Teilweise umfangreiche Sicherheitsfunktionen:
Test Remote-Control: Der Unterschied liegt in den Details - Teil 2

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de), Dirk Jarzyna

14.10.2009

Remote-Control-Software ist in den Grund-Features nahezu gleich. Ihren Wert beweisen sie unter anderem in den Zusatzfunktionen, wie ein Test der Network Computing zeigt. Teilgenommen haben Famatech, Logmein, Netop, Netsupport/PCI-Software und Symantec.

Der letzte große Test von Remote-Control-Programmen liegt inzwischen zwei Jahre zurück. Ob und wie sich die Produkte weiter entwickelt haben, untersuchte Network Computing erneut in einem Vergleichstest. An diesem haben die Hersteller Famatech, Logmein, Netop, Netsupport/PCI-Software und Symantec teilgenommen. Lesen Sie im Folgenden den zweiten Teil des Tests mit Produkten von Netsupport/PCI-Software und Symantec. Den ersten Abschnitt [1] mit den Ergebnissen von Famatech, Logmein und Netop gibt es auch online. Eine Einführung zu Remote-Control-Software finden Sie ebenfalls auf Networkcomputing.de [2].

LogMeIn RemotelyAnywhere 9

Remotely-Anywhere ist ein besonderes Produkt, denn es nutzt ausschließlich Web-Technik und benötigt keinerlei zusätzliche Software auf den Computern, über die die Administratoren auf Hosts zugreifen. Das bedeutet, dass ein Zugriff tatsächlich von jedem Computer aus möglich ist, der über einen Java-fähigen Web-Browser verfügt - das schließt Linux- und Unix-Systeme ein.

Steckbrief

Remotely Anywhere 9

Hersteller: LogMeIn

Charakteristik: Remote-Control-Software

Preis: ab 200 Euro (Workstation-Edition)

Web: www.remotelyanywhere.com [3]

Plusminus

+ Universeller Zugriff via Web-Browser

+ Viele Zusatzfunktionen

Dabei spielt es keine Rolle, ob der zugreifende Computer mit dem Host über das Internet, ein Intranet, ein lokales Netzwerk, per DSL, ISDN, Infrarot, Funk oder Klingeldraht kommuniziert. Selbst Wireless-PDAs unterstützt das Programm.

Auf der Hostseite ist Remotely-Anywhere allerdings nicht ganz so flexibel, denn dort arbeitet das Produkt ausschließlich mit Windows-Systemen zusammen. Dies geht von Windows-98 bis zu Windows-XP, Vista und mit der aktuellen Version auch Windows-Server-2008. Zu beachten ist, dass für Windows-98/-Me-Hosts nicht sämtliche Features zur Verfügung stehen.

Die Installation von Remotely-Anywhere auf einem Host ist in wenigen Minuten und mit minimalen Benutzereingaben erledigt. Ist das Programm erst einmal auf einem Host installiert, lässt es sich von zentraler Stelle aus über die Webschnittstelle auf weiteren Hosts installieren, die ans Windows-Netzwerk angeschlossen sind.

Wer Remotely-Anywhere bereits kennt, dem fällt nach dem Start zunächst das neue Design der Benutzeroberfläche der Version 9.0 auf. Die Schnittstelle gefällt nun optisch besser. Überarbeitet wurde auch der Drag-and-Drop-Dateitransfer. Dateien und Ordner lassen sich auf einem Remotely-Anywhere-Computer einfach mit der Maus selektieren und zu einem anderen Remotely-Anywhere-Computer ziehen, um sie an beliebiger Stelle fallen zu lassen. Die Funktion steht während Remote-Control- und File-Manager-Sitzungen zur Verfügung. Ein weiteres neues Feature ist die Unterstützung von Sound-Streaming während einer Remote-Control-Sitzung.

Um auf einen Host zuzugreifen, startet der Administrator einfach seinen Browser und trägt den Computernamen oder die IP-Adresse des Zielsystems ein, gefolgt von einem Doppelpunkt und der genutzten Portnummer. Die Benutzerauthentifikation erfolgt durch Eingabe von Benutzername, Passwort und Domäne gegen die Windows-Anmeldekontendatenbank. Wahlweise ist eine NTLM-Authentifizierung möglich, sofern auf Systeme zugegriffen wird, die dies unterstützen.

Die Benutzeroberfläche von »Remotely-Anywhere« von LogMeIn wurde überarbeitet: Sie wirkt in der Dashboard-Ansicht aber trotzdem leicht überladen.

Remotely-Anywhere unterstützt außerdem die RSA-SecureID-Authentifizierung. Standardmäßig zeigt das Produkt nach der Authentifikation ein informatives Dashboard mit einem Auswahlmenü auf der linken Seite. Blendet der Administrator jedoch im Anmeldefenster die erweiterten Optionen ein, dann kann er auch direkt die gewünschte Remote-Management-Funktion, beispielsweise die Fernsteuerung oder den Dateitransfer, starten und die gewünschte Sprache auswählen.

Remotely-Anywhere offeriert dem Administrator für eine Fernsteuerungssitzung viele Einstellungsmöglichkeiten: die Remote-Tastatur- und Maus lässt sich während der Fernsteuerungssitzung ausschalten und der Computer bei einem Verbindungsabbruch automatisch sperren. Konfigurieren lässt sich auch, dass der Benutzer des Hostsystems seine Zustimmung geben muss, bevor der Rechner aus der Ferne bedient werden kann.

Funktionen wie das Senden von Strg+Alt+Entf oder anderer Tastenfolgen sowie Zwischenablagetransfers stehen als separate Menüoptionen zur Verfügung. Der Ausdruck auf Remote-Druckern wird unterstützt und Laufwerke des entfernten Computers lassen sich über einen frei wählbaren Laufwerksbuchstaben verbinden. Diese Funktion gleicht dem Mapping von Netzwerklaufwerken.

Das Produkt enthält für die Sicherheit eine eigene Benutzerzugriffssteuerung und unterstützt DoS- (Denial-of-Service) und Einbruchversuchsfilter, die in der Standardeinstellung auch gleich aktiviert sind. Weitere Filter, die Computern mit spezifischen IP-Adressen den Zugriff auf das System entweder erlauben oder verweigern, kann der Administrator hinzufügen. Schaltet der Administrator die SSL-Unterstützung für Remotely-Anywhere ein, dann verschlüsselt das Programm sämtlichen Datenverkehr zwischen Hosts und steuernden Stationen. Eine weitere Sicherheitsvorkehrung ist, dass Remotely-Anywhere bereits in der Standardeinstellung alle Systemaktivitäten genau protokolliert.

NetSupport Manager 10.50

Netsupport-Manager, kurz NSM, ist eine sehr vollständige Remote-Control/Management-Lösung. Sie ist auf den Einsatz in größeren Unternehmen zugeschnitten ist, wo es besonders auf zentrales Deployment und Management ankommt. Das Produkt wartet mit einer breiter Plattformunterstützung (neben Windows auch Pocket-PC, Linux und Macintosh) und hoher Geschwindigkeit auf.

Reportcard

NetSupport Manager 10.50

Hersteller: NetSupport

Charakteristik: Remote-Control-Software

Preis: auf Anfrage

Web: www.pci-software.de [4]

Plusminus

+ Viele Features

+ Angenehmen Benutzeroberfläche

+ Hohe Geschwindigkeit

NSM besteht aus zwei Hauptkomponenten, Control und Client. Control bezeichnet hier die Software, die auf dem Computer des zugreifenden Administrators läuft, die Client-Komponente ist das, was andere Hersteller als Host-Software bezeichnen. Control- und Client-Code dürfen sich auf einer Maschine befinden, was bedeutet, dass diese Maschinen sowohl steuern als auch aus der Ferne gesteuert werden können.

Neben einer einfachen Installation durch die direkte Ausführung der Setup-Datei (MSI-Format) unterstützt das Produkt eine Netzwerkinstallation. Dazu kopiert der Administrator Setup-, Lizenzierungs- und Konfigurationsdateien in ein Verzeichnis auf einem zentralen Server. Die Benutzer verbinden sich anschließend mit dem entsprechenden Serververzeichnis und führen die Setupdatei aus.

Es existiert noch eine weitere Installationsmethode für vernetzte Computer: Mit dem Netsupport-Deploy-Utility können Administratoren von zentraler Stelle aus Push-Installationen durchführen, ohne dass anschließend auf den Hosts irgendetwas getan werden muss. Das Utility lässt sich ferner einsetzen für Updates von Lizenzinformationen sowie Client-Konfigurationen und sogar für Remote-Deinstallationen des Pakets.

Das Programm liefert eine Liste aller verfügbaren Netzwerke gemeinsam mit Domänen- und Arbeitsgruppeninformationen. Administratoren selektieren lediglich die Hosts, auf denen sie das Paket installieren wollen, klicken dann in der Menüleiste auf »Verteilen« und selektieren dann nur noch das zu verteilende Paket. Selbstverständlich lieferte das Deploy-Utility detaillierte Informationen über erfolgreiche und fehlgeschlagene Installationen.

Die Fernsteuerung ist sehr schnell und unterstützt einen Modus, in dem der Administrator die Clients zwar beobachten, aber nicht steuern kann. Die Client-Scan-Funktion blendet ausgewählte Client-Bildschirme in einem vorgegebenen Intervall nacheinander ein. Auf Wunsch zeichnet NSM Fernsteuerungssitzungen für eine spätere Wiedergabe auf.

Mit dem Zeige-Feature lässt sich der Inhalt des Administrator-Bildschirms auf ausgewählten Hosts darstellen, was beispielsweise für Trainingssitzungen sehr nützlich ist. Unterstützen die Client-Maschinen Wake-up-on-LAN, dann können Administratoren sie remote ein- und ausschalten.

Am Dateitransfer von NSM gibt es nichts auszusetzen. Dateien und/oder ganze Verzeichnisse verschiebt oder kopiert der Administrator einfach per Drag-and-Drop. Das Programm unterstützt auch die Synchronisation von Verzeichnissen. Mit dem Scripting-Werkzeug planen Administratoren Aufgaben für eine unbeaufsichtigte Ausführung. Das können sich wiederholende Dateitransfers, aber auch Eingriffe in Remote-Registries und Abrufe von Verzeichnislisten sein.

Der »Remote Control Manager v10.50« von Netsupport bietet eine angenehme Benutzerschnittstelle mit Miniaturdarstellung der verbundenen Remote-Systeme.

Eine Chat-Funktion, ein Nachrichtenversand, ein Remote-Command-Prompt, Remote-Programmstart und eine umfangreiche Hard- und Softwareinventarisierung runden das Produkt ab. Zu den seit dem letzten Test neu hinzugefügten Features gehören eine erweiterte Gateway-Unterstützung (Windows-Server-2008 und -Vista), erweiterte Unterstützung für Smartcards und ein einfacherer Dateitransfer zum Client-Desktop.

Fazit

Für den Einsatz im Unternehmen uneingeschränkt zu empfehlen sind Netop-Remote-Control, PC-Anywhere und Netsupport-Manager. Wer kein Problem mit einer Software hat, die durchgängig Webtechnik nutzt, ist mit Remotely-Anywhere ebenfalls gut bedient. Radmin glänzt durch Geschwindigkeit und Bedienungsfreundlichkeit, bietet großen Unternehmen sonst aber kaum Vorteile.

Kasten: Testverfahren Remote-Control-Software

Getestet wurden Produkte, die als Mindestvoraussetzung von einem Windows-Arbeitsplatz aus andere Windows-Computer fernsteuern können. Die Produkte wurden Network Computing entweder von den jeweiligen Herstellern als Originalversionen zur Verfügung gestellt oder aus dem Internet von den Webseiten der jeweiligen Hersteller heruntergeladen.

Bei den Tests der Fernsteuerungs- und Dateitransferfunktionen interessierte, wie einfach sie bedienbar sind und welche Funktionen zur Verfügung stehen. Untersucht wurden vorrangig Funktionen, die im Enterprise-Einsatz wichtig sind. Die Testkonfiguration bestand aus zwei Windows-2003-Servern, einem Windows-Server-2008-System und mehreren Arbeitsstation, die mit den Betriebssystemen Windows-XP und Windows-Vista ausgerüstet waren. Als Transportprotokoll im lokalen 100-MBit/s-Netzwerk wurde TCP/IP genutzt.

[1] test-remote-control-der-unterschied-liegt-in-den-details/
[2] die-grenzen-zwischen-remote-management-und-control-verwischen/
[3] http://www.remotelyanywhere.com/
[4] http://www.pci-software.de/

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