Datacenter: Stromversorgung:
HP-Projekt: Kühe versorgen Rechenzentren mit Energie

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

25.05.2010

Eine unkonventionelle Art, um Strom für Datacenter zu erzeugen, haben Forscher von Hewlett-Packard entwickelt. Sie haben berechnet, dass der Stalldung von 10.000 Kühen ausreicht, um Energie für 1000 Server zu liefern.

Nicht nur für die IT-Industrie ist die Umweltverträglichkeit ein Thema, das immer weiter an Bedeutung zunimmt. Das gilt vor allem für Rechenzentren, und dort speziell für den Stromverbrauch.

Aus Kuhdung lässt sich Biogasstrom erzeugen, den IT-Systeme und Datacenter nutzen können, so Forscher von Hewlett-Packard. (Foto: Pixelio.de/M.E.)

Zu den »Umweltsündern« gehören auch Agrarbetriebe, vor allem solche, die sich auf Massentierhaltung spezialisiert haben. Ein Problem solcher Farmen ist Methan, das durch die Ausscheidungsprodukte der Tiere entsteht und in großen Mengen in die Atmosphäre gelangt.

Forscher der HP Labs von Hewlett-Packard [1] haben nun im Rahmen eines Projekts ein Verfahren entwickelt, das die zwei Welten IT und Tierhaltung zusammenbringt. Sie nutzen den Stallmist, den Rinder produzieren, um daraus Strom zu gewinnen.

Wie das funktioniert, beschreiben die fünf Experten in diesem White-Paper [2]. Nach ihren Angaben produziert eine Milchkuh im Jahr rund 20 Tonnen Mist. Dieser lässt sich mithilfe eines anaeroben Gärverfahrens in Biogas umwandeln.

Brennstoffzellen oder Turbinen »füttern«

Dazu werden die Abfallprodukte der Tiere in einem geschlossenen Container von Mikroben zersetzt. Das dabei entstehende Biogas hat einen Anteil von etwa 60 bis 70 Prozent Methan.

Der Weg vom Dung zur Datacenter-Energieversorgung in der Theorie: Praxistests gibt es derzeit noch keine.

Es lässt sich auf unterschiedliche Weise verwenden, etwa um Brennstoffzellen zu »betanken« oder Mikroturbinen anzutreiben. Auch ein Hubkolben-System kann mit Energie versorgt werden.

Die HP-Experten haben durchgerechnet, dass 10.000 Rinder ausreichen würden, um im Jahr etwa 1,2 Megawatt zu erzeugen. Dieser Strom würde ausreichen, um ein Rechenzentrum mit etwa 1000 Servern zu betreiben.

Außerdem könnten mit der Abwärme der Turbinen und des Datacenters die Ställe der Tiere geheizt oder Warmwasser-Boiler betrieben werden.

Problem: Großfarmen sind selten

Ein Haken bei dem Konzept: Derzeit gibt es keine Farmen, auf denen sich 10.000 Rinder tummeln, nicht einmal in den USA. Nach Angaben des US-Agrarministeriums hat eine Farm in den Vereinigten Staaten im Schnitt rund 1000 »Rindviecher«. Nur wenige Großfarmen halten bis zu 5000 Tiere.

Eine Herde von 10.000 Rinder erzeugt rund 1,1 Megawatt - genug für ein größeres Rechenzentrum.

Allerdings könnten verschärfte Umweltschutzauflagen und Prämien den Trend in Richtung »Mist zu Strom« durchaus fördern – allerdings wohl nicht in Form von Datacenter-Rinderzucht-Kombinaten.

So werden beispielsweise auch in Deutschland landwirtschaftliche Biogasanlagen staatlich bezuschusst. Landwirte erhalten unter anderem einen garantierte Einspeisevergütung für Biogasstrom. Die Energie wird somit in das Stromnetz eingespeist und nicht speziell IT-Einrichtungen zur Verfügung gestellt, bestenfalls dem PC des Landwirts.

[1] http://www.hp.com/de
[2] http://www.hpl.hp.com/news/2010/apr-jun/HP_ASME_PAPER.pdf