Schnelles Internet für alle Dresdner Bürger:
Breitbandausbau in Eigeninitiative
Weil die Versorgung mit DSL in der Ortschaft Schönfeld-Weißig bei Dresden unzureichend ist, nimmt eine kleine Gruppe Anwohner die Breitbandanbindung selbst in die Hand. Auf der Suche nach einem Partner mit Erfahrungen auf diesem Gebiet wenden sie sich an einen ortsbekannten Verein, der ein stetig wachsendes »Netzwerk der Bürger« in Dresden und Umgebung betreibt.
Das Engagement der Anwohner zahlt sich aus. Per Wireless-LAN-Richtfunk wird das Gebiet über eine Gegenstelle in Dresden an das Vereinsnetz angeschlossen. Auch in der östlichsten Ortschaft Dresdens können die Bewohner nun mit DSL-Geschwindigkeit im Internet surfen.
Die Nachrichten jederzeit als Video-Stream anschauen können, in Sekundenschnelle aktuelle Software runterladen, in den Angeboten eines Online-Shops stöbern oder sich in sozialen Netzwerken tummeln: Mit schnellem Internet ist das kein Problem. Doch Breitbandanschlüsse für Unternehmen und Haushalte sind noch immer nicht überall verfügbar. Wo es an ihnen mangelt ist oft schon E-Mail-Kommunikation oder das Anzeigen von Webseiten mit multimedialen Inhalten eine Hürde.
Zwar versprechen Politik und Provider, flächendeckend schnelles Internet für alle, aber bis das überall angekommen ist, werden noch einige Jahre vergehen. Insbesondere in ländlichen und strukturschwachen Regionen, aber überraschenderweise auch in einigen größeren Städten ist schnelles Internet noch in weiter Ferne.
Aus dieser Not heraus ist der Förderverein Bürgernetz Dresden e.V. entstanden: Heute eines der größten Funknetzwerke Deutschlands. Das Bürgernetz ist jedoch kein kommerzieller Provider. Personen, Unternehmen und Institutionen unterstützen den gemeinnützigen Verein, der sich das Thema Bildung rund um die neuen Medien zum Auftrag gemacht hat. Aktuell zählt der Verein 1750 Mitglieder, die mit dem schnellen Vereinsnetz verbunden sind. Tendenz: Steigend. Das Prinzip ist einfach: Bekommt eine Ortschaft im Umkreis Dresdens keinen Breitband-Anschluss, kann sie sich an den Verein wenden. Schon ab zehn neuen Vereinsmitgliedern an einem Standort rechnet sich die Anbindung an das Netz des Vereins. Dass das finanzierbar ist, verdankt der Verein einer Technik, die fast jeder von zu Hause kennt: Wireless-LAN.
Blick zurück: Von der Studenteninitiative zum Breitbandversorger
Vor nunmehr zehn Jahren hat der Verein mit dem Aufbau des WLANs begonnen. Seinen Ursprung fand das Netz schon 1995, als die Bewohner eines Dresdner Studentenwohnheims ein Hausnetz installierten, um einen schnellen Internetanschluss gemeinsam nutzen zu können. Wo keine Leitung bestand, wurde eine Funkverbindung „Marke Eigenbau“ über einen Linux-Rechner mit WLAN-Antenne improvisiert. Aus diesem Vorbild entstand 1999 der Förderverein Bürgernetz Dresden e.V., der sich zum Ziel gemacht hatte, jedem Mitglied Zugang zum schnellen Internet zu bieten. Größte Herausforderung: Der Ausbau des Breitbandnetzes sollte zum einen keinen großen Aufwand erfordern und zum anderen mit geringen Kosten verbunden sein. So war die einzige Alternative zum Schließen der Versorgungslücken die Internetanbindung per WLAN.
Das Funknetz heute: Über 200 Access-Points und 1750 Nutzer
Das Engagement des Vereins sprach sich schnell rum. So wuchs der Verein kontinuierlich und das vereinseigene Netz vergrößert sich stetig. Heute funken in Dresden und Umgebung etwa 215 Lancom-Access-Points und liefern den begehrten Internet-Zugang mit DSL-Geschwindigkeit. Mitglieder können die Access-Points kostenlos und mit einem Traffic-Volumen von 6 GByte pro Woche nutzen.
Die Access-Points in luftiger Höhe sind per WLAN-Richtfunk miteinander verbunden. So wird die Breitbandanbindung über verschiedene Gegenstellen bis zu zwölf Kilometer in die einzelnen Stadtteile weitergeleitet. Die DSL-Quelle liegt im Dresdner Vereinshauptsitz. Hier sind mehrere DSL-Leitungen angeschlossen.
Um möglichst viele Haushalte zu erreichen, sind die Access-Points auf den höchsten Gebäuden montiert: an 120 Masten auf Hausdächern, Kirchtürmen und sogar auf einer Sternwarte. Zielgerichtet werden die Signale der Access-Points mit externen Sektor- und Rundstrahlantennen verbreitet, wobei die Sektorantennen zur Ausleuchtung bestimmter abgegrenzter Bereiche und die Rundstrahlantennen zur großflächigen Ausbreitung des WLANs eingesetzt werden. Ein Funknetzwerk dieser Größe mit seinen zahlreichen Access-Points zu verwalten, stellt die Betreiber vor eine weitere Herausforderung. Schnell war klar, dass das nur mit standardisierten Geräten, die skriptgesteuert konfiguriert werden können, handhabbar ist. Nachdem der Verein Geräte verschiedener Hersteller, teilweise mit ernüchterndem Ergebnis, ausprobiert hatte, entschied man sich für einen einheitlichen Ausbau mit Lancom. Diese Netzwerk-Produkte erfüllten sämtliche Anforderungen und unterstützen die aktuellen Sicherheitsstandards.
Fazit
»Das Bürgernetz Dresden setzt seit zehn Jahren Lancom ein«, bemerkt Eberhard Mittag, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins Bürgernetz Dresden e.V. und Vereinsmitglied der ersten Stunde. »Ich bin froh, dass das Netz so stabil läuft und auch während des Elbehochwassers 2002 nicht ausgefallen ist. Die Vereinsmitglieder wissen diese Beständigkeit zu schätzen. Jährlich treten dem Verein rund 100 neue Mitglieder bei. Inzwischen sind mehrere Vereinszentren in und um Dresden entstanden, die Treffpunkt und Austauschplattform für die Aktiven im Verein sind.«
Das Dresdner WLAN ist ausbaufähig. Neue Richtfunkstrecken können sehr schnell in Betrieb genommen werden. Dank der standardisierten Netzkomponenten werden sie unkompliziert in das Netz integriert und wie die anderen Geräte zentral konfiguriert und verwaltet. Die Investition in das WLAN-Richtfunk-Equipment rechtfertigt sich schnell. Die Amortisierungszeit ist kurz und da die Anmietung von Standleitungen entfällt, entstehen keine hohen laufenden Kosten. Die Wartung und Instandhaltung organisieren aktive Vereinsmitglieder.
Beim Bürgernetz Dresden hat sich die Lancom-Technologie durchgesetzt und konnte mit ihren Produkteigenschaften und letztlich auch mit ihrem Preisvorteil punkten. Eberhard Mittag zieht aus der langjährigen Erfahrung ein Fazit: »Was sich bewährt hat, sollte man auch beibehalten.«
Caroline Salein
Förderverein Bürgernetz Dresden e.V.
Der Förderverein Bürgernetz Dresden bildet eine gemeinsame Aktivitäts- und Austauschplattform für alle, die sich für Computer und das World-Wide-Web sowie für die damit verbundenen technischen und inhaltlichen Möglichkeiten begeistern. Der Verein hat seit dem Gründungsjahr 1999 ein WLAN-Netz in Dresden und Umgebung in Eigeninitiative aufgebaut. Aktuell zählt der Verein etwa 1750 Mitglieder.
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