E-Mail aus der »Wolke«:
IBM greift mit Web-Mail-Service »Lotus Live iNotes« Google an

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

06.10.2009

Mit »Lotus Live iNotes« will IBM Google Apps und Microsoft Exchange Online das Leben schwer machen. Der Web-gestützte Service bietet Unternehmen E-Mail, einen Gruppenkalender und eine Adressverwaltung.

Rund 3 Euro plus Mehrwertsteuer pro User kostet im Monat Lotus Live iNotes [1] von IBM [2]. Der Online-Service soll die Zusammenarbeit von Mitarbeitern in Unternehmen und Behörden einfacher machen. IBM bietet den Dienst, ähnlich wie Google seine Google Apps oder Microsoft mit Exchange Online, als Cloud-Service an.

Bestandteile von Lotus Live iNotes sind ein Web-gestützter E-Mail-Service, eine Gruppenkalender-Funktion sowie das zentrale Management von Kontaktinformationen. IBM verspricht den Nutzern dasselbe Maß an Zuverlässigkeit und Sicherheit wie bei einem E-Mail-Server, den sie in Eigenregie betreiben.

Mit Lotus Live iNotes bietet IBM eine Alternative zu Google Apps und Microsofts Exchange Online.

Lotus Live iNotes kann sowohl als eigenständige Lösung betrieben werden als auch zusammen mit vorhandenen Mail-Systemen, wie etwa Lotus Notes oder Microsoft Exchange. Mit dem Angebot spricht IBM Firmen an, die ihre E-Mail-Infrastruktur zumindest teilweise »loswerden« möchten. Laut Anbieter soll sich das günstig auf die Kosten auswirken.

Technik stammt von Outblaze

Wer möchte, kann zudem bei Bedarf Collaboration-Funktionen hinzunehmen, natürlich gegen Aufpreis. Dazu gehören das gemeinsame Betrachten und Bearbeiten von Dokumenten oder Web-Videokonferenzen. Auch diese IT-Services bietet IBM im Rahmen von Lotus Live an.

Die Technik, bei Live iNotes zum Einsatz kommt, stammt von der Firma Outblaze. Sie wurde Anfang des Jahres von IBM übernommen.

Funktionen

Die Nutzer des IBM-Dienstes können E-Mails auf ihren Desktop-Rechnern, Notebooks oder Smartphones empfangen und versenden. Sie benötigen dazu einen Internet-Zugang und einen Web-Browser.

Der Nutzer von Lotus Live iNotes greift über einen Browser auf E-Mails und Adressdaten zu.

Der User hat Zugriff ein persönliches Adressbuch und »seinen« Kalender. Firmen können jedoch auch Gruppenkalender und zentrale Adressverzeichnisse bereitstellen. Auf Wunsch integriert IBM außerdem einen Spam- und Virenschutz.

Die Daten werden mit SSL verschlüsselt, bevor sie übertragen werden. Als Ergänzung bietet IBM Tools an, mit denen sich E-Mail-Accounts zentral aufsetzen und verwalten lassen.

Zu den ersten Anwendern von Lotus Live iNotes gehören Nokia und Panasonic. Der Handy-Hersteller stellt mithilfe der IBM-Lösung seinen Kunden E-Mail-Services für Mobiltelefone zur Verfügung. Panasonic dagegen setzt den Web-Mail-Dienst als Kommunikationsplattform für seine Mitarbeiter ein. Außerdem hat die japanische Firma Lieferanten und Partner mit einbezogen.

Konkurrent 1: Microsoft Exchange Online

Das Angebot von IBM konkurriert in erster Linie mit Google Apps und Microsofts Exchange Online. Die Online-Ausgabe von Exchange bietet dieselben Funktionen wie Notes iLive. Der Anwender kann zwischen Mailboxen von 5 bis 25 GByte Größe pro User wählen. Ebenfalls vorhanden sind IT-Security-Funktionen wie Antivirus- und Antispam-Filter.

Auch Microsoft bietet mit Exchange Online eine Web-basierte Version seines E-Mail-Produkts.

Die technische Basis des Ganzen bildet Exchange 2007. Gegen Aufpreis bietet Microsoft die Einbindung von Blackberry-Smartphones und das Archivieren von E-Mails an.

Die Standard-Ausgabe von Exchange Online kostet bei 10 Usern rund 85 Euro im Monat. Das ist erheblich mehr als IBM verlangt. Allerdings bietet iNotes nur 1 GByte Speicherplatz pro Benutzer.

Konkurrent 2: Google Apps

Google Apps stellt 25 GByte E-Mail-Speicherplatz pro Mitarbeiter bereit. Auch dieser Service versorgt die Nutzer mit einem Gruppenkalender, einem Adressbuch sowie Instant-Messaging via Video oder Textnachrichten. Seit Ende August ist zudem ein Google-Apps-Connector für den Blackberry-Enterprise-Server verfügbar.

Google verspricht, dass Nutzer des Online-Dienstes im Vergleich zu einer herkömmlichen E-Mail-Lösung etwa 50 bis 70 Prozent der Kosten sparen können. Als »Hauptfeind« sieht der Anbieter vor allem Microsoft mit Exchange und Exchange Online.

Google hat Google Mail beziehungsweise Gmail in Google Apps integriert.

Die Verfügbarkeit von Google Apps, inklusive der E-Mail-Komponente, gibt die Firma mit 99,9 Prozent an. Das heißt, der Dienst fällt pro Jahr maximal rund 9 Stunden aus.

Nach Einschätzung der Beratungsgesellschaft Gartner [3] ist die Kritik, die Google Apps wegen einiger Aussetzer zuletzt einstecken mußte, nicht gerechtfertigt. Laut Gartner kommen E-Mail-Services in Unternehmen im Schnitt auf eine Verfügbarkeit von nur etwa 95 Prozent.

Google Apps Professional kostet 40 Euro pro Benutzerkonto im Jahr.

[1] http://www.lotuslive.com/de/
[2] http://www.ibm.de/
[3] http://www.gartner.com/