Bunte Funktionsvielfalt:
Die Grenzen zwischen Remote-Management und -Control verwischen
Remote-Control-Programme beschränken sich schon lange nicht mehr auf die Fernsteuerung. Mittlerweile dringen sie aber weit in die Domäne von Remote-Management ein und liefern etwa auch Hard- und Software-Inventarisierung.
Das ungebrochene Wachstum geographisch verteilten IT-Landschaften erfordert effiziente Produkte für den Remote-Support und das Remote-Management der weit entfernten Ressourcen. Das gilt vielleicht heute mehr denn je: Welche Organisation möchte sich heute noch erlauben, teure IT-Spezialisten vor Ort zu halten oder bei Bedarf auf die Reise zu schicken? Mit Remote-Control-Software können IT-Profis viele Aufgaben erledigen, die sonst nur durch einen persönlichen Besuch in der Zweigstelle lösbar wären.
Die Remote-Control-Software »NetOp Remote Control 9.22« von Danware
Klassisch umfasst Remote-Control wenig mehr als den Zugriff auf Tastatur, Maus und Bildschirm des fernen Computers - eben die Steuerung des Computers aus der Ferne. Im Laufe der Jahre hat sich Remote-Control-Software aber nach und nach zu einer universalen Remote-Support- und Management-Software entwickelt. So gehört beispielsweise eine Dateitransfer-Applikation schon seit langer Zeit zur Grundausstattung fast jeden Remote-Control-Programms.
Die Remote-Control-Software »Remotely Anywhere 9« von LogMeIn
Beim Remote-Management ging es bislang eher um den Zugriff auf entfernte Dienste und Applikationen, die Administration entfernter Maschinen und der darauf installierten Software sowie um die Überwachung des Zugriffs auf Remote-Desktops. Diese Aufgaben erledigen in der Regel Client- oder Desktop-Management-Produkten. Aber immer häufiger tauchen entsprechende Funktionen in oft deutlich preiswerteren Remote-Control-Produkten auf - oder Remote-Control-Funktionen in Desktop-Management-Lösungen. Klare Grenzen existieren nicht mehr.
Auf die unterstützten Betriebssysteme achten
Ein Administrator muss nun sorgfältig abwägen, welche Funktionen er für sein Unternehmen benötigt. Sonst gibt er Geld für Features aus, die er gar nicht braucht. Andererseits muss die ausgewählte Software auch alle an sie gestellten Anforderungen erfüllen. Eines der wichtigsten Auswahlkriterien ist die IT-Landschaft, in der das Remote-Control-Produkt laufen soll, denn nicht jedes Produkt unterstützt sämtliche Desktop-Betriebssysteme. So arbeitet die Software nicht selten auf den zu steuernden Computern ausschließlich mit Windows-Betriebssystemen zusammen.
Die Remote-Control-Software »pcAnywhere 12.5« von Symantec
Anders sieht es mit dem Rechner aus, vor dem der IT-Verwalter sitzt. Hier sind viele Hersteller inzwischen dazu übergegangen, entweder ausschließlich oder als zusätzliches Feature Webtechnik einzusetzen. Das bedeutet, dass für den Zugriff lediglich ein Web-Browser (in der Regel mit Java-Support) notwendig ist. Damit spielt es keine Rolle mehr, welches Betriebssystem der Computer nutzt. Der Administrator sollte aber unbedingt verschiedene Browser ausprobieren, denn nicht immer funktioniert die Lösung nicht mit allen Browsern gleich gut.
Unterschiedlicher Sprachgebrauch
Mit einer Remote-Control-Software steuert ein Benutzer, in der Regel ein Administrator oder Helpdesk-Mitarbeiter, von seinem Computer aus über eine Netzwerk- oder DFÜ-/Internet-Verbindung einen anderen Computer fern. Alle Produkte der Kategorie »Remote-Control« erlauben diese Art des Zugriffs. Unterschiede gibt es allerdings beim »Look and Feel« und bei zusätzlichen Funktionen, die den Fernsteuerungsdienst einfacher nutzbar machen oder die Funktionalität des Produkts erweitern.
Je nach Remote-Control-Produkt heißt der steuernde Computer mal »Gast«, »Guest«, »Control« oder »Master« und der gesteuerte »Host«, »Remote« oder »Client«. Network Computing verwendet einheitlich den Ausdruck Host für die gesteuerte Maschine und den Begriff Master für die Maschine des Benutzers, der die entfernte Maschine steuert.
Basisfunktionen Remote-Steuerung und Dateitransfer
Remote-Control-Software ist das Produkt von zwei ursprünglich einmal getrennten Disziplinen: Hersteller wie Laplink starteten vor Jahren mit Programmen für Dateitransfers zwischen zwei Computern, andere Hersteller mit Programmen, die lediglich die Fernsteuerung eines entfernten Rechners erlaubten. Beide Disziplinen sind inzwischen verschmolzen, so dass sich mit aktuellen Remote-Control-Programmen Computer sowohl fernsteuern als auch Dateien zwischen Hosts und Master-Computern übertragen lassen.
Die Software »Remote Control Manager v10.50« von NetSupport
Der Dateitransfer ist allerdings ein Punkt, den nicht alle Hersteller in gleicher Art und Weise implementieren. Einfachere Remote-Control-Produkte erlauben nicht viel mehr, als Dateien und Verzeichnisse zu kopieren und zu verschieben. Andere Angebote implementieren dagegen eine vollständige Verzeichnissynchronisation und Datei- und Verzeichnisoperationen über Scripts automatisieren.
Vielfältige Funktionen
Die Fernsteuerung und der Dateitransfer sind also die Grundfunktionen jeder Remote-Control-Lösung. Aber fast alle Hersteller fügen ihren Produkten Funktionen hinzu, die einige dieser Produkte zu vollwertigen Remote-Management-Paketen werden lassen. Chat- und Nachrichtenfunktionen sind heute selbstverständlich und Voice-Chats fast schon Standard.
Andere Zusatzfunktionen reichen von Whiteboards, der Hard- und Software-Inventarisierung über Remote-Programmstart und -Befehlszeile bis hin zu Funktionen zum Editieren der Registries der Hosts, zum Verwalten der Dienste, Tasks und Geräte. Das für große verteilte IT-Landschaften so wichtige zentrale Management ist zwar fast durchgängig vorhanden oder lässt sich dazukaufen. Es ist allerdings bei vielen Produkten noch verbesserungswürdig.
Vollständige Hard- und Software-Inventarisierung ist wertvoll. Konsolidiert das Remote-Control-Programm solche Informationen aber nicht in einem zentralen Verzeichnis, sind sie nur noch halb soviel wert. Gleiches gilt für Authentifikationsinformationen, Log- und Protokolldateien. Einige Hersteller ermöglichen eine Zentralisierung solcher Informationen nur mit Hilfe optionaler Zusatzprodukte.
Die Remote-Control-Software »Radmin 3.2« von Famatech
Sicherheit nicht vergessen
Die meisten Remote-Control-Programme bieten dem zugreifenden Benutzer tiefe Einblicke in die fernen Computer und erlauben die Ausführung von Funktionen, die einen Computer auch schnell zerstören können. Ein Administrator sollte also unbedingt darauf achten, dass die Software einen ausreichenden Schutz vor Missbrauch offeriert. Eine einfache Benutzerauthentifikation, Benutzersteuerung und IP-Zugriffssteuerung bieten so gut wie alle Remote-Control-Produkte. Wer nach Smartcard-Unterstützung, starker Verschlüsselung und Callback-Funktionen sucht, hat schon keine so große Auswahl mehr.
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