Videoconferencing:
Tandberg-Aktionäre opponieren gegen Kauf der Firma durch Cisco
Auf den Widerstand einer beträchtlichen Zahl der Aktionäre von Videoconferencing-Spezialist Tandberg stößt die Übernahme-Offerte von Cisco Systems. Sie sind mit dem Angebot in Höhe von rund 3 Milliarden Dollar unzufrieden.
Teurer als vorgesehen könnte Cisco Systems [1] die Übernahme von Tandberg [2] kommen. Etliche Aktionäre, die an dem Hersteller von Videokonferenzsystemen rund 24 Prozent der Anteile halten, wiesen das Angebot von Cisco in Höhe von 2,9 Milliarden Dollar zurück.
Offenkundig geht es den Aktionären nicht darum, den Kauf an sich zu torpedieren. Sie wollen einen höheren Preis herausschlagen. Ihre Forderungen untermauern sie mit dem Hinweis auf die guten Wirtschaftsdaten von Tandberg.
Der Grund, warum Cisco Tandberg übernehmen will: Auf dem lukrativen Markt Videoconferencing und Telepresence spielt das Unternehmen derzeit keine Rolle. An die 41 Prozent der weltweit installierten Systeme stammen von Polycom, gut 26 Prozent von Tandberg.
Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (Ende: 30. September 2009) steigerte Tandberg den Umsatz um Vergleich zu 2008 um 11,6 Prozent auf 234,7 Millionen Dollar. Der operative Gewinn stieg von 45,3 Millionen auf 50 Millionen US-Dollar.
Cisco dürfte nachbessern
Speziell in den USA konnte Tandberg zulegen. Der Umsatz dort kletterte von 109,1 Millionen Dollar auf 129,7 Millionen. Im Geschäftsjahr 2008 erzielte die norwegische Firma einen Umsatz von 809 Millionen Dollar.
Im ersten Halbjahr 2009 verkaufte Polycom weltweit die meisten Profi-Videokonferenzlösungen.
Eine Reaktion von Cisco auf die »Revolte« der Aktionäre steht noch aus. Es ist zu erwarten, dass der weltweit größte Hersteller von Netzwerkausrüstung sein Angebot nachbessert.
Dagegen gilt es als höchst unwahrscheinlich, dass sich ein Rivale von Cisco, etwa Polycom [3], Tandberg durch einen Überraschungscoup sichert. Das Management des norwegischen Herstellers hat sich bereits einmütig für Cisco ausgesprochen.
Daten zum Videokonferenzmarkt
Nach Daten der Beratungsfirma Wainhouse Research [4] ist derzeit Polycom weltweiter Markführer bei professionellen Videokonferenz- und Telepräsenzsystemen. Rund 35 Prozent aller Geräte, die im ersten Halbjahr 2009 verkauft wurden, stammten von der amerikanischen Firma. Tandberg kam auf 31 Prozent, Cisco dagegen nur auf 1 Prozent.
Auch was die installierte Basis betrifft, hat Polycom die Nase vorn. Ende Juli dieses Jahres betrug der weltweite Marktanteil von Polycom 41 Prozent, der von Tandberg 26 Prozent. Cisco spielte mit weniger als 1 Prozent Anteil so gut wie keine Rolle in diesem Bereich.
[1] http://www.cisco.de/
[2] http://www.tandberg.com/
[3] http://www.polycom.com/
[4] http://www.wainhouse.com/
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