Gema will nicht als Sündenbock herhalten:
Apple ignoriert Urheber-Abgabe beim iPad

von Dr. Joachim Gartz (joachim.gartz@crn.de)

12.05.2010

Große Konfusion bei den Apple-Partnern: Die Firma Apple sollte für Deuschland schleunigst wieder einen ordentlichen Geschäftsführer einzusetzen. Für den Apple-Channel ist die uneinheitliche Linie des Herstellers bei der iPad-Preisgestaltung höchst ärgerlich.

Uneinheitliche Preise: Apple hat bei seinen iPad-Preisen zum Teil die Urheberabgabe ignoriert

Apple hat es im Laufe der letzten Tagen geschafft, wirklich mächtig Verwirrung um die Preise für die Ende Mai in Deutschland auf den Markt kommenden iPad-Modelle zu stiften. Der Hintergrund: Apple bietet hierzulande nun doch mehrere Modelle seines Tablet-Computers ohne einen Aufschlag für eine Urheberrechtsabgabe an. Apple hatte zunächst am Freitag erklärt, alle iPad-Modelle seien 15 Euro teurer als in anderen europäischen Ländern, weil in Deutschland eine pauschale Abgabe für Verwertungsgesellschaften fällig werde. Am Montag erschienen die kleinen und mittleren iPad- Modelle (16 und 32 GByte Speicher) im Apple-Onlineshop jedoch zu den Preisen, die in den europäischen Ländern mit vergleichbaren Mehrwertsteuersätzen verlangt werden. Nur die beiden größten Modelle mit 64 Gigabyte Speicher sind 15 Euro teurer als beispielsweise im französischen Apple-Shop.

Apple-Insider:»Apple braucht wieder einen Deutschland-Geschäftsführer«

Unser Apple-Channel-Insider, der es vorzieht, anonym zu bleiben, meint hierzu gegenüber Computer Reseller News: »Seit Monaten macht bei Apple in Europa und in Deutschland kein Mensch mehr etwas anderes als die ipad-Einführung. Die Zeit der Vorbereitung war aber offensichtlich immer noch zu kurz, da sich die Preise in der offiziellen Pressemitteilung von den Preisen im deutschen Apple Store unterschieden. Jetzt rächt sich, dass in Deutschland keinen verantwortlichen Geschäftsführer mehr gibt, sondern nur einzelne Abteilungen und Firmen die zueinander in Konkurrenz stehen«, so unsere vertrauliche Quelle aus dem Channel.

Gema will nicht als Sündenbock dastehen

Die Verwertungsgesellschaft Gema wehrt sich derweil gegen die Darstellung, sie habe den Preisaufschlag für die iPads verlangt. »Wir wollen nicht als Sündenbock herhalten«, so Gema-Direktor Urban Pappi. Richtig sei, dass für »Personal Computer ohne Brenner« ab 40 GByte Speicher ein Aufschlag von 12,15 Euro fällig werde. Es sei aber unklar, ob das iPad in irgendeiner Ausführung überhaupt in diese Kategorie falle. »Apple hat sich nicht bei uns gemeldet.«

Die Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ) werde für die iPad-Modelle zukünftig einen eigenen Tarif aufstellen, kündigte die Gema an. »Die hierfür notwendigen Voraussetzungen würden aber derzeit noch nicht vorliegen.

Mehrere Mobilfunkprovider haben zudem nun ihre Preise für UMTS-Verbindungen beim iPad veröffentlicht: Vodafone bietet für 20 Euro im Monat einen Datentarif mit 200 Megabyte. Für 30 Euro erhalten die Kunden ein unbegrenztes Datenvolumen. Die Telekom bietet iPhone-Kunden, die bereits einen mittleren oder großen «Complete»-Vertrag haben, eine Daten-Flatrate für das iPad an, in der auch WLAN-Zugänge enthalten sind. O2 offeriert drei Tarif-Varianten für das iPad: 200 Megabyte für zehn Euro im Monat, ein GByte für 15 Euro und ein unbegrenztes Volumen für 25 Euro. Zuvor hatten bereits Anbieter wie Fonic spezielle Tarife für das iPad veröffentlicht.

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