Mobilfunk: Versteigerung von Lizenzen:
Die Runde zwei im Kampf um den Mobilfunkmarkt
Am kommenden Montag startet nach der UMTS-Auktion im Jahr 200 die zweite große Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen in Deutschland. Die Bundesnetzagentur bietet Frequenzen in den Bereichen 800 MHz bis 2,6 GHz an. Für die vier Teilnehmer der Auktion geht es um nichts Geringeres als ihre Zukunft.
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Eines steht bereits jetzt fest: Der leidgeprüfte Finanzminister Schäuble darf sich wenig Hoffnung machen, dass die Versteigerung der Mobilfunklizenzen in der kommenden Woche einen warmen Regen für die leere Staatskasse bringt.
Breitbanddienste immer und überall: Mit Long Term Evolution und HSPA+ wollen die Mobilfunkfirmen dies in die Tat umsetzen.
Als er 2000 die UMTS-Lizenzen unter den Hammer kamen, erlöste der Bund damit satte 50,8 Milliarden Euro. Die am Montag beginnende Versteigerung weiterer Mobilfunklizenzen dürfte dagegen nur 5 bis 8 Milliarden Euro einbringen.
Die Bundesnetzagentur [1] bietet Frequenzen in den Bereichen 800 MHz, 1,8 GHz, 2 GHz und 2,6 GHz für den drahtlosen Netzzugang an. Zur Versteigerung wurden vier Unternehmen zugelassen:
Die Erste MVV Mobilfunk Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH (E-Plus [2]),
T-Mobile Deutschland [4] sowie
die Vodafone D2 GmbH [5].
Es handelt sich also gewissermaßen um die »üblichen Verdächtigen«, die auch bereits bei der UMTS-Auktion vor zehn Jahren aktiv waren. »Nur mit den angebotenen Frequenzen unter 1 GHz können viele noch unversorgte Regionen schnell und effizient einen Breitband-Zugang erhalten. Die Bedeutung der Auktion für den Standort Deutschland ist daher kaum zu überschätzen«, erläutert Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer, Präsident des deutschen High-Tech-Verbandes Bitkom [6].
Digitale Dividende für unterversorgte Regionen
Die vier zum Auktionsverfahren zugelassenen Netzbetreiber sagten bereits im Vorfeld zu, die unversorgten Regionen vorrangig auszubauen. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 700 Gemeinden, die nur via Satellit mit Breitband-Internetservices versorgt werden können. Mithilfe der neuen Frequenzbänder sollen diese »weißen Flecken« von der Landkarte verschwinden.
Die Bundesnetzagentur versteigert ab dem 12. April Frequenzen in den Bereich zwischen 800 MHz und 2,6 GHz.
Für die Versorgung dieser Regionen kommen vor allem die Frequenzen im Bereich 790 bis 862 MHz in Betracht. Diese »Digitale Dividende« ist laut Bitkom derzeit die einzige wirtschaftlich sinnvolle Lösung, um abgelegene Gebiete mit Breitband-Services zu beliefern.
Mobile Datendienste statt Sprachkommunikation
Für die vier Mobilfunkfirmen, die um die Lizenzen bieten, bedeutet die Auktion einen Markstein. Nur wer sich weitere Frequenzbänder sichern kann, ist in der Lage, den Anteil von Datendiensten via Mobilfunk auszubauen.
Und Datenservices, nicht klassische Telefonie-Angebote, sind die »Geldkühe« der Zukunft. Nach Angaben der Beratungsfirma Steria-Mummert Consulting [7] wollen die Mobilfunk-Service-Provider in Deutschland den Umsatz mit mobilen Internet-Diensten und Download-Plattformen bis 2015 verdreifachen. Der Bitkom schätzt, dass 2009 rund 40 Millionen Gigabyte Daten über drahtlose Netze übermittelt wurden.
Die Grundlage für neue mobile Datenservices legen schnelle Techniken wie HSPA+ und Long Term Evolution (LTE). »Der Aufbau schneller LTE-Breitbandnetze ermöglicht das Angebot neuer Serviceleistungen, beispielsweise mobiler Webkonferenzen für Geschäftskunden«, sagt Peter Hascher, Telekommunikationsexperte bei Steria-Mummert. »Für Privatkunden wird es möglich sein, Filme und aktuelle TV-Sendungen in bester Qualität am mobilen Endgerät anzuschauen.«
LTE als Türöffner für neue Preismodelle
Die LTE-Technik öffnet den Mobilfunkbietern darüber hinaus die Tür für neue Preismodelle. So können Mobilfunkunternehmen beispielsweise Nutzern ihrer eigenen Download-Plattformen im Vergleich zu anderen Internet-Quellen optimierte Verbindungen zuweisen. Aus Sicht des Unternehmens wird zudem eine verbrauchsabhängige Auslastung der Netzkapazitäten möglich, vergleichbar mit dem Smart-Metering-Ansatz der Energieversorger.
Die maximale Download-Geschwindigkeit von derzeit 100 MBit/s bei LTE wird abhängig von der Nutzung verteilt. Jeder User entscheidet, welche Bandbreite und Qualität er benötigt und bucht bei Bedarf einen Premiumdienst hinzu. »Über solche Geschäftsmodelle werden die Netzbetreiber künftig den Löwenanteil ihrer Gewinne erzielen«, ergänzt Hascher.
Niedrigere Kosten durch selbstoptimierende Netze
LTE hat noch einen weiteren Vorteil: Die Technik ist so ausgelegt, dass sich der Netzbetrieb besser automatisieren lässt als bei UMTS-/3G-Netzen. Dazu gehört beispielsweise die Übergabe der Handyverbindung von einer Funkzelle zur nächsten. »Dadurch sind Kosteneinsparungen von bis zu 30 Prozent möglich«, so Peter Hascher.
Die Zahl der UMTS-/3G-Mobilfunkanschlüsse in Deutschland ist 2009 drastisch angestiegen.
Doch um Breitband-Mobilfunkservices anbieten zu können, müssen die entsprechenden Frequenzen her. Die besten Chancen bei der Versteigerung in der kommenden Woche werden die »Big Playern« T-Mobile und Vodafone eingeräumt. Beide hatten im Jahr 2009 zusammen genommen 69 Prozent der Mobilfunkkunden in Deutschland: T-Mobile 36 Prozent, Vodafone 33 Prozent.
Schwer einzuschätzen ist, welche Rolle O2 Germany spielen wird. Mit 14 Prozent Marktanteil und rund 15,5 Millionen Mobilfunkkunden ist das Unternehmen derzeit auf Platz vier zu finden, hinter E-Plus/KPN. Allerdings hat O2 mit Telefónica eine kapitalstarke Muttergesellschaft, die durchaus in der Lage ist, einige Milliarden für den Kauf von Lizenzen locker zu machen.
Im vergangenen Jahr investierte O2 rund 3 Milliarden Euro in den Ausbau des Netzes in Deutschland. Seit Januar verfügt das Unternehmen über eine komplett eigenständige Infrastruktur, die fast alle Regionen abdeckt. Es bietet sich an, diese Strategie weiter zu verfolgen und mittels neu hinzu gekaufter Frequenzbänder das Service-Angebot zu erweitern.
[1] http://www.bundesnetzagentur.de/
[2] http://www.eplus.de/
[3] http://www.o2germany.de/
[4] http://www.t-mobile.de/
[5] http://www.vodafone.de/
[6] http://www.bitkom.org/
[7] http://www.steria-mummert.de/
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