientel zu gewinnen, die lieber mit der gewohnten Software arbeiten will, als mit den Apple-Apps. Gemsta stellt den eigenen iPad-Konkurrenten auf dem Stand von Intel aus und bietet und bietet die Geräte auch anderen Herstellern als OEM an. Asus präsentiert mit dem »Eee Pad« ebenfalls einen Prototyp in einer zehn- und zwölf-Zoll-Variante. Das kleinere Modell soll mit einer Embedded-Version von Windows 7 »Windows Embedded Compad 7« auf dem Markt kommen mit einem Nvidia-Prozessor – das größere Gerät mit Windows 7 und einem Intel Dual Core-CPU.
Hybriden zwischen Tablet und Netbook
Was die Geräte besonders interessant macht: Asus zeigt das Eee Pad auf der Computex zusammen mit einer Docking-Station und einer Tastatur, die die Pads in ein Netbook verwandeln. MSI setzt bei seinem »Wind Pad« auf eine Version mit Android und eine mit Windows 7. Ob die Hersteller noch rechtzeitig mit ihren Produkten auf den Markt kommen wird in der Branche uneinheitlich bewertet. Die Chinesen wollen zwar früher mit den Geräten kommen als MSI und Asus, allerdings nur wenn die Nachfrage gegeben ist. Da Apple seinen Vorsprung behaupten wird, bezweifeln Branchen-Kenner, dass ein Teil der Klone jemals den Markt erreichen werden.
Wie schon auf der CeBIT spielten auch in Taiwan verschiedene Einsatzformen der 3D-Technologie eine große Rolle. Die auf der Computex vorgestellten Displays und PCs adressieren allerdings einen Markt, in dem die Hersteller heute schon Geschäftspotenzial sehen. MSI stellte unter anderem einen 3D-All-in-One-PC vor, der in einer Preisklasse von um die 1.400 Euro auf den Markt kommt. Die Hersteller setzen bei der 3D-Technologie derzeit vor allem auf die Gamer-Klientel. Sowohl MSI als auch Asus und Acer präsentieren deshalb leistungsfähige Gaming-PCs mit 3D-Effekt.
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